Aesch
Das Experimentier-Zimmer ist «ein Raum, der Wissen schafft»

Ein Experimetier-Zimmer für Kindergarten und Primarschule soll den Fachkräftemangel im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich beseitigen. Das 80 000 Franken teure Zimmer soll Kindern die MINT-Fächer schmackhaft machen.

Joël Hoffmann
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Nathalie Meyer und Nadja Herrmann (von links) haben mit anderen Lehrerinnen den ersten MINT-Raum für die Primarschule lanciert.

Nathalie Meyer und Nadja Herrmann (von links) haben mit anderen Lehrerinnen den ersten MINT-Raum für die Primarschule lanciert.

Kenneth Nars

Die Wirtschaft klagt über zu wenig Nachwuchs in den technischen und naturwissenschaftlichen Berufen. Schon vor längerem wurde der Ruf laut, die Schulen sollen Kinder Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik näherbringen.

Diese Forderung floss in den Lehrplan 21 ein. Die Primarlehrer, die als Generalisten alle Fächer unterrichten, stehen vor der Herausforderung, die sogenannten MINT-Fächer ihren Schülern schmackhaft zu machen.

Die Primarschule und der Kindergarten Aesch gehen einen fürs Baselbiet noch einzigartigen Weg. Seit diesem Schuljahr gibt es an der Primarschule einen speziellen Raum, wo Kinder experimentieren können. Dafür engagierte sich ein Team von Lehrerinnen vier Jahre lang – auch in der Freizeit.

Neuer Raum entlastet Lehrer

Zwei von ihnen sind Nathalie Meyer und Nadja Herrmann. Entstanden sei die Idee eines MINT-Raums quasi als Selbsthilfe für die Lehrer. Die Anforderungen an sie, mehr auf Sprachen und vor allem eben auf die MINT-Fächer zu fokussieren, bringe manch einen ans Limit.

Statt dass jeder einzeln sich um Material für Experimente bemüht und dann frontal vor den Schülern damit «spielt», finden die Lehrer im Raum zig Kisten mit Experimenten. Mehr noch:

Im Zimmer mit dem Namen «Atelier – ein Raum, der Wissen schafft» können die Kinder sich selbst etwas beibringen. Das Zimmer bietet genügend Platz für Experimente in Gruppen. Im normalen Klassenzimmer habe es laut Meyer und Herrmann keinen Platz, nebst all den Papieren die schweren Schulbänke herumzuschieben. Im Atelier hingegen schon.

Meyer und Herrmann betonen, wie wichtig Experimente, die die Schüler selbst durchführen, für ihren Lernerfolg seien. Es ist wie mit den Französischvokabeln, die man mühselig büffelt, aber schnell vergisst, wenn man nicht auch Französisch spricht.

Ob Experimente mit Sonnenkollektoren oder Versuche mit Feuer, die Schüler seien Feuer und Flamme, wenn sie selber auf Entdeckungsreise gehen können und ihnen nicht der Lehrer vorne an der Tafel alles vorkaue.

Raum trotz Platznot realisiert

Den Umbau des Zimmers zum Atelier mit wasserdichtem Boden, Backofen und mehreren Wasserhahnen liess sich die Gemeinde Aesch 80'000 Franken kosten. Baukästen mit Verbrauchsmaterial erwirbt die Schule günstig über einen Online-Anbieter, dessen angebotene Experimentboxen von Firmen aus der Privatwirtschaft gesponsert werden.

Zudem haben die Lehrer einiges, wie Bienenkästen, selber gebaut. Während der Sommerferien haben sie den Raum fertiggestellt und alle Experimentboxen katalogisiert. Über eine Website können sich Lehrer mit Stichworten, wie etwa «Solarenergie», die vorhandenen Experimente anschauen.

Die Schulleitung sei immer hinter der Idee gestanden, obwohl an den Schulen generell Platznot herrscht. Der Raum ist nicht fester Teil des Stundenplans, die Lehrer können einzelne Stunden den Raum nutzen oder für eine Projektwoche.

Die Lehrerinnen sind überzeugt: Der Raum ist eine Erleichterung für die Lehrer, fördert und begeistert die Schüler und liefert mittelfristig den Firmen die ersehnten Fachkräfte.