Baselbiet
Das Farnsburger Bier steht vor einem Comeback

Im Baselbiet ist das Ende der Durststrecke für patriotische Biertrinker in Sicht. In zwei Jahren soll das wiedererwachte Farnsburger Bier fliessen. Eine neue Baselbieter Brauerei will im grossen Stil Gerstensaft brauen und vertreiben.

Jürg Gohl
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Nostalgischer Blick auf den «Barfi» mit dem Restaurant der Oberbaselbieter Brauerei Farnsburg.

Nostalgischer Blick auf den «Barfi» mit dem Restaurant der Oberbaselbieter Brauerei Farnsburg.

Baselland erhält bald wieder ein eigenes Bier. Seit 2006, seit das Ziegelhof nicht mehr in Liestal, sondern in Luzerner Kesseln gärt, sind die markanten Schwaden aus dem Stedtli verschwunden. Doch im Jahr 2013 enden die sieben mageren Jahre. In zwei Jahren, so plant dies die eben gegründete Brauerei Farnsburg AG, soll im Baselbiet wieder im grösseren Stil Bier produziert werden: das Farnsburger Bier.

Völlig offen ist, ob der neue Gerstensaft in Liestal selber gebraut wird. Fest steht bisher nur, dass sich der Geschäftssitz im Kantonshauptort befindet, genauer im Büro von Verwaltungsrat-Vizepräsident Roger Holzer. Heute vor einem Monat wurde die AG gegründet, und sie lässt keine Zweifel aufkommen: Von einer «Bieridee», von der gerade in solchem Zusammenhang oft geschrieben wird, kann keine Rede sein.

Reto Wetzel, der Präsident der neu gegründeten Aktiengesellschaft, möchte seine Pläne vorerst für sich behalten und vertröstet den «Sonntag» auf November. Dann erst möchten er und seine Mitstreiter, zu denen auch der frühere Staatsarchivar Matthias Manz zählt, mehr über ihr Projekt verlauten lassen. Immerhin ist bekannt, dass sich Wetzel die Rechte an der Wort- und Bildmarke «Farnsburger Bier» gesichert hat und dass die neu gegründete Gesellschaft ihr Bier nicht nur brauen, sondern auch vertreiben will. Das Aktienkapital beträgt 225000 Franken.

Übernommen und stillgelegt

Den Namen «Farnsburger Bier» trug einst ein Gebräu, das ab 1883 in Gelterkinden gebraut, bereits 1907 von Warteck übernommen und sogleich stillgelegt wurde. Immerhin lieh das Bier aus dem Oberbaselbiet einst jenem legendären Restaurant am Barfüsserplatz 9 seinen Namen, das erst 1979 der ersten Basler McDonald’s-Filiale weichen musste. Über zwanzig Jahre länger konnte sich in Liestal beim unteren Eingang zum Stedtli ein Restaurant halten, das ebenfalls nach der einstigen Gelterkinder Brauerei benannt war. Die Namensrechte befanden sich zuletzt nicht mehr im Besitz von Feldschlösschen, der eigentlichen Erbin des ersten Farnsburger Biers.

Immer wieder sind als Antwort auf die Globalisierungstendenz im Biermarkt – nicht nur in der Region – neue, kleinere Brauereien entstanden oder angekündigt worden. Die Zahlen sind beeindruckend: 1985 wurden im ganzen Land lediglich 34 Bier-Hersteller gezählt, im Jahr 2000 waren es bereits 98, wiem im Buch «Bier und wir» des Historikers Matthias Wiesmann nachzulesen ist. Es folgte bis heute ein noch gewaltigerer Sprung: Gemäss der Website des Brauereiverbandes sind es aktuell 325.

Feldschlösschen nimm Konkurrenten ernst

Bei Feldschlösschen nehme man jeden neuen Konkurrenten ernst, sagt Markus Werner, der Kommunikationschef des Schweizer Marktführers aus dem Haus Carlsberg. Das gelte auch für das Farnsburger Bier. Umgekehrt weiss er, dass neue, kleine Brauereien auch das Produkt an sich ins Rampenlicht rücken und damit indirekt auch für das Rheinfelder Bier werben.

Da gibt es die bekannten Basler Biere wie Unser Bier oder das Ueli Bier. Im Liestaler Restautant Alti Braui wird, der Name verpflichtet eben, seit einem Jahr ein eigenes Bier gezapft, das in Grellingen gebraut wird. Es scheint den Gästen zu schmecken, denn rund 1200 Liter fliessen pro Jahr. In Lausen stellten zwei junge Hobby-Brauer erst vergangenen Monat ihr Projekt für ihr neues «Baselbieter Bier», wie das Produkt gleich heissen soll, in völlig neuen Dimensionen vor: 20000 Liter wollen die beiden Jungunternehmer pro Monat vorwiegend an den Mann bringen. Weniger üppig fliessen bisher die Aktien: Knapp über 500 à 100 Franken sind bisher verkauft.

Zu hohe Nachfrage

Im Oberbaselbiet gären das Büchel-Bier aus Zunzgen oder der Homburger Bräu aus Thürnen. In Anwil produzierte ein Swiss-Linienpilot bis vor einem Jahr den Ammeler Gugger. Dann musste er aufgeben. Brauer und Anlage wurden der steigenden Nachfrage von Restaurants und Einzelkunden nicht mehr Herr. Der Name des erfolgreichen Brauers: Reto Wetzel, der Mann hinter dem Farnsburger Bier.

Mit dem neuen Bier will Wetzel schon bald die Erfolgsgeschichte des Guggers fortschreiben. Wetzel lässt immerhin durchblicken, dass er ein langfristiges Projekt aufziehen will. Die Vorgabe des ersten Farnsburger Biers ist gesetzt. Es etablierte sich in Basel und verpasste das 25-Jahr-Jubiläum hauchdünn.