Tod des Regierungsrats
«Das gezeichnete Bild entspricht nicht den Leistungen von Peter Zwick.»

Der Baselbieter CVP-Regierungsrat ist am Samstag verstorben. Basels Gesundheitsdirektor Carlo Conti sagt, sein verstorbener Baselbieter Amts- und Parteikollege Peter Zwick sei unterschätzt worden.

Valentin Kressler und Andreas Maurer
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2007 wurde Zwick als Nachfolger von Elsbeth Schneider in die Exekutive Gewählt und übernahm die Volkwirtschafts- und Gesundheitsdirektion

2007 wurde Zwick als Nachfolger von Elsbeth Schneider in die Exekutive Gewählt und übernahm die Volkwirtschafts- und Gesundheitsdirektion

Im August 2012 wurde bekannt, dass der Baselbieter CVP-Regierungsrat Peter Zwick (62) einen Tumor im rechten Auge hat. Nach ärztlichen Behandlungen sah es danach aus, dass sich sein Gesundheitszustand wieder verbesserte. Zwick fühlte sich fit und nahm die Regierungstätigkeit wieder auf.

Anfang Februar dann die Wendung. Zwicks Zustand verschlechterte sich erneut, ein medizinischer Eingriff war nicht mehr möglich. Gestern ist er unerwartet rasch zu Hause in Münchenstein verstorben, wie die Regierung mitteilte. Nur eine Woche vor der Ersatzwahl für seinen Regierungskollegen Adrian Ballmer (FDP). CVP-Präsidentin Sabrina Mohn spricht gegenüber dem «Sonntag» von einem Schock: «Ich bin traurig und sprachlos.» Sie werde Zwick als kontaktfreudigen, humorvollen Politiker in Erinnerung behalten, sagt sie.

Alt Bundesrat Moritz Leuenberger kondoliert

Auf der Facebook-Homepage der Basellandschaftlichen Zeitung hat Alt Bundesrat seine Anteilnahme zum Tod des Regierungsrats ausgedrückt: «Mein tiefes Beileid an seine Frau und die Kinder»

Fast 6 Jahre in der Regierung

CVP-Politiker Zwick gehörte der Baselbieter Regierung während fast sechs Jahren an. 2007 wurde er als Nachfolger seiner Parteikollegin Elsbeth Schneider in die Exekutive gewählt. Er übernahm von Erich Straumann (SVP) die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion, die er auch nach seiner Wiederwahl bei den Erneuerungswahlen 2011 behielt. In Zwicks Amtszeit fielen wichtige gesundheitspolitische Weichenstellungen wie die Zusammenführung der Spitäler sowie die Verselbstständigung des Kantonsspitals und der Psychiatrie. In seiner zweiten Legislatur hatte es Zwick zunehmend schwierig. Unter Druck geriet er wegen der Spitalpolitik, aber auch wegen der von der Regierung im Februar 2012 angekündigten Wirtschaftsoffensive. Die Wahl von SVP-Nationalrat Thomas de Courten zum neuen Baselbieter Wirtschaftsförderer stiess auf breite Kritik. Die Wirtschaftsoffensive selbst kommt kaum vom Fleck. Seit Ende 2012 tritt Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro (FDP) als erste Ansprechperson bei diesem wichtigen Dossier auf. Rücktrittsforderungen wies Zwick allerdings beharrlich zurück. Trotz der Kritik an seiner Politik sei er immer gelassen geblieben, sagt Mohn. Das habe sie fasziniert.

Conti betont Leistungen Zwicks

Aus Sicht des Basler Gesundheitsdirektors Carlo Conti (CVP) war die Kritik aus dem Landrat an Zwick übertrieben: «Das Bild, das gezeichnet wurde, entspricht nicht den Leistungen von Peter Zwick.» Dass man als Regierungsrat auch Fehler mache, sei klar. Der Spielraum sei aber eng begrenzt: «Im Kanton Baselland sind die Departemente ressourcenmässig so klein, dass es mit den bewilligten Mitteln kaum möglich ist, stärkere Aktivitäten zu entfalten.» Um mehr zu erreichen, hätte Zwick mehr Zeit oder mehr Mitarbeiter benötigt, meint Conti. Ähnlich äussert sich der Baselbieter EVP-Präsident Urs von Bidder: «Die teils heftige Kritik an seiner Spitalpolitik zeigt, wie schwierig es ist, auf dem engen Raum der Nordwestschweiz vernünftige partnerschaftliche Lösungen zu erreichen.»

Einige handfeste Erfolge hat aber auch Zwick zu verzeichnen. Etwa die freie Spitalwahl zwischen den beiden Basler Halbkantonen: «Auch wegen der starken Unterstützung von Peter Zwick wird diese 2014 eingeführt», sagt der Basler Conti. Er erlebte Zwick als Brückenbauer: «Sein Wille nach einem gemeinsamen Versorgungssystem war immer spürbar. Auch wenn gewisse Kräfte im Baselbiet andere Ziele verfolgten.» Auch im persönlichen Umgang schätzte Conti den «geselligen» Parteikollegen: «Mit ihm konnte man auch mal bei einem Glas Wein die geschäftlichen Dossiers beiseitelegen und es lustig haben und lachen.»

Mit Humor ans Werk

Diese Eigenschaft hebt auch der Baselbieter alt Regierungsrat Jörg Krähenbühl (SVP) hervor, der gemeinsam mit Zwick 2007 gewählt wurde: «Peter Zwick hat nach harten Verhandlungen immer schnell die Stimmung mit seinem Humor wieder aufheitern können.» Krähenbühl weist auch auf einen wirtschaftspolitischen Erfolg hin: «Er hat nach dem Schliessungsentscheid der Clariant in der Schweizerhalle sofort das Lead für die weitere Entwicklung des Areals übernommen. Innert kurzer Zeit hat er die ersten Ansiedlungen im neuen Industriepark bekannt geben können.»

Vor seiner Wahl in die Regierung war Zwick Präsident der CVP/EVP-Fraktion im Landrat sowie Präsident der römisch-katholischen Landeskirche Baselland. Seine politische Karriere startete der
gelernte Offsetdrucker und Maschineningenieur 1995 als Mitglied der Münchensteiner Gemeindekommission.

Peter Zwick hinterlässt seine Frau und zwei erwachsene Kinder. Die Abdankung findet am Freitag, 1. März, 14 Uhr, im Dom von Arlesheim statt.