Bildung
Das Gschwind-Projekt: Baselbieter Gewerbeschulen sollen zusammengelegt werden

Verlässt die gewerblich-industrielle Berufsschule Liestal und wird mit derjenigen in Muttenz zusammengelegt? Einiges deutet darauf hin, dass die Baselbieter Erziehungsdirektorin Monica Gschwind darauf hinarbeitet.

Hans-Martin Jermann und Andreas Hirsbrunner
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Die Gewerbeschule in Liestal steht womöglich vor einem Umzug.

Die Gewerbeschule in Liestal steht womöglich vor einem Umzug.

Kenneth Nars

Seit zwei Jahren ist Monica Gschwind (FDP) Bildungsdirektorin des Kantons Baselland. Nachdem sie zu Beginn ihrer Amtszeit den «Marschhalt« proklamiert hatte, hörte man lange wenig Konkretes, wie sie das Baselbieter Bildungswesen in die Zukunft führen will. Doch nun bastelt Gschwind an einem Masterplan für die Sekundarstufe II, also für die nach-obligatorischen Schulen wie Gymnasien und Berufsfachschulen.

Den Plan will die Vorsteherin der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) am 19. Juni einem erlauchten Kreis von Landräten, dem Bildungsrat sowie den Partei-Spitzen vorstellen. Die schriftliche Einladung, die der bz vorliegt, ist zudem an den Gemeinderat von Muttenz und den Stadtrat von Liestal adressiert – ein klares Indiz, dass diese Gemeinden schwergewichtig von den Neuerungen betroffen sind.

3000 Lehrlinge betroffen

Gemäss Einladung hat der Masterplan einen baulichen und einen organisatorischen Aspekt. Auf Anfrage will sich Regierungsrätin Gschwind mit Verweis auf den 19. Juni nicht zu ihren Plänen äussern. Das wahrscheinliche Szenario: Die beiden Gewerblich-industriellen Berufsfachschulen von Muttenz (GIBM) und Liestal (GIBL) werden fusioniert und an einem einzigen Standort – in Muttenz – zusammengezogen. Dies sagen zwei Quellen unabhängig voneinander. An GIBM und GIBL werden je 1500 Lernende unterrichtet sowie 150 (GIBM) respektive 130 Mitarbeitende (GIBL) beschäftigt. Eine Fusion wäre naheliegend: Weshalb sich Baselland – im Gegensatz etwa zu Basel – zwei unabhängig voneinander operierende Gewerbeschulen leistet, ist nur aus historischen, nicht aber aus praktischen Gründen erklärbar.

Eine Zusammenlegung war bereits vor Jahren ein Thema, scheiterte aber am Widerstand der Schulspitzen. Kommt hinzu: An beiden Standorten herrscht Investitionsbedarf, beim Status quo wird es nicht bleiben. Gemäss Entwicklungskonzept für die Sek-II-Schulen in Muttenz will der Kanton das bestehende Gebäude der Gewerbeschule in Muttenz sanieren und einen Erweiterungsbau erstellen. Damit könnte auch der heutige Nebenstandort der GIBM in Pratteln aufgelöst werden. Eine Konzentration der Gewerbeschulen findet also so oder so statt. Den Planungskredit für alle Sek-II-Schulen in Muttenz von 600'000 Franken genehmigte der Landrat im Juni 2016.

Zudem hat die Reform der Sekundarstufe II einen organisatorischen Aspekt. So wird offenbar geprüft, Berufsbildung, Gymnasien und Fachmaturitätsschulen unter ein Dach zu stellen. Heute existieren in der BKSD zwei Ämter, was als nicht zeitgemäss gilt. Im Kanton Basel-Stadt ist die Sekundarstufe II in einer Einheit, dem Amt für Mittelschulen und Berufsbildung, zusammengefasst.

Liestal könnte profitieren

Eine Fusion der Gewerbeschulen hätte auf die heutigen Standortgemeinden grosse Auswirkungen. In Muttenz würde der mit dem Fachhochschulneubau akzentuierte Bildungs-Cluster im Raum Kriegacker- und Gründenstrasse gestärkt. Unklar ist, ob das Gebiet für die in den kommenden Jahren massiv zunehmende Schülerzahl verkehrstechnisch angemessen erschlossen ist. In Liestal käme der Verlust der Gewerbeschule den Stadtverantwortlichen wohl nicht mal ungelegen, könnte der Hauptort so doch eigene Engpässe bei der Primarschule elegant lösen.

Die Zahl der Primarschüler wird in Liestal bis 2023 wegen der Einführung des 6. Primarschuljahrs und des Bevölkerungswachstums von 800 auf 1000 steigen. Umgekehrt verliert Liestal das Schulhaus Mühlematt, das heutigen Anforderungen nicht genügt. Der Wegzug der Gewerbeschule böte mehrere Optionen: Entweder zögen die Primarschüler direkt in die GIBL ein. Oder eine Rochade mit einem Sek-Standort schafft anderswo Raum. Wie es mit den Sekundarschulen weitergeht, gibt Gschwind Ende Jahr bekannt. Die Stadt will mit der Planung indes nicht zuwarten: Gemäss Stadtrat Daniel Muri wird Liestal am nächsten Mittwoch den Gewinner des Architekturwettbewerbs für den Anbau an die Primarschule Gestadeck bekannt geben. Die Stadt kann also je nach Entscheid des Kantons zur Sekundar- und Gewerbeschule flexibel reagieren.