Konkurrenz
Das Kantonsspital Baselland geht mit der Permanence auf Patientensuche

Der geplanten Permanence im Liestaler Bahnhof werden in den nächsten Jahren wohl weitere folgen. Durch das Vorpreschen der öffentlichen Spitälern in den ambulanten Markt werden sie stärker mit privaten Einrichtungen konkurrenzieren.

Daniel Haller
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Bahnhöfe sind – wie hier in Zürich – begehrte Standorte für Permanencen, nicht zuletzt auch als «Patienten-Ansaugstutzen» für Spitäler.

Bahnhöfe sind – wie hier in Zürich – begehrte Standorte für Permanencen, nicht zuletzt auch als «Patienten-Ansaugstutzen» für Spitäler.

Roger Bennet/Ex-Press

«Derzeit werden wir von Grippe-Patienten überrannt». Dies berichtet Philipp Schoch, der die Pflege auf der Notfallstation des Kantonsspitals Baselland (KSBL) in Liestal leitet. Grippefälle gehörten aber in der Regel zum Hausarzt. «Bagatellpatienten bekommen keinen guten Eindruck vom Spital, da sie oft lange warten müssen, weil die schweren Notfälle Vorrang haben.» Deshalb wäre es für die Notfallstation und die Akutpatienten von Vorteil, man könnte sie an eine eigene Permanence im 200 Meter entfernten Bahnhof verweisen. So handhabe dies beispielsweise das Kantonsspital Aarau. Fühlen sich die Patienten dann in der Permanence gut aufgehoben, würden sie, wenn sie später eine stationäre Behandlung benötigen, sich positiv ans KSBL erinnern.

«Patienten-Ansaugstutzen» nennt Axel Rowedder jene Permanencen, die Spitäler schweizweit an Knotenpunkten wie Bahnhöfen oder am Flughafen Zürich gründen. Der CEO der Medix Toujours AG, die an den Bahnhöfen Basel und Pratteln je eine Hausarzt-Notfallstation mit Gemeinschaftspraxis – also eine Permanence – betreibt, beurteilt dies kritisch: «Seit die Spitäler wegen der Fallpauschalen im stationären Bereich Mühe haben, drängen sie auf den ambulanten Markt.» Er sieht die privaten Anbieter konkurrenziert durch Institutionen, die den Steuerzahler im Rücken haben.

Harte Konkurrenz

Spannungen zwischen privaten und öffentlichen Akteuren spielen auch bei Permanence-Plänen des KSBL im künftigen Liestaler Bahnhof-Neubau eine Rolle. Da hatte der Gesundheitsökonom Alex Lind die Idee, bestehende private Praxen zu einem regionalen Hausarzt- und Triage-Zentrum zu bündeln. Mit an Bord wären das Telemedizin-Unternehmen Medgate und das alteingesessene Liestaler Zentrum für orthopädische Chirurgie Brunnmatt gewesen. «Wir versuchten, das KSBL zu beteiligen, denn wir planten ein ganzheitliches Angebot an die Bevölkerung», berichtet Urs Kohlhaas, einer der drei Brunnmatt-Ärzte. «Wir bedauern, dass das KSBL sich dann den Standort alleine sicherte, indem es die Absichtserklärung mit der SBB unterzeichnete.»

Die Brunnmatt-Orthopäden, Lind und das KSBL halten den Ball aber flach, da man weiss, dass man auch in Zukunft zusammenarbeiten muss. So bleiben die Motive für das Vorpreschen des KSBL unausgesprochen. Klar aber ist: Die drei Brunnmatt-Chirurgen operieren als Belegärzte in der Merian Iselin Klinik in Basel und in der Hirslanden Klinik Birshof – und das sind KSBL-Konkurrenten.

Trotzdem dürfte die Tür am Bahnhof nicht endgültig zu sein. KSBL-Sprecherin Anita Kuoni betont, dass man heuer mit der Planung beginne: «Wir werden sowohl die Ärztegesellschaft Baselland als auch weitere Dritte in die Planung einbeziehen.»

Mehrere Permanencen möglich

Eine Permanence lässt sich nicht auf die unternehmerische Funktion reduzieren, Patientenströme für das eine oder andere Spital abzuschöpfen. Sie kann auch Praxen von Hausärzten ersetzen, die pensioniert werden, ohne dass sie ein Nachfolger übernimmt. Ein Kenner der Baselbieter Gesundheitspolitik spricht davon, dass man in der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) über die Bildung von sechs Permanencen im Oberbaselbiet nachdenke, um angesichts des zunehmenden Hausärztemangels die Grundversorgung sicherzustellen.

VGD-Sprecher Rolf Wirz betont aber: «Der Kanton plant keine Permanencen. Das ist Sache des KSBL, respektive der Spitalgruppe.» Dort winkt Kuoni ab: «Seitens KSBL ist aktuell lediglich von einem Angebot am Bahnhof Liestal die Rede, respektive – gemäss Grundlagenbericht zur Spitalgruppe – auf dem Bruderholz.» Dagegen meinte der Baselbieter Gesundheitsdirektor Thomas Weber am Rande des Interviews mit der bz, er könne sich vorstellen, dass es in einigen Jahren im Kanton zahlreiche Permanencen gebe.

Für das KSBL muss es nicht immer gleich eine Permanence sein. So kaufte dieses gemäss Kuoni in der Stadt Basel die Praxis Urologie Kirschgarten dann, «als der Inhaber nach mehrjähriger Suche keine Nachfolge finden konnte». Und in der Praxis HNO Leimental in Oberwil, wo ebenfalls eine Nachfolge fehlt, bieten KSBL-Ärzte seit Jahresanfang eigene Sprechstunden an.

Dies bestätigt die Tendenz, die Hausarzt-Stufe ans Spital anzubinden. «Die Spitäler folgen dem allgemeinen Trend einer Verlagerung der medizinischen Leistungen vom stationären in den ambulanten Bereich», umschreibt dies Kuoni. «Ambulante Leistungen werden dort angeboten, wo es für Patientinnen und Patienten Sinn macht.»