Land-Schreber
Das konnte sich wirklich niemand vorstellen

Land-Schreiber zur Debatte um die gemeinsame Spitalplanung zwischen Basel-Stadt und Baselland.

Bojan Stula
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Der Trakt West des Bruderholzspitals soll als Frauenklinik neu gebaut werden.

Der Trakt West des Bruderholzspitals soll als Frauenklinik neu gebaut werden.

Kenneth Nars

Da war es wieder: dieses Gefühl der ungerechten Ungleichbehandlung. Tatort: ein Sitzungszimmer in der Wirtschaftskammer Baselland. «Wieso hacken Basler Politiker, Öffentlichkeit und Medien immer nur auf unseren Spitälern rum, während wir uns stets zurückhalten?» Nicht gerade mit diesen Worten, aber in diesem Sinne erregten sich CEO und Verwaltungsratspräsident der Spitäler sowie der Direktor der Wirtschaftskammer über die negativen Reaktionen aus der Stadt auf die angekündigten Investitionen auf dem Bruderholz.

Eigentlicher Anlass der Zusammenkunft war die Ankündigung gewesen, dass sich die Baselbieter Spitäler neu der Wirtschaftskammer anschliessen. Doch bald schon drehte sich das Gespräch um das Reizwort «gemeinsame Spitalplanung» - mit eindeutigem, gewiss etwas wehleidigem Tenor: «Wenn wir im Baselbiet in unsere Spitäler investieren, kriegen wir aufs Dach - sogar von Politikern aus dem gleichen Kanton. Wenn Basel-Stadt das tut, sind alle des Lobes voll.»

Es ist ja auch was Wahres dran: So selbstverständlich es für alle Basler ist, dass ihre Stadt mit Spitälern gut versorgt wird, so gross ist selbst nach einem halben Jahrhundert der Rechtfertigungsbedarf für die drei Kantonsspitäler auf der Landschaft. Selbst dann, wenn das Baselbiet brav Spitalleistungen in Basel-Stadt einkauft, zugunsten des gemeinsamen Kinderspitals auf den Kispi-Standort Bruderholz verzichtet hat und die Forschung im Basler Uni-Spital mitfinanziert. Viele Basler sehen es nur als natürlich an, wenn die regionale Gesundheitsversorgung künftig ausschliesslich über die Stadtbasler Spitäler gewährleistet würde. Für ebenso viele Baselbieter ist es selbstverständlich, dass der Landkanton im Gesundheitsbereich so weit wie möglich autark sein muss, um nicht auch noch in diesem Bereich vom Tropf der Basler Zentrumsleistungen abhängig zu sein.

Es ist wohltuend, wenn ein externer Gesundheitsökonom diesen Stadt-Land-Graben mit einer unvoreingenommenen Aussenperspektive überwindet. Der momentane Schlagabtausch sei eine Phase der Geburtswehen nach der Privatisierung der Spitäler, analysiert Experte Willy Oggier im bz-Interview. Übrigens auch für andere Kantone ein normaler Deregulierungsvorgang. Da weder Stadt noch Land von sich aus zwanglos bestehende Spitäler schliessen werden, wird es dem Markt überlassen bleiben, für ein «survival of the fittest» zu sorgen.

Im Laufental ist man ja nicht einmal bereit, die Geburtsabteilung des eigenen Spitals zu opfern. Doch ist es genau dieser Marktdruck, den die Politik gewollt hat, da ihr nichts anderes mehr eingefallen ist, wie die explodierenden Gesundheitskosten in den Griff zu kriegen wären. Und der Stimmbürger hat Ja dazu gesagt, weil er (völlig zurecht) stabile Krankenkassenprämien haben möchte. Das einzige Problem dabei ist: So richtig sich vorstellen, was der Übergang von der staatlichen zur ausgelagerten Spitallandschaft in der Praxis bedeutet, konnte sich im Vorfeld niemand - offenbar nicht einmal die Politiker, wenn sie jetzt noch das Gefühl haben, Geschäftsleitungsentscheide beeinflussen zu können. Dass sie es trotzdem tun, und tun werden, konnten sich handkehrum die Chefetagen der Spitäler nicht vorstellen.