Laufental
Das Laufental gehört seit 20 Jahren zum Kanton Basel-Landschaft

Nach 179 Jahren bei Bern und einem Ablösungsverfahren, das 23 Jahre lang gedauert hat, ist das Laufental in der Neujahrsnacht 1994 zum Kanton Baselland übergetreten. Inzwischen ist es 20 Jahre lang einer von insgesamt fünf Baselbieter Bezirken.

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Seit 20 Jahren gehört das Laufental zum Kanton Basel-Landschaft
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Seit 20 Jahren gehört das Laufental zum Kanton Basel-Landschaft
Laufentaler reichen am 19. November 1977 die Initiative zur Einleitung eines Verfahrens auf Anschluss an einen benachbarten Kanton ein. Auf dem Weg des Jura zu einem selbständigen Kanton halten sich die Laufentaler damit eigene Optionen offen.
Am 11. September 1983 lehnte die Bevölkerung des Bezirks Laufen mit 57 Prozent Nein den Kantonswechsel von Bern zu Basel-Landschaft ab. Die Stimmbeteiligung war mit 93 Prozent hoch, Basel-Landschaft hiess die Vorlage dagegen mit überwiegender Mehrheit gut. Auf der grossen Anschlagtafel in Aesch, Kanton Basel-Landschaft, werden die neusten Abstimmungsergebnisse eingetragen.
Zwei Frauen propagieren mit ihren T-Shirts, die das Baselbieter Kantonswappen und den Slogan "He Jo daenggg!" tragen, den Anschluss ihrer Region an den Kanton Baselland, aufgenommen im November 1989. Am 12. November 1989 stimmte das Laufental in einer Abstimmung dem Kantonswechsel zu.
Mitglieder der berntreuen "Laufentaler Wildschweine" verbrennen aus Ärger über die verlorene eidgenössische Abstimmung über den Kantonswechsel des Laufentals eine Baselbieter Fahne, aufgenommen am 26. September 1993, in Laufen.
Über die eidgenössische Gewähleistung des Kantonswechsel des Laufentals vom Kanton Bern zum Kanton Basel-Landschaft gibt Heinz Aebi, Präsident der laufentaler Bewegung, am 22. Sepetember 1993 seine Stimme an der Urne in seiner Wohngemeinde Nenzlingen ab.
Am 25. Oktober 1993 unterzeichnen im Gymnasium in Laufen Regierungspräsident Werner Spitteler (BL), links, und Regierungs-Vizepräsident Mario Annoni (BE), rechts, die Verwaltungsvereinbarungen zwischen den Kantonen Bern und Basel-Landschaft.
Am 22. Januar 1994 beginnt für 8500 Fahrzeughalter der Umtausch der Fahrzeugkontrollschilder auf dem Posten der Kantonspolizei Laufen. Bürger und Bürgerinnen von Laufental halten alte Berner und neue basellandschafliche Nummernschilder hoch.

Seit 20 Jahren gehört das Laufental zum Kanton Basel-Landschaft

Keystone

Am Neujahrstag gehört das Laufental seit 20 Jahren zum Kanton Baselland. Herangewachsen ist inzwischen eine ganze junge Generation, welche die Zeit bei Bern nicht mehr aus eigenem Erleben kennt. Gänzlich ungetrübt ist die Stimmung indes nicht.

In der Nacht auf Neujahr 1994 schrieb das Laufental Geschichte: Erstmals seit Bestehen des Schweizer Bundesstaates wechselte ein ganzer Bezirk den Kanton. Der Übergang des Laufentals vom Kanton Bern zum Kanton Basel-Landschaft war ausserdem die grösste Gebietsveränderung in der Schweiz seit der Gründung des Kantons Jura.

Mit der Abspaltung des Juras von Bern war das Laufental Exklave geworden. 1989 entschied es sich mit knappem Stimmenmehr für den Beitritt zu Baselland.

Vorausgegangen waren gut 20 Jahre, die von Streitigkeiten geprägt waren und die die Talschaft gespalten hatten - und ein Bundesgerichtsentscheid, mit dem ein erster, ablehnender Volksentscheid aufgehoben worden war.

Positive Bilanz

Doch danach beruhigte sich die Lage. Heute zieht Stephan Mathis, Generalsekretär der Baselbieter Sicherheitsdirektion, eine positive Bilanz: Kantonswechsel und Integration seien "geglückt und ohne nennenswerte Hindernisse verlaufen".

Das Laufental sei mit den Jura-Plebisziten "in eine sehr periphere Lage geraten" und habe sich dann knapp für den Wechsel zu Baselland entschieden. Dieser Wille der Laufentaler Bevölkerung sei "voll und ganz umgesetzt" worden.

Inzwischen sei der Bezirk "voll integriert in Baselland", hält Mathis fest, der damals den Kantonswechsel für die Baselbieter Regierung betreute. Diese Lösung werde im Laufental wie auch im übrigen Baselbiet und in der Schweiz grossmehrheitlich als sinnvoll gesehen.

Politisch sehr präsent

Mental gibt es gemäss Mathis wohl noch Unterschiede. Doch an der Urne stimme der Bezirk nicht signifikant anders ab als der Restkanton. Politisch sei er zudem "sehr präsent" und habe eine starke Vertretung im Kantonsparlament sowie bereits dessen Präsidium und zwei Nationalräte gestellt. Und für den Kanton Baselland sei er "ideell eine Bereicherung".

Ein Bezirk wie jeder andere ist das Laufental aber doch noch nicht ganz. Denn wenn der Kanton in den letzten Jahren Bezirksbehörden straffte oder einsparte, war der Protest im 19'200-Seelen-Tal meist hartnäckiger als im Restkanton. Zuletzt betraf dieser das Kantonsspital Baselland, das seine Geburtenabteilung in Laufen schliessen will.

Die Kritiker berufen sich meist auf den Laufental-Vertrag über den Kantonswechsel, der den Erhalt gewisser Institutionen vorsah. Als der Kanton die früheren Bezirksschreibereien und -gerichte aufhob, war das Laufental zudem einer von zwei Bezirken, die leer ausgingen. Und hinein spielt auch die wechselvolle Geschichte der Talschaft.

Besondere Sensibilität

Wegen des Verlusts von Amtsstellen habe es auch aus anderen Bezirken kritische Stimmen gegeben, sagt Mathis. Im Laufental bestehe aber eine "besondere Sensibilität", denn bei Bern habe dieses viel Autonomie und eine gut ausgebaute Bezirksverwaltung besessen - allerdings sei auch bei Bern nicht mehr alles wie früher.

Die Laufentaler seien es früher gewohnt gewesen, "weit weg von Bern" zu sein, hält derweil etwa der Laufentaler SVP-Landrat Georges Thüring fest. In den letzten Jahren sei ihnen aber vieles weggenommen worden, und die Leute verlören das Vertrauen.

Das Laufental habe, bedingt durch seine Geschichte, ein hohes Bewusstsein für regionale Zusammenarbeit und dafür, wie der Staat funktioniere, erklärt Brigitte Bos, CVP-Landrätin und frühere Stadtpräsidentin von Laufen. Es reagiere daher sensibel auf Veränderungen.
Wechsel kein Thema mehr

Bos wünscht sich darum, dass der Kanton eine Regionalpolitik betreibt. Und Thüring meint, der Kanton könnte Goodwill schaffen, wenn er - statt anderswo neue Verwaltungsbauten zu planen - bestehende leere Gebäude wieder nutzen würde: "Das Amtshaus in Laufen steht noch!"

Der Kantonswechsel aber ist heute kaum mehr Thema. Für Junge, die "1994 zur Welt gekommen sind und jetzt vor dem Berufsleben stehen, ist das kein Thema mehr", hält Bos fest, und der grösste Teil der Bevölkerung sei "in Baselland angekommen". Baselland sei zudem ein Kanton, den das Laufental mitformen könne; und das Positive des Wechsels überwiege.

Chronologie

1815: Der Wiener Kongress schlägt das Laufental dem Kanton Bern zu. Zuvor war es über Jahrhunderte Teil des Fürstbistums Basel gewesen.

1970: Der Kanton Bern gewährt seinen sieben Jura-Bezirken das Selbstbestimmungsrecht.

1974: Das Laufental stimmt gegen die Gründung des Kantons Jura und wahrt sich so die Möglichkeit des Anschlusses an einen Nachbarkanton.

1978: Mit fast Zweidrittelsmehr spricht sich das Laufental für die Aufnahme eines Anschlussverfahrens aus.

1980: In zwei Eventualabstimmungen votiert das Laufental für Baselland als Anschlusspartner. Solothurn und Basel-Stadt scheiden aus.

1983: Das Laufental lehnt den Kantonswechsel mit einem Stimmenmehr von 56,7 Prozent ab. Die Stimmbeteiligung beträgt 92,3 Prozent. Baselland stimmt der Aufnahme gleichentags mit fast Zweidrittelsmehr zu.

1988: Das Bundesgericht erklärt den Urnengang von 1983 wegen heimlicher Zahlungen der Berner Regierung an die Aktion Bernisches Laufental für ungültig.

1989: Das Laufental stimmt dem Wechsel zu Baselland mit einem Stimmenmehr von 51,7 Prozent zu. Die Stimmbeteiligung beträgt 93,6 Prozent.

1991: Der Kanton Baselland heisst die Aufnahme des Laufentals mit über 59 Prozent Stimmenmehrheit zum zweiten Mal gut.

1993: Alle 26 Stände und das Schweizer Volk mit einem Stimmenmehr von 75,1 Prozent geben dem Kantonswechsel des Laufentals ihren Segen.

1994: Am 1. Januar wird aus dem ehemals bernischen Amtsbezirk Laufen der Baselbieter Bezirk Laufen.

2004: Mit dem Jahresbeginn endet die im Laufental-Vertrag über den Kantonswechsel vorgesehene zehnjährige Übergangsfrist. Der Laufentaler Bezirksrat wird aufgelöst.