Laufen-Woche
Das Laufner Stedtli ist mal Party-Meile – mal Schlafstadt

Die Altstadt bietet zwar ein reichhaltiges Einkaufs- und Kulturangebot. Häufig wirkt sie jedoch wie ausgestorben.

Jürg Jeanloz
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Während der Fasnacht verwandelt sich das Stedtli in ein Tollhaus. martin töngi

Während der Fasnacht verwandelt sich das Stedtli in ein Tollhaus. martin töngi

Martin Toengi
Laufner Stedtli

Laufner Stedtli

Nicole Nars-Zimmer niz

Das Laufner Stedtli hat zwei Gesichter: Pulsierendes Leben und ausgestorbener Alltag. Der Stadtrat setzt auf eine verkehrsarmes Altstadt und ein Stadtentwicklungsprogramm mit Erholungsoase an der Birs und vielen neuen Wohnungen. Die Ladenbesitzer wünschen sich mehr Aktivitäten und neue attraktive Geschäfte.

Und dann ist da noch der Dauerzankapfel Parkplätze. Eine ausgefallene, aber konkrete Vision stellt Roger Chalon, provisorischer Präsident der Interessengemeinschaft Laufen, zur Diskussion. Er möchte die blaue Zone im Stedtli abschaffen und spezielle Parkplätze nur für Besucher und Kunden reservieren. Parkbussen sind ihm ein Dorn im Auge, dafür fordert er Ladeninhaber, Angestellte und Bewohner auf, ihre Fahrzeuge auf dem Amthausplatz zu parkieren.

Ein autofreies Stedtli lasse sich wohl kaum realisieren, meint Chalon, denn die Angst, Kundschaft zu verlieren sei zu gross. «Wir müssen unsere Kunden fragen, was sie am Stedtli stört oder was besser gemacht werden kann», fordert er. Was die derzeit unterschiedlichen Öffnungszeiten der Läden betrifft, plädiert er für minimale Blockzeiten von 9 bis 11.30 Uhr und von 14 bis 17.30 Uhr. Schliesslich hinterfragt er auch den Monatsmarkt, der mit saisonalen und vor allem regionalen Produkten wie Gemüse, Früchten, Getränken und handwerklichen Artikeln aufgewertet werden sollte. Die Aufstellung der Stände sollte wie am Christchindlimärt in der Mitte der Strasse erfolgen, um die ansässigen Läden sichtbarer und einladender zu machen. Demgegenüber wünscht sich Stadtrat und Ladenbesitzer Roman Bucher, dass alle Geschäftsinhaber am gleichen Strick ziehen und das Ziel, mehr Kunden anzusprechen, gemeinsam verfolgen.

Andere Dörfer beneiden Laufen

Das Projekt, auf dem Amthausplatz eine Überbauung mit Einkaufszentrum zu realisieren und das Stedtli als Verbindungsmeile zwischen Amthausplatz und Bahnhof aufzuwerten, ist vor einigen Jahren gescheitert. Von den Frequenzen von Migros und Coop beim Bahnhof kann das Stedtli nur beschränkt profitieren.

Abgesehen von diesen Problemen, die wohl nicht nur in Laufen anzutreffen sind, hat das Stedtli auch viele schöne Seiten, die Einheimische und Auswärtige zu schätzen wissen. Sie sind es, welche die Stadt zum Zentrum des Laufentals machen. So wird die schmucke Altstadt mit ihren Gassen von vielen Gemeinden beneidet: Im Stedtli fühlt man sich einfach wohl, man hält inne und lässt für einen kurzen Moment die Seele baumeln.

An beiden Enden ein antikes Törli, eine langgezogene Strasse mit Pflastersteinen, beidseitig träumerische Bauten mit Läden und eine reiche Bestuhlung zum Verweilen. Man kennt sich, schwatzt miteinander und trinkt zusammen einen Kaffee.

Das Laufental trifft sich am Markt

Das Stedtli ist ein Treffpunkt der Bevölkerung aus der ganzen Region, eine kleine, aber feine Einkaufsmeile, wo leckere Torten, deftige Koteletts, würziger Käse, ausgesuchte Modeartikel, Haushaltartikel und vieles mehr gekauft werden. Wem das nicht reicht, besucht am ersten Dienstag im Monat den Monatsmarkt. Früher waren es Handwerker und Bauern, die ihre Waren und Dienstleistungen an die Frau und den Mann brachten, heute findet man eher Alltägliches und ein reiches Angebot an leiblichen Genüssen. Am 1. Mai-Markt verwandelt sich schliesslich ganz Laufen in ein Eldorado von Antiquitäten, Leckereien, Haushaltwaren und Gingernillis. Im Dezember wird die Adventszeit mit dem lieblichen Christchindlimärt eingeläutet. Blues-Festival, Beach-Volleyball Turnier, Oldtimertreffen, Musikveranstaltungen und weitere Festivitäten bringen Leben ins Kleinod von Laufen. Höhepunkt im Jahreskalender ist eindeutig die Fasnacht. In den ehrwürdigen Gassen rätzen Cliquen und Guggen aus allen Teilen des Laufentals und Thiersteins. Drei Tage lang ist auf den Strassen und in den Beizen Hochbetrieb und verwandeln das Stedtli in ein Tollhaus.

Aber aufgepasst, allzu laute Aktivitäten missfallen den Bewohnerinnen und Bewohnern der Innerstadt. Sie schätzen die Ruhe und Idylle des Stedtlis. Deshalb muss der Stadtrat, der im ehrwürdigen Stadthaus residiert, immer wieder für eine gesunde Balance sorgen.