Oltingen
Das neue Rad läuft ganz von alleine und könnte sogar Strom liefern

Die Oltinger Sägemühle ist ein kantonales Denkmal - nur etwas in die Jahre gekommen. Am Samstag wurde das neue «Sagi-Rad» eingeweiht. Mit diesem soll es dereinst möglich sein, Strom zu gewinnen.

Lucas Huber
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Das Rad rotiert so gut, dass das Wasser oft reduziert werden muss.

Das Rad rotiert so gut, dass das Wasser oft reduziert werden muss.

Lucas Huber

Eigentlich ist die Sägemühle zu Oltingen ein kantonales Denkmal. Mit Wasserkraft werden hier seit fast 200 Jahren Holzstämme in Bretter gesägt. Doch dieses Denkmal erfüllte ihre Aufgabe lediglich, wenn der Säger einen Elektromotor zuschaltete. «Selbst im Leerlauf», erinnert sich Urs Weber, Präsident der Trägerstiftung Sagi, «drehte es sich kaum allein mit der Kraft des Wassers. Sägen ohne den Motor lag schon gar nicht drin.» Das war der Wermutstropfen zahlreicher Führungen in den vergangenen Dekaden, von denen immerhin rund 20 pro Jahr stattfinden. Und sie sind beliebt.

Nun aber hat sich alles geändert. Das alte Wasserrad wurde abgebrochen und durch ein neues ersetzt. Dieses besteht aus 1700 Einzelteilen und misst knapp sieben Meter, was der Originalgrösse des einstigen «Sagi-Rades» entspricht. Das ersetzte Rad war im Durchmesser zu klein, auch das ein Grund für seine Schwerfälligkeit. Doch nun rotiert es in der «Oltiger Sagi», dass das Wasser spritzt und die Späne wieder ohne Motorenunterstützung fliegen. Am Samstag wurde es mit einem kleinen Dorffest feierlich eingeweiht. «Man darf schon stolz darauf sein», sagt Oltingens Gemeindepräsident Christoph Gerber lächelnd. Immerhin, fügt er an, handele es sich um die einzige voll funktionsfähige Sägemühle in der Nordwestschweiz. «Und wir sind stolz, dass man das so schnell hinbekommen hat.»

Zwischen Idee, Umsetzung und Inbetriebnahme lagen nämlich nur vier Jahre. Erst 2011 wurde beschlossen, eine Offerte für ein neues Wasserrad anzufordern, im Dezember 2012 wurde der Auftrag vergeben. Er ging an Simon Oehrli aus Lauenen im Berner Oberland. Gemäss Urs Weber ist Oehrli der letzte Wagner in der Schweiz, der Wasserräder dieser Grösse herstellt.

Die Kosten belaufen sich auf rund 170'000 Franken, aufgebracht von Gönnern und Sponsoren, an vorderster Front der Swisslos Fonds des Kantons Basel-Landschaft. Doch das hätte nicht weit gereicht, hätten die Stiftungsmitglieder um Präsident Urs Weber und Bauchef Hansruedi Vogt nicht zahllose Stunden in Fronarbeit geleistet. Sie schätzen den Gegenwert ihres Einsatzes auf über 80'000 Franken.

Insbesondere das Abspitzen der Kalkablagerungen im Radschacht sei ein Krampf gewesen. «Gnadenlose Schwerstarbeit war das», seufzt Weber. Während einer Woche spitzten seine Mannen Kalkstein mit dem Presslufthammer. Vergangenen September wurde das neue «Sagi-Rad» schliesslich in Betrieb genommen. Wenn Chefsäger Hans Lüthy nun Interessierte durch die Sagi führt, muss er nicht mehr darauf hinweisen, dass die Säge eigentlich nur mithilfe eines Elektromotors sägt. Das neue Rad rotiert sogar derart gut, dass die antreibende Wassermenge reduziert werden muss, wenn es nicht in Betrieb ist, denn ein Wasserrad, das nicht dreht, nimmt schnell Schaden.

Nun denken die Betreiber gar darüber nach, wie sie mit dem Rad Strom produzieren könnten. Eine Kilowattstunde läge durchaus drin, ist der Stiftungspräsident überzeugt, «und der Generator brächte auch den nötigen Widerstand.» Mit im Boot sitzt bereits die Ökostrom-Genossenschaft Solar Oltingen.

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