Problemquartier
Das Problemquartier Längi in Pratteln wehrt sich gegen Vorurteile

Die Prattler Behörden stellen Fortschritte bei der Umgestaltung des Problemquartiers Längi fest. Behilflich ist dabei das Bundesprogramm Projets urbains.

Fabio Halbeisen
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Problemquartier Längi in Pratteln

Problemquartier Längi in Pratteln

Nicole Nars-Zimmer

Im Dezember 2011 endet die erste Phase der Quartierentwicklung Pratteln Längi. Die Gemeinde versucht seit 2009, das Zusammenleben in der Längi und das Image des Quartiers zu verbessern.

Zudem will der Gemeinderat weitere Entwicklungen mit den Bewohnern planen und umsetzen. «In unserem Projekt geht es hauptsächlich darum, die Wohn- und Lebensqualität im Quartier zu verbessern», erklärt Michael Tschannen vom Quartierbüro Längi. Ein weiteres Ziel sei, die Bedürfnisse der Bewohner aufzunehmen. «Bei diesem Projekt wird ein Miteinander angestrebt», bekräftigt Beat Stingelin, Gemeindepräsident von Pratteln.

Angeregt wurde das Projekt durch das Programm Projets urbains des Bundes. Dieses unterstützt und vernetzt Gemeinden mit ähnlichen Problemen wie Pratteln. Das Programm beinhaltet zweimal im Jahr ganztätige Treffen. Gestern fand ein solches Treffen in Pratteln statt.

Abgesandte aus Gemeinden wie Spreitenbach, Olten, Yverdon und Rorschach fanden sich im Quartier Längi ein, um Informationen und Entwicklungen auszutauschen. «Wir sind sehr froh, Mitglied von Projets urbains zu sein. Der Austausch mit den anderen Gemeinden ist für uns sehr wertvoll», betont Stingelin. So hatte jede Gemeinde einen Stand, an welchem die neusten Entwicklungen vorgestellt wurden.

Positives Fazit

Die Verantwortlichen des Prozesses Quartierentwicklung Pratteln Längi ziehen eine positive Bilanz: «Es ist ein Wachstum spürbar. Die kleineren Ziele konnten wir erreichen», meint Tschannen, fügt aber an: «Für grössere Erfolge braucht es noch etwas länger Zeit.» So konnte man zum Beispiel den bereits durchgeführten Flohmarkt nicht wie geplant weiterführen.

Ähnlicher Meinung ist der Gemeindepräsident. «Die Ziele, die wir uns 2009 gesteckt haben, sind noch nicht alle erreicht. Wir haben jedoch schon jetzt viel bewegt, an was wir am Anfang gar nicht geglaubt haben.» So sei es gelungen, konkrete Pläne mit der Bevölkerung zu entwickeln und diese auch umzusetzen. Unter anderem wurden 2010 ein neuer Kinderspielplatz und 2011 ein Bewegungspark eröffnet.

Blick in die Zukunft

Bisher war die Längi vor allem für ihren hohen Ausländeranteil und zahlreiche Zwischenfälle bekannt. «Das Quartier hat einen ziemlich schlechten Ruf, dies ist objektiv nicht gerechtfertigt», ärgert sich Tschannen. Denn im Quartier habe man keine zwischenmenschlichen Probleme. Dies bestätigt Stingelin: «Die Innenwahrnehmung ist nie dieselbe wie die Aussenwahrnehmung.»

Der Bund wird Projets urbains nun bis 2015 weiterführen. Auch Pratteln wird sich weiter an diesem Projekt beteiligen. «Wir wollen dieses Konzept auch auf andere Quartiere in Pratteln ausbauen», verrät Beat Stingelin.