Fluglärm
Das Säbelrasseln in Basel übertönt den Fluglärm bei Weitem

Die Präsidentin des Schutzverbandes der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mulhouse Madeleine Göschke wehrt sich dagegen, von Regierungsrat Adrian Ballmer als Lügnerin hingestellt zu werden.

Michael Nittnaus
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AZ

Nein, sie habe auf dem Euro-Airport (EAP) nicht mit dem Reinigungspersonal geredet, um die Folgen eines verlängerten Nachtflugverbots für die Fluggesellschaften abzuschätzen, versichert Madeleine Göschke. «Diese Unterstellung ist eine Frechheit. Ich kann nicht hinnehmen, dass Adrian Ballmer mich als Lügnerin hinstellt», reagiert die Präsidentin des Schutzverbands der Bevölkerung um den Flughafen Basel-Mülhausen auf das bz-Interview mit dem FDP-Regierungsrat von vergangenem Freitag. Dort entkräftete Ballmer mehrere Aussagen, die Göschke eine Woche zuvor in der bz gemacht hatte.

Nachtflugverbot hat Folgen

«Ich verstehe zwar, dass sich Herr Ballmer durch gewisse meiner Aussagen angegriffen fühlte, doch im Landrat ist er dafür bekannt, ab und an unter die Gürtellinie zu zielen», rechtfertigt Göschke, dass sie klar auf den Mann gespielt hat. Die ehemalige Grünen-Landrätin wehrt sich nun aber nicht nur verbal, sondern belegt einige ihrer als falsch abgestempelten Aussagen schriftlich.

Im Zentrum steht dabei die vom Schutzverband angestrebte Verlängerung des Nachtflugverbots am EAP. Ballmer kommentierte Göschkes Bemerkung, dass alle Fluggesellschaften damit leben könnten, mit einem unmissverständlichen «das ist schlicht falsch». «Ich zitiere gerne die Synthese der EAP-Wirtschaftsstudie, in der es heisst: ‹Air France, Lufthansa, British Airways und Austrian können sich anpassen, Easyjet kann sich voraussichtlich anpassen.› Bei den Expressfrachtunternehmen rechnet man zwar mit Verlusten, doch Pläne, den EAP zu verlassen, gebe es mangels Alternativen nicht. Dies hat etwa ein Fed-Ex-Vertreter auch schon in Anwesenheit von Herrn Ballmer und mir gesagt», kontert Göschke.

Lärmpegel entscheidend

«Frau Göschke zitiert den Fed-Ex-Vertreter falsch», beharrt auch Ballmer auf seiner Sicht der Dinge und sagt indirekt, dass Frachtfirmen Alternativen zum EAP haben. Und die Passagierflieger, schätzt Ballmer, würden nicht momentan, aber mittelfristig unter Druck geraten.

Ebenfalls zu widerlegen versucht Göschke Ballmers Aussage, dass mehrere französische Dörfer stärker lärmbelastet wären als Allschwil: «Im Umweltbericht 2010 des EAP steht eindeutig, dass im Elsass nur das kleine Dorf Hésingue mehr Fluglärm hat als Allschwil.» Massgebend sei hierbei der mittlere Lärmpegel über 24 Stunden mit besonderer Gewichtung des Abend- und Nachtfluglärms.

Herzinfarkt-Studie kein Beweis

«Der Umweltbericht bezieht sich nur auf einzelne Messpunkte und erfasst längst nicht alle Dörfer. Deren Belastung erkennt man auf den Lärmkarten des Lärmbelastungskatasters», hält Ballmer dagegen.

Auch bei der Interpretation einer Studie der Uni Bern zur Auswirkung des Fluglärms auf das Herzinfarkt-Risiko, nähern sich Göschke und Ballmer nicht an. Während Ballmer anführt, dass das Risiko erst ab einer Belastung von mehr als 60 Dezibel stark zunimmt und der EAP diesen Wert nicht erreicht, betont Göschke: «Schon bei geringerer Belastung nimmt das Risiko zu. Ausserdem wird der Euro-Airport weiter wachsen und mit ihm die Lärmbelastung.» «Die Verfasser der Studie halten selbst fest, dass weitere Studien notwendig sind», relativiert Ballmer die Ergebnisse. Die Studie beweise nicht, ob der Zusammenhang zwischen Fluglärm und Herzinfarkt-Risiko wirklich kausal ist.

Dass es auch nach diesem Fluglärm-Wortgefecht keinen eindeutigen Sieger gibt, überrascht freilich nicht – und am wenigsten wohl die beiden Protagonisten.

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