Neuer Bahnhof
Das SBB-Hochhaus spaltet Liestal

Die Neugestaltung des Bahnhofs in Listal bleibt umstritten. Die Opponenten des geplanten Hochhauses luden zum Info-Abend – die Liestaler kamen in Scharen.

Andreas Hirsbrunner
Drucken
Die Hochhaus-Gegner haben ihre Visualisierung nachgebessert. Jetzt erscheint der SBB-Bau noch massiger.

Die Hochhaus-Gegner haben ihre Visualisierung nachgebessert. Jetzt erscheint der SBB-Bau noch massiger.

Zur Verfügung gestellt

Liestal steht vor einem heissen Abstimmungskampf um den neuen Bahnhof. Das machte der Informationsanlass der neu gebildeten «Gruppe für ein starkes Liestal» am Dienstagabend mit weit über hundert Interessierten im heillos überfüllten Saal der Kantonsbibliothek klar. Dabei zeichnete sich eine neue Konstellation ab: auf der einen Seite die politischen Parteien mit ihren Mandatsträgern, die in der Bibliothek mit ihrem vorbehaltlosen Ja zum umstrittenen Quartierplan Bahnhofcorso auf verlorenem Posten standen, auf der andern Seite zahlreiche «normale» Liestaler Einwohner ohne politische Funktionen, dazwischen das geplante SBB-Hochhaus als Piece de Résistance.

Denn die beiden andern Elemente des aus drei Bauten bestehenden Quartierplans – das Aufnahmegebäude als eigentlicher Bahnhof und das angegliederte, siebengeschossige Bürohaus – sind unumstritten. So lobten auch Raoul Rosenmund und Ruedi Riesen von der «Gruppe für ein starkes Liestal» das Siegerprojekt eines SBB-Architekturwettbewerbs ausdrücklich. Das maximal 57 Meter hohe Hochhaus aber, das nicht Bestandteil des Wettbewerbs war, wurde als Fremdkörper am Bahnhof abgestempelt. Raoul Rosenmund, der nach aussen führende Kopf der Gruppe, bezeichnete den Bau mit einer Nutzfläche von 12'500 Quadratmetern als «reines Immobilienprojekt der SBB». Dabei könnten die SBB in den Augen Rosenmunds zufrieden sein mit der Mehrnutzung, die ihnen Aufnahmegebäude und Bürohaus erlauben: Diese verfügten über eine Nutzfläche von 8'800, der heutige Bahnhof nur über 1'100 Quadratmeter.

«Zu gross und zu fett»

Im Weitern bemängelte Rosenmund: «Weil der Architekturwettbewerb für das Hochhaus erst nach der Abstimmung stattfindet, ist eine städtebauliche Überprüfung nicht möglich. Der SBB-Tower steht jetzt einfach wie ein Klotz in den Plänen und ist zu gross und zu fett.» Viele Liestaler Politiker hätten sich in ihrer Euphorie viel zu früh positioniert. Heute heisse es von dieser Seite, dass man die Kröte Hochhaus schlucken müsse. «Dabei schluckt diese Kröte Liestal», so Rosenmund.

Gruppe für starkes Liestal: Sie stehen dahinter

Am Informationsabend der «Gruppe für ein starkes Liestal» wurden auch erstmals deren Mitglieder vorgestellt. Es sind dies:
- Kurt Bitterli, Bauingenieur
- Jürg Holinger, alt Einwohnerrat (Grüne)
- Heiner Karrer, alt Stadtrat (SP)
- Gerhard Matter, Kantonsbibliothekar
- Lukas Pfeil, Architekt
- Ruedi Riesen, alt Stadtrat (SP) und Präsident des Heimatschutzes BL
- Raoul Rosenmund, Architekt
- Ruedi Stutz, visueller Gestalter
- Thomas Weber, Pilot und Ökonom

Er unterstellte den SBB auch beschönigende Visualisierungen bei der Grösse des Hochhauses sowie beim Schattenwurf der Gebäude. Und Ruedi Riesen ergänzte, dass man den Emma-Herwegh-Platz gerade so gut mit etwas anderem Richtung Norden abschliessen könne. Niemand sage, dass es dafür ein Hochhaus brauche. Die Hauptforderung der «Gruppe für ein starkes Liestal» lautet nun, das Hochhaus aus dem Quartierplan Bahnhofcorso, der übrigens in Anlehnung an einen Boulevard in Rom so heisst, herauszulösen und dessen Planung zusammen mit dem dahinter liegenden Güterareal im Rahmen eines Masterplans neu aufzugleisen.

Als zweites Problem ortet die Gruppe die Konkurrenzierung des Stedtlis durch den neuen Bahnhof. Würden die Erdgeschosse der geplanten Neubauten am Bahnhof alle mit Läden belegt, so entstehe dadurch eine neue Verkaufsfläche von 2'200 Quadratmetern; dazu kämen nochmals 2'000 Quadratmeter in der neuen Post. Das sei rund ein Viertel mehr als jene an der Rathausstrasse. Deshalb, so forderte Rosenmund, müsse eine maximal zulässige Verkaufsfläche am Bahnhof im Quartierplan verbindlich fixiert werden; die Rede war von 1'100 Quadratmetern.

Gemessen am Pegel des Applauses stand das Publikum am Dienstag vorwiegend hinter den Einschätzungen von Rosenmund und Konsorten. Und auch in der Fragerunde gab es vorwiegend Kritisches zu hören. Das alles deutet auf eine umstrittene Volksabstimmung hin. Dass es aber eine solche geben wird, daran zweifelt niemand mehr. Im Vordergrund steht die Variante, dass der Einwohnerrat den «Bahnhofcorso» per Behördenreferendum den Stimmbürgern vorlegt.

Aktuelle Nachrichten