Militärmaterial
Das Schlaraffenland der Schnäppchenjäger ist jetzt zu

Der Army Liq Shop in Liestal hatte am Samstag zum letzten Mal geöffnet und verkaufte Stahlseile und Zitronenpressen aber auch Sandsäcke, Putzfäden, Knieschoner – ein Augenschein beim Ausverkauf.

Daniel Aenishänslin
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Die Türe zum Liq Shop bleibt geschlossen

Die Türe zum Liq Shop bleibt geschlossen

bz Basellandschaftliche Zeitung

Mit Sicherheit hängt diese Mitteilung für die Kundschaft schon länger an der Eingangstür. Noch nie aber war ihr Wahrheitsgehalt höher, definitiver als heute. «Kein Umtausch möglich» ist da zu lesen. Am letzten Tag des Army Liq Shops in Liestal, dem Ort, wo liquidiertes Material der Schweizer Armee zu haben ist, beziehungsweise zu haben war. Kerzen, Trichter, Metakocher. Am Samstag war letzte Gelegenheit, im urchigen Sortiment zu stöbern.

Stahlseil, Faden, Zitronenpresse. «Ja, ich fühle mich schon ein wenig wehmütig. 13 Jahre ist es her, dass wir eröffnet haben.» Der Mann, der das sagt, ist Martin Büsser. Der Kreiskommandant und damit Shop-Verantwortlicher. Er begleitet den Army Liq Shop auf seinem letzten Weg. Wie viele andere auch an diesem Tag. Bereits auf dem Parkplatz vor dem Amt für Militär und Bevölkerungsschutz kommen einem erste Käufer entgegen. Beispielsweise der hagere Langhaarige mit den Vierfruchtpyjama-Hosen und dem T-Shirt, auf dem ein Flugtag verewigt wurde. Zwei pralle Plastiksäcke schleppt er ab.

Gletscherpickel, Brotsack, Pinsel. Einen «guten» sechsstelligen Betrag habe der Liestaler Army Liq Shop jährlich eingebracht, in guten Jahren gar einen siebenstelligen, umschreibt Büsser den finanziellen Aspekt: «Der durchschnittliche Kunde kaufte für 45 bis 50 Franken.» Dem Shop kam entgegen, dass die Armee auf unter 200000 Personen zurück-
gestutzt wurde. Dieser Umstand brachte Material nach Liestal. «Es waren grössere Schnäppchen zu machen», blickt Büsser auf die Zeit vor der «Umsatzfrage» zurück, «da war zwischendurch mal eine Werkzeugkiste mit dabei.» Die Schliessung koste einer Person die Stelle. Eine Anschlusslösung für sie sei bereits in der Verwaltung gefunden worden.

Kameramann kauft Notstromaggregat

Nierenschale, Koffer, Notstromaggregat. Letzteres hat sich Roman Bont unter den Nagel gerissen. Er ist als Kameramann von Telebasel erschienen, konnte sich jedoch des spröden Charmes der Maschine nicht erwehren. Bont schlägt heute zwei Fliegen mit einer Klappe. Während er sein Brot verdient, spart er gleich noch ein paar Hunderter. «Nur gerade 100 Franken hat mich das Teil gekostet, dabei ist es von hervorragender Qualität», freut er sich, «im Laden hätte ich dafür wohl 700 Franken bezahlen müssen.»

Sandsäcke, Putzfäden, Knieschoner. Nicht Leute, denen die Armee und ihr Look über alles gehen, decken sich hier ein. «Handwerker, Heimwerker, Pfadfinder und Kindergärtnerinnen», nennt Martin Büsser seine Stammkunden. Es ist ihm anzumerken, dass er über die Jahre viel hinzugelernt hat. «Aus Reagenzgläsern etwa sind nette Vasen zu machen», weiss Büsser. Er weist auch auf einen alternativen Verwendungszweck der Vierecktücher hin, die als Armschlingen hätten dienen sollen: «Man kann sie mit Kartoffelstempeln verzieren und danach als Schal benutzen.»

Nicht nur in Liestal wird der Liq Shop liquidiert. Schon einen Tag zuvor stellte der Army Liq Shop in Yverdon seinen Betrieb ein. Ende Oktober folgen die Shops in St. Gallen und Belllinzona. Bleiben werden jene in Thun, Seewen (SZ) sowie Chur.

Steigeisen, Ledercreme, Telefonkabel. «In den letzten drei Wochen kamen viele Leute, ähnlich viele wie im Startjahr 1998», sagt Büsser. Noch ein letztes Mal die Gelegenheit nutzen. Umtausch nicht mehr möglich.