Pratteln
Das stinkt: Eine Kläranlage steht Wohnraum in Salina Raurica im Weg

Die Prattler Gross-ARA steht dort, wo einst hochwertiger Wohnraum in Salina Raurica entstehen sollen. Die Abwasserreinigungsanlage blockiert somit ein Wohngebiet mit Rheinsicht. Der Kanton disskutiert eine Verlegung der ARA Rhein.

Boris Burkhardt
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Auf dem Gebiet Salina Raurica könnten wunderschöne Wohnungen mit Blick auf den Rhein entstehen.

Auf dem Gebiet Salina Raurica könnten wunderschöne Wohnungen mit Blick auf den Rhein entstehen.

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Die Abwasserreinigungsanlage eines ganzen Industriegebietes und von sechs Gemeinden mitten in einem Wohngebiet mit bester Rheinsicht – das klingt trotz moderner Technik nicht sehr attraktiv.

Deshalb macht man sich beim Kanton in der Tat Gedanken, die bestehende ARA Rhein in Pratteln nördlich der Autobahnraststätte zu verlegen, um Platz für das geplante Wohngebiet als Teil des Entwicklungsgebietes Salina Raurica zu erhalten.

An die ARA angeschlossen sind neben den Fabriken in Schweizerhalle die Gemeinden Pratteln, Augst, Kaiseraugst, Giebenach, Arisdorf und Olsberg. Sie ist mit einer Schmutzfracht, die knapp 500'000 Einwohnern entspricht, eine der grössten ARAs der Schweiz und belegt 110'000 Quadratmeter inklusive Reservefläche.

Erste grobe Kostenschätzung für die Umsiedlung: 100 bis 300 Millionen Franken, die vermutlich komplett zulasten der Steuerzahler gingen.

Die Verlegung der gesamten ARA ist allerdings nur eines von drei Szenarien, die der Kanton bis zum Herbst untersuchen will, wie er diese Woche in seiner Antwort auf eine Interpellation der SVP-Landrätin Sandra Sollberger (Bubendorf) vom Mai mitteilte.

Die Alternativen wären die Auslagerung einzelner Leistungen wie zum Beispiel der Schlammverbrennung oder eine Reduktion der Emissionen der bestehenden Anlage.

Grundstückserlös nur 65 Millionen

In einer Machbarkeitsstudie soll deshalb in Erfahrung gebracht werden, welche Möglichkeiten der Emissionsreduktion bei Industrieabwässern es gibt, wie sinnvoll es ist, die industrielle und die kommunale Abwasserreinigung zu trennen, und wo eine eigene Industrie-ARA Platz hätte.

Der Bruttoerlös des Geländes liegt bei lediglich 65 Millionen Franken, wovon allerdings fast drei Viertel an die Industrie zurückbezahlt werden müsste.

Und diese hat sowieso noch ein Wörtchen mitzureden, denn der Kanton hält lediglich 14 Prozent der Aktien der ARA Rhein AG und muss deshalb alle Entscheidungen mit den Firmen Novartis, Clariant, CABB, Rohner, SI Group, BASF und Bayer absprechen.

ARA-Verwaltungsratspräsident Robert Dahinden ist von der Idee einer Verlegung der Anlage auch nicht begeistert: Zwar finde der erste Gedankenaustausch im Industriepark Schweizerhalle dazu erst Ende September statt.

Persönlich zweifle er aber an der Rentabilität einer Verlegung: «Sind die Steuereinnahmen, die man auf dieser Fläche generiert, dann wirklich 300 Millionen Franken wert?» Auch der Baselbieter Wirtschaftsförderer Thomas de Courten hält die Umsiedlung der ARA für sehr unwahrscheinlich: Alle Kosten-Nutzen-Rechnungen seien bisher eindeutig negativ ausgefallen.

Die Gemeinden, die insgesamt nur 5 Prozent des Schmutzwassers verursachen, wollen sich nicht zu dem Thema äussern.

Sanierung und Ausbau sind nötig

Fakt ist jedoch, dass die Kläranlage in den kommenden Jahren saniert und ausgebaut werden muss. Gemäss eidgenössischem Gewässerschutz müssen die ungelösten Stoffe im Ablauf reduziert, Stickstoff und Phosphate entfernt werden.

Ausserdem werde mittelfristig ein neues Mischwasserbecken mit etwa 5000 Kubikmetern nötig. Durch die spezielle Zusammensetzung der Abwässer seien vor der Projektierung allerdings «aufwendige und lange Versuche notwendig», weshalb der Kanton auch hier noch keine Angaben zu den Kosten machen kann.