Die grössten Schweizer Talente
Das Talent, das vom Himmel schwebt

Der Allschwiler Jason Brügger tritt am Samstag im Halbfinal der Castingshow «Die grössten Schweizer Talente» auf.

Julia Gohl
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Jason Brügger trainiert jeden Tag an den Strapaten – mittlerweile ohne rote und blaue Arme.

Jason Brügger trainiert jeden Tag an den Strapaten – mittlerweile ohne rote und blaue Arme.

Martin Töngi

Auch Susanne Kunz konnte sich die Frage nicht verkneifen, die Jason Brügger so oft gestellt wird. «Ich glaube, das tut wahnsinnig weh», sagte die Jurorin der TV-Sendung «Die grössten Schweizer Talente» zum Kandidaten aus Allschwil. «Nicht mehr», entgegnete der Artist nur knapp.

Gegenüber der bz holt er aus: «Als ich mit Strapaten, also Akrobatik an Bändern in der Luft, angefangen habe, waren meine Arme jeweils rot und blau.» Viele, die sich in dieser Disziplin versuchen, würden deshalb bald wieder aufgeben. «Es braucht grosses Durchhaltevermögen.»

Sechs Monate lang habe der heute 22-Jährige während zweier Stunden am Tag an den Bändern einzig und allein Kraftübungen gemacht, um die richtigen Muskeln für diese Disziplin zu bilden.

«Diese Zeit war alles andere als lustig», erinnert sich Jason Brügger. Doch er hatte einen guten Grund durchzuhalten. «Es gibt so viele Artisten, da musst du dir etwas überlegen, wenn du dich von den anderen abheben willst. Es gibt nur wenige Männer in dieser Disziplin, die beweglich sind. Darum mache ich zum Beispiel den Spagat an den Strapaten, das gibt es sonst kaum.» Bei der Jury von «Die grössten Schweizer Talente» scheint es gewirkt zu haben. Sie lobte den Allschwiler nach seiner Performance ausgiebig und beförderte ihn einstimmig ins Halbfinale. Zu diesem tritt er morgen Samstag an.

Verschiedene Stile präsentieren

Für seinen morgigen Auftritt hat sich der Zirkusartist etwas einfallen lassen. War seine erste Darbietung noch mit melancholischer Musik unterlegt und von langsamen Bewegungen geprägt, geht es morgen deutlich schneller zu und her. «Die Musik hat extrem viel Power, und ich werde andere Tricks zeigen. Mir war es wichtig, die Vielseitigkeit meiner Disziplin zu zeigen und nicht mehrmals den gleichen Stil zu präsentieren. Sollte ich es aber in den Final schaffen, werde ich dort wieder eine langsamere Choreografie aufführen.»

Wie hoch seine Chancen diesbezüglich stehen, kann Jason Brügger nur schwer einschätzen. «Ich trete unter anderem gegen eine Tanzgruppe mit 17 Mitgliedern an», erläutert er. «Wenn da von allen Teilnehmern schon nur die Familie anruft, habe ich einen schweren Stand.» Ausserdem wird er sich auch mit vier Sängern messen müssen. «Diese kommen beim Publikum immer besonders gut an. Dabei fände ich es toll, wenn dieses Mal für einmal keine Sänger gewinnen würden. Das wäre schade, denn es gibt schon so viele Talentshows, die sich nur ums Singen drehen.»

Würde es der 22-Jährige tatsächlich ins Finale schaffen und dort das Preisgeld von 100'000 Franken abräumen, wüsste er schon, was er damit machen könnte. «Mein grosser Traum ist es, irgendwann in der Schweiz eine Zirkusschule aufzubauen», erzählt er. «Das wäre ein tolles Startkapital.»

Er selbst musste extra ins Ausland reisen, um seinen Traumberuf zu erlenen. «Gerade in Basel gibt es so viele Jugendzirkusse, aber wenn du als Erwachsener weitermachen möchtest, gibt es kein Angebot mehr.»

Aufhören kam nicht infrage

Auch Jason Brügger selber fing im Alter von sieben Jahren in einem Basler Jugendzirkus an. Zehn Jahre später hatte er die Alterslimite erreicht und musste den Zirkus verlassen. «Das konnte ich mir aber einfach nicht vorstellen», erinnert er sich. Also habe er eine Porfiartistin angefragt, ob sie mit ihm weitertrainieren wolle, und sich am Gymnasium als erster Zirkusartist überhaupt für die Sportklasse angemeldet.

Gleich nach der Matur reiste er ins kanadische Montreal, wo er einen Platz an der dortigen begehrten Zirkusschule erhielt, die er vergangenes Jahr abschliessen konnte. Danach tourte er mit dem Circus Monti durch die Schweiz. «Ich war froh, gleich ein Engagement zu erhalten. Viele Artisten finden nach der Schule erst einmal keines.» Es gehört eine Portion Mut dazu, auf eine Karriere als Zirkusartist zu setzen. «Aber ganz ehrlich: Ich weiss nicht, ob ich mutig war, als ich mich mit 17 dafür entschied, oder einfach nur naiv. Die Entscheidung hat sich aber definitiv gelohnt und ich bereue sie nicht.»

65-Jährigen zum Spagat inspiriert

Als Zirkusartist hatte er früher einen schweren Stand bei den Schulkameraden. «Ich war einfach immer ein bisschen anders», berichtet er. In der Primarschule habe er das besonders stark zu spüren bekommen. «Aber mir war immer egal, was andere gesagte haben. Ich liebe den Zirkus. Und je älter ich wurde, desto mehr Leute fanden cool, was ich mache. Es hat sich gelohnt, durchzuhalten und dafür zu kämpfen.»

Cool fanden ihn auch die Zuschauer von «Die grössten Schweizer Talente». «Ich habe nach meinem Auftritt so viele Zuschriften erhalten, das hat mich zuerst völlig überfordert», erzählt Brügger. «Darunter war auch ein 65-jähriger Mann, der mir schrieb, dass er wegen mir zu Hause nun den Spagat übt, und dass er in seinem nächsten Leben ein Artist wie ich werden möchte. Solche Nachrichten sind wirklich rührend.» Bleibt zu hoffen, dass der Allschwiler morgen nochmals so viele Zuschauer von sich überzeugen kann.

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