Liestal
Das Törli wird vier Monate lang generalsaniert – das ist anspruchsvoll und überfällig

Ab nächster Woche wird das Törli renoviert – das ist anspruchsvoll und überfällig. Nach der Neugestaltung der Liestaler Rathausgasse wird ab nächster Woche das Törli renoviert. Rund vier Monate dürften die aufwendigen und überfälligen Arbeiten am Wahrzeichen des Baselbieter Kantonshauptortes dauern.

Andreas Hirsbrunner
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So bemalte Otto Plattner das Törli 1912. Bei der Renovation von 1949 verpasste er ihm die heutigen Figuren. Denkmalpflege BL

So bemalte Otto Plattner das Törli 1912. Bei der Renovation von 1949 verpasste er ihm die heutigen Figuren. Denkmalpflege BL

Jetzt kommt das Tüpfelchen auf dem i: Nach der gelungenen Neugestaltung der Rathausstrasse nimmt der Liestaler Stadtrat nun auch die wiederholt verschobene Restaurierung des Törlis in Angriff. Ab nächster Woche wird dieses Wahrzeichen Liestals eingerüstet und erhält Grössenordnung in den nächsten vier Monaten ein umfassendes Facelifting an Fassade und Dach. Die ungenaue Zeitangabe ist der Komplexität des Vorhabens geschuldet. Eine Herausforderung ist, dass gewisse Untersuchungen erst vorgenommen werden können, wenn das Gerüst steht. Zu diesen zählt der zuständige Architekt Pascal Porchet die Farbanalysen der Gemälde, aber auch die genaueren Abklärungen des Zustands des Gebälks am Dachreiter. Dass dieses vom Regen angegriffen ist, der durch die Glocken-Öffnungen eindringt, weiss man aber.

Bauarbeiten an der Rathausstrasse Liestal
6 Bilder
Gebannt schaut das Publikum in die Baugrube..
..wo der «Schatz» erfolgreich gehoben wird.
Alt Kantonsarchäologe Jürg Ewald darf als erster aus der richtigen Burgunderschale trinken.
Obs am Wein lag? Auch KMU-Sprecher Michael Bischof lässts beim Schluck aus der Burgunderschale etwas an Begeisterung fehlen.
Auch er liess sich die Auflösung des 1. April-Scherzes von bz und KMU Liestal nicht entgehen: Bauführer Daniel Tonetto.

Bauarbeiten an der Rathausstrasse Liestal

Martin Töngi

Eine zweite Herausforderung ist das Wetter. Restaurator Stefan Buess kann die Malereien des bekannten Liestaler Künstlers Otto Plattner nur auffrischen, wenn es nicht regnet und wenn das Thermometer auch nachts nicht unter fünf Grad sinkt; andernfalls könnte die mineralische Farbe später abblättern.

Bei seiner Bilderrestauration wartet einiges an Arbeit auf Buess. Denn Plattner hat das Törli nach dessen Aussenrennovation von 1949 mit mehreren Figuren bemalt: auf der Stedtli-Seite mit dem Rütlischwur und dem heiligen Georg mit dem Drachen, auf der andern Seite mit einem Fähnrich mit Schweizer Fahne und Baselbieter Wappen sowie sinnigerweise über der Uhr mit Chronos, dem Gott der Zeit.

Diese Gemälde wurden 1972 schon einmal aufgefrischt. Was übrigens die wenigsten wissen und worauf der stellvertretende Denkmalpfleger Walter Niederberger aufmerksam macht: Otto Plattner hatte das Törli bereits 1912 ein erstes Mal bemalt (siehe Bild).

Sie gehen es mit viel Respekt an

Buess hat für die Restauration der Bilder ein Konzept erarbeitet, das von der Denkmalpflege abgesegnet worden ist. Laut Konzept geht es grundsätzlich um eine sanfte Renovation, bei der die Dekorationsmalereien trocken und feucht gereinigt, gefestigt und retuschiert werden. Restaurator und Architekt haben grossen Respekt vor ihrer Aufgabe. Buess sagt: «Unser Team hat schon mehrere Plattner-Bilder restauriert. Aber das Törli in Plattners Heimatort ist schon speziell.» Und Porchet meint: «Ich habe zwar schon einige Altstadthäuser in Liestal renoviert, aber ich bin noch nie mit einem Projekt so im öffentlichen Schaufenster gestanden.» Es sei aber auch ein Privileg, an einem solchen Wahrzeichen arbeiten zu dürfen. Im Einsatz ist auch die Firma Rüetschi, die das Zifferblatt, das Uhrwerk und das Geläut in ihrer Werkstatt in Aarau überholt.

Dazu kommen die Ausbesserung der Risse an der Törli-Fassade, die Neubemalung des Gebälks am Törli-Bogen, das jeweils als grösste Herausforderung die Flammen der Feuerwagen am Chienbäse-Umzug aushalten muss, und die Reparatur des Dachs. Mittels Drohnenflug habe man festgestellt, dass ein Teil der Ziegel defekt ist, sagt Porchet. Insgesamt rechnet die Stadt mit Kosten von 260 000 Franken. Daran zahlt Liestal Tourismus 30 000 und die Denkmalpflege Subventionen in der Höhe von 17 000 Franken. Letzteres deshalb, weil das Törli gerade einen zweifachen Schutz geniesst: Es figuriert als Einzelobjekt im kantonalen Inventar der geschützten Kulturdenkmäler sowie als wichtiger Bestandteil der Liestaler Altstadt im Bundesinventar der schützenswerten Ortsbilder von nationaler Bedeutung.

Das Törli hat schon über 700 Jahre auf dem Buckel. In seiner ersten Lebenshälfte besass es noch eine Zugbrücke, auf der die Leute über den Stadtgraben in die befestigte Stadt schritten. Franz Kaufmann amtet nicht nur als zuständiger Stadtrat, sondern tritt auch als regelmässiger Stadtführer auf: «Die Restauration des Törlis ist bitternötig und wir hatten sie schon lange auf dem Radar. Zuletzt zusammen mit der Sanierung der Rathausstrasse, doch das ging nicht wegen des Staubs und der Erschütterungen. Ich bin sehr froh, dass es nun so weit ist.»