Webstühle
Das wichtige Baselbieter Kulturgut soll überleben

Der Verein Textilpiazza und das Museum.BL sorgen in fast letzter Minute für Nachwuchs in einem Bereich, in dem sich nur noch Rentner auskennen: Sie bilden Webstuhl-Fachleute aus, die die alten Ungetüme nicht nur bedienen, sondern auch reparieren können.

Andreas Hirsbrunner
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Sägerstuhl im Museum.BL
Nadelwebautomat im Museum.BL
Nadelwebautomat im Museum.BL
Nadelwebautomat im Museum.BL

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zVg

Die zwei gebürtigen Holländer Jan (74) und Bernhard (71) Goossen und der Ziefner Hansruedi Wahl (65) bilden sozusagen das Fundament, auf dem jetzt ein prägendes Stück Baselbieter Wirtschafts- und Kulturgeschichte in die Zukunft gerettet werden soll: Die Goossens und Wahl gehören zur langsam aussterbenden Generation von Fachleuten, die Webstühle nicht nur bedienen, sondern auch warten und reparieren können.

Und sie sollen ihr Wissen und Können nun im Rahmen des Projekts «Webstuhlrattern» weitergeben. Wahl, der bis zur 2001 erfolgten Schliessung der letzten Baselbieter Bandfabrik, der Firma Senn & Co in Ziefen, während 30 Jahren dort gearbeitet hat, sagt zu seiner Motivation: «Ich bin zu hundert Prozent ein Textiler. Ich will nun die Möglichkeit schaffen, dass all die Webstühle in den Ortsmuseen weiterbetrieben werden können.» Apropos Textiler: Wahl ist diesbezüglich ein Multitalent und war auch schon Schweizer Meister im Stricken.

15 haben sich bis jetzt angemeldet

Dass «die flüchtigen Kulturwerte, die nur in den Köpfen vorhanden sind», wie Saskia Klaassen vom Museum.BL gestern an einer Medienkonferenz die Fähigkeiten von Wahl und der Gebrüder Goossen umschrieb, nun gerettet werden können, war lange Zeit alles andere als selbstverständlich: Die Regierung wollte aus finanziellen Gründen nichts von einem entsprechenden, 2009 im Landrat eingereichten Vorstoss wissen. Jetzt bietet sie aber indirekt via den Baselbieter Swisslos-Fonds Hand, der das 185 000 Franken teure Projekt «Webstuhlrattern» zur Hälfte alimentiert.

So funktioniert «Webstuhlrattern»: Der Trägerverein Textilpiazza, bekannt von der Aufarbeitung der Hanro-Sammlung in Liestal und jetzt fachlich unterstützt vom Museum.BL, hat kürzlich einen Ausbildungskurs für künftige Webstuhl-Fachleute ausgeschrieben. Bis jetzt haben sich 15 Personen zwischen 30 und 60 Jahren aus unterschiedlichsten Berufen angemeldet; darunter sind auch mehrere ehrenamtliche Mitarbeiter aus Baselbieter Ortsmuseen sowie als Exot ein Seidenraupenzüchter, der damit liebäugelt, wieder gewerbsmässig Seidenbändel zu produzieren. Diese Leute absolvieren nun zwischen April und Ende Jahr einen mehrtägigen Ausbildungskurs, wobei die Anzahl Kurstage von den individuellen Vorkenntnissen abhängt.

Gleichzeitig sollen, so erklärte Projektleiterin Céline Steiner, die noch existierenden 20 mechanischen Webstühle in 13 Ortsmuseen zwischen Frenkendorf und Oltingen «benutzerfreundlicher» eingerichtet werden. Steiner: «Bei all dem spielen Hansruedi Wahl sowie Jan und Bernhard Goossen eine zentrale Rolle.» Sie seien auch die Fachleute, die derzeit den Museen weiterhelfen, wenn sie bei technischen Problemen mit den Webstühlen anstünden.

Auch neue Weberinnen gesucht

Das Wissen der drei Experten soll aber auch in einem digitalen Handbuch verewigt werden. Das heisst, es wird niedergeschrieben und mit Anleitungsvideos angereichert. Dieses Handbuch wird Interessierten dann laut Steiner auch online zugänglich gemacht.

Die künftigen Webstuhl-Fachleute sollen nach ihrer eigenen Ausbildung aber auch andere weiterbilden. Geplant sei, dass sie im nächsten Jahr neue Museums-Weberinnen schulen, sagte Steiner. Denn an diesen herrscht ebenfalls Mangel und neue Weberinnen sind hochwillkommen. Reich werden sie zwar dabei nicht, dafür dürfen sie sich ein kulturhistorisches Krönchen aufsetzen: Die Seidenbandweberei steht seit 2012 auf der Unesco-Liste des erhaltenswerten immateriellen Kulturerbes. Und die Region Basel hat mit ihrer Vergangenheit dafür eine besondere Verantwortung.