Analyse
Das Wort von gestern im Kommunikationsdesaster

Grosse Gemeinden geraten nach dem Austritt von Binningen aus der Aktionärsgemeinschaft ins Wanken. Der Verbleib bei der InterGGA und ihrer neuen Providerin Quickline erscheint ihnen immer zweifelhafter.

Boris Burkhardt
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InterGGA Kabelfernsehen Fernsehkabel.

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Boris Burkhardt

Die Ereignisse rund um die Kabelnetzbetreiberin Inter-GGA AG im Leimen-, Birsig- und Birstal haben enorm an Schwung gewonnen. Aesch, Arlesheim, Dornach: Wie Dominosteine geraten nach dem Austritt von Binningen aus der Aktionärsgemeinschaft grosse Gemeinden ins Wanken. Der Verbleib bei der InterGGA und ihrer neuen Providerin Quickline erscheint ihnen immer zweifelhafter. Falsche Versprechungen, überhöhte Tarife, Leistungsabbau sind Vorwürfe, die durch Exekutive und Legislative der Gemeinden geistern.

Die ganze Geschichte um die InterGGA, Improware und Quickline darf man getrost als kommunikatives Desaster bezeichnen. Die InterGGA verweist auf das freiwillige Schweigegelübde, das sie sich – wie die Improware – während des Mediationsverfahrens auferlegt hat. Deshalb sei sie in den vergangenen Wochen nicht in der Lage gewesen, auf die Anschuldigungen und «teilweise falschen Behauptungen» (Zitat InterGGA) zu reagieren. Die Treue zu diesem Gentleman-Agreement mag man der InterGGA anrechnen; aber sie ist durch ihre ursprüngliche naive Kommunikationspolitik hauptverantwortlich dafür, dass es überhaupt so weit kommen konnte und sie nun derart gewaltig in die Defensive geraten ist. Verwaltungsratspräsident Karl Schenk ist die Beteuerung abzunehmen, dass er dies nun ändern will. Aber die Frage ist natürlich, ob es nicht schon zu spät ist.

Unter den Kritikern der InterGGA in den Behörden der Aktionärsgemeinden gibt es zweifellos einige, die sich bei dieser Gelegenheit selbst profilieren wollen und damit übers Ziel hinausschiessen. Karl Schenk verweist zurecht darauf, dass die InterGGA nicht «irgendeine Firma» ist, die gegen die Gemeinden arbeitet, sondern eine Aktiengesellschaft, die die Gemeinden selbst «besitzen». «Formal», so betont Karl Schenk, könnte der Verwaltungsrat bis zu seiner nächsten Wahl machen, was er wolle. Doch alle Entscheide, die nun zum Wechsel zu Quickline führten, wurden mit den Aktionärsgemeinden abgesprochen und mitgetragen – Binningen, das schon bei den Filzvorwürfen gegen den Verwaltungsrat 2012 vergeblich Verbündete unter den anderen Gemeinden suchte, sei hier ausgenommen. Was die übrigen Gemeinden betrifft, kann man es deshalb durchaus unredlich nennen, wenn sie sich nun gegen genau diesen Wechsel engagieren. Denn sie alle hatten über mindestens einen Gemeinderat einen demokratisch legitimierten Vertreter in der Aktionärsversammlung. Zumindest müssten diese Gemeinderäte ihren Wählern erklären, warum ihre damalige Zustimmung nun falsch sein soll.

Denn die Verunsicherung und der Ärger unter den Kunden und den «zivilen Aktivisten» sind echt und tief. Laut Informationen der bz werden InterGGA und Improware in Bälde ihre Mediation abschliessen. Dann soll es eine gemeinsame Kommunikation direkt an die Kunden geben, in der beide quasi noch einmal gemeinsam die Übergabe von Improware an Quickline erklären und bestätigen. Dann ist hoffentlich ein unschönes Stück Mediengeschichte ad acta gelegt. Die Frage, die die 44 000 Haushalte, die die InterGGA abzüglich Binningen offiziell versorgt, aber am meisten interessieren wird, können weder die Politiker noch die bz abschliessend beantworten: Fahre ich nun mit dem neuen Quickline-Angebot tatsächlich besser als mit dem alten? Das ist eine Frage, die jeder mündige Kunde durch Vergleich selbst beantworten muss. Niemand ist an das Kabelfernsehen gebunden.