Waldenburg
Dem Alpabzug gehen die Kühe aus

Eigentlich wurde der Alpabzug Waldweide ja erst vor vier Jahren aus der Taufe gehoben. Nun geht es ihm bereits wieder an den Kragen.

Lucas Huber
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Das bäuerliche Grossereignis ist schon wieder Vergangenheit. zvg

Das bäuerliche Grossereignis ist schon wieder Vergangenheit. zvg

«Leider haben wir den Alpabzug nur zweimal hingekriegt.» Markus Vogt war Verantwortlicher des Alpabzugs Waldweide in Waldenburg. Der Meister der Zunft zum Oberen Tor, aus der heraus die Idee zur Wiederbelebung des Brauchtums entstanden ist, ist enttäuscht. Enttäuscht, dass es mit dem Alpabzug nach zwei sehr erfolgreichen Ausgaben bereits wieder vorbei ist: «Es war nicht absehbar, dass es so kommen würde, und ich bedaure es sehr. Viel Herzblut steckte darin.»

Als die Zunft 1998 gegründet wurde, setzte man sich zum Ziel, Kulturelles im Waldenburgertal zu fördern. Dazu gehörte der Alpabzug, der schon in grauer Vorzeit für einen Tag das Waldenburgertal in Farbenpracht und Glockengeläut versetzte. «Eine Tradition», nennt es Vogt, «die wir wieder aufleben lassen wollten.» Darum gründeten die Zünfter eine Interessengemeinschaft (IG), die sich um die Durchführung des Alpabzugs kümmerte.

Nur noch 20 bis 25 Rinder

Als die IG 2007 startete, hatte man sich zum Ziel gesetzt, das Vieh alle zwei Jahre von der Waldweide ins Dorf hinunterzutreiben. 2007 und 2009 funktionierte dies. In beiden Jahren schaffte es der Anlass mit Festwirtschaft, kleinem Markt und den Kühen im Mittelpunkt, eine Vielzahl von Besuchern nach Waldenburg zu locken. «Wir waren überrascht, wie viele Zuschauer kamen und wie begeistert sie waren», schwärmt Vogt.

Dann wechselte der Pächter der Waldweide, die der Bürgergemeinde Waldenburg gehört. Der neue Landwirt hält mehr Rinder als sein Vorgänger. Von den knapp 100 Tieren, die jeweils auf der Waldweide sömmern können, waren vorher rund zwei Drittel von Kleinbauern, die einzelne Tiere über den Sommer in Obhut gaben. Im Herbst wurden diese dann für die Überwinterung im Stall gemeinschaftlich ins Dorf getrieben.

Grosses Bedauern

Weil der neue Pächter aber das Gros der Tiere hält – etwa 70 –, die er zudem nicht nur bis im September, sondern bis Ende Oktober auf der Waldweide grasen lässt, wären beim Alpabzug gerade mal noch 20 bis 25 Rinder dabei gewesen. «Das könnte man dann auch nicht mehr Alpabzug nennen», erklärt Vogt und meint, dass das doch ein recht trauriges Bild abgeben würde. Und dass der Pächter seine eigenen Tiere im September für das Publikum hinunterführte und nach dem Anlass wieder hochkarrte, kommt für die Veranstalter nicht infrage: «Da würde die Glaubwürdigkeit fehlen.»

Darum habe man sich schweren Herzens entschlossen, den Alpabzug 2011 nicht durchzuführen, erklärt Vogt. Das sei zwar schade, aber kein Weltuntergang: «Wir müssen es einfach akzeptieren.» Auch Gemeindepräsident Kurt Grieder erklärt auf Anfrage: «Wir bedauern es sehr, dass der Alpabzug nicht weiter stattfinden wird. Er war ein Gewinn für das Waldenburgertal.»

Dass sich diese Situation ändern wird, glaubt der Zunftmeister nicht. «Obwohl es für die Region etwas Seltenes ist und touristisch sehr interessant.» Ganz will man Glocken und Blumenschmuck aber noch nicht an den Nagel hängen. Man sei bereits daran, neue Ideen zu sammeln, sagt Vogt, ein Ersatz sei bisher allerdings nicht in Sicht. «Es kann aber durchaus sein, dass wir zwar nicht in dieser, aber in ähnlicher Form weitermachen werden.»