Nachwuchsprobleme
Den Verkehr zu regeln, macht Jungen keinen Spass mehr

Die Verkehrskadetten plagen Nachwuchssorgen. «Wir haben ein massives Mitgliederproblem, welches unsere Existenz bedroht», heisst es bei der Sektion Nordwestschweiz.

Joël Hoffmann
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Immer weniger Jugendliche wollen Verkehrskadetten werden. Archiv

Immer weniger Jugendliche wollen Verkehrskadetten werden. Archiv

179 Verkehrskadetten aus der ganzen Schweiz stehen am Sonntag im Dienst für den Slow-up. Sie sichern die abgesteckte Route für die Teilnehmer. Verkehrskadetten sind für Veranstalter eine beliebte und kostengünstige Lösung. Doch regionale Sektionen kämpfen um Mitglieder.

Mehr Aus- als Eintritte

Die Verkehrskadetten Nordwestschweiz (VK-NWS) schlagen Alarm: «Wir haben ein massives Mitgliederproblem, welches unsere Existenz bedroht», teilt der Verein mit.

«Optimal wären 80 aktive Mitglieder», sagt VK-NWS-Präsident Stephan Aeby. Noch sind es knapp 45 Jugendliche ab 13 Jahren. Zwar müssten er Aufträge ablehnen, doch die verbleibenden Kadetten haben mehr Einsätze – bis zu deren drei im Monat. Das ist für Aeby zu viel: «Unsere Hauptaufgabe ist die Übung auf Kreuzungen.» Zwar gebe es keine Reklamationen. Aber einige Jugendliche merken kritisch an, dass sie diesen Sommer bereits sehr viele Einsätze gehabt hätten. «Ich nehme diese Rückmeldungen ernst», betont Aeby. Er weiss, Übungen auf Kreuzungen, Kartenlesen, Funkausbildung und Nothilfekurse machen mehr Spass als wöchentliche Einsätze.

Mit regelmässigen Aufträgen finanzieren sich die Kadetten. Was aber eine willkommene Abwechslung sein sollte, wird mehr und mehr zur Regel. Aeby weiss, dass er so über kurz oder lang seine Kadetten vergrault. Neue Mitglieder müssen sowieso her. Der Verein hat seit Jahren mehr Aus- als Eintritte. «Wir haben zwar Flyers verschickt, aber kaum Rückmeldungen», klagt Aeby und fügt selbstkritisch an: «Wir haben offensichtlich die Sprache der Jugendlichen verfehlt.» Der VK-NWS verstärkte darum sein Marketing mit Werbung im öV. Das tue not: «Wenn es so weitergeht, haben wir in zwei Jahren nur noch 15 bis 20 Leute. Das wäre sehr kritisch.» Zwar hätten einige Mitglieder ihren Präsidenten gemahnt, nicht derart drastisch zu kommunizieren. Doch der 47-Jährige, der seit 30 Jahren Mitglied ist, steht zu seiner Einschätzung.

Der VK-NWS besteht seit 40 Jahren und hatte schon manch kritische Zeit. Vergleichbar schlecht wie heute war es anfangs der 80er. Damals spaltete sich der VK-NWS – das Kadettenkorps Basel (KKB) entstand. Der KKB koordiniert die Einsätze am Slow-up.

Mitgliederzahlen schweizweit stabil

«Wir hatten auch schon mehr Mitglieder», sagt KKB-Präsident Claudio Romeo. Mit 120 Kadetten war das KKB einst eines der grössten Korps der Schweiz. Heute sind es gerade noch 65aktive Kadetten. Das Hauptproblem für den KKB: Das Kader ist knapp, weil das Korps vor vier Jahren nur noch 40Mitglieder hatte. «Wegen dieser Lücke ist es schwierig, genügend Kurse anbieten zu können», sagt Romeo. Schweizweit sind die Mitgliederzahlen stabil. «Ein Trend ist nicht auszumachen», sagt Peter Strittmatter, Präsident des Schweizerischer Verkehrskadetten-Verbands.

Die Kadetten des VK-NWS nehmen nicht am Slow-up teil. Der Grund ist simpel: «Die anderen Korps haben schneller auf unsere Anfrage geantwortet», sagt KKB-Präsident Romeo.