Denkmalschutz
Aus Alt wird Neu und bleibt doch alt: Die alte Getreidemühle in Lausen erstrahlt in neuem Glanz

In der alten Getreidemühle in Lausen gibt es neue Wohnungen. Die Charakterzüge bleiben aber trotz Umbau und Umnutzung dieselben.

Maximilian Karl Fankhauser
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Teile des Mühleensembles in Lausen wurden erfolgreich umgebaut und umgenutzt.

Teile des Mühleensembles in Lausen wurden erfolgreich umgebaut und umgenutzt.

Weisswert Visuelle Gestaltung & Fotografie

Man wohnt, wo man arbeitet. Die Regel hat ihre Gültigkeit längst verloren, der gestiegenen Mobilität sei Dank. Vor hundert Jahren war das noch anders. Und so lagen auch bei der alten Getreidemühle in Lausen, die im Jahre 1318 ein erstes Mal schriftlich erwähnt ist, Wohnen und Arbeiten räumlich eng beieinander. Im Lausener Unterdorf am Wasser gelegen, wo sich auch die alte Getreidemühle befindet, wächst der Komplex kontinuierlich weiter. Ende des 19. Jahrhunderts kauft Familie Hägler das Areal. Aufgrund des Wachstums des Mühlemitarbeiterkontingents wird 1850 ein Gesellenhaus am westlichen Rand des Areals erbaut, in dem zehn bis zwölf Arbeiter wohnen können. Dies ist auch von Nöten, beschäftigt die Papiermühle 1906 schon 22 Arbeiter.

Auch die Scheune, an welche das Gesellenhaus angebaut ist, hat eine spannende Geschichte. Beherbergte sie die meiste Zeit die Pferde, wird aus ihr im 20. Jahrhundert eine Tankstelle für den neu erworbenen Lastwagen. Der erste Lastwagen, 1918 beschafft, kann die Arbeit, die bis anhin 18 Pferde erledigt haben, ersetzen. Es sind dies auch Zeitzeugen einer florierenden Industrie, die einmal in Lausen ihr Zuhause hatte.

Luftbild des Getreidemühleareals in Lausen (1925).

Luftbild des Getreidemühleareals in Lausen (1925).

Walter Mittelholzer / ETH-Bibliothek Zürich, Bildarchiv/Stiftung Luftbild Schweiz

Viele Fragen aufgrund des Denkmalschutzes

Doch mit der Zeit musste man sich auch die Frage stellen, was man mit dem ausrangierten Mühlekomplex anstellen möchte. Zumal die Gebäude aufgrund ihrer langen Vergangenheit unter Denkmalschutz stehen. Der Auftrag, eine Lösung für die Scheune, das Gesellenhaus und die Werkstatt zu erörtern, wurde LUX Architekten aus Basel zuteil. Der Prozess begann vor drei Jahren. Andrea Schenk, fürs Projekt zuständige Architektin, sah sich mit drei Fragen konfrontiert.

«Wie erschliessen wir drei Gebäudeteile logisch? Wie setzen wir den Denkmalschutz um? Wie setzen wir die Nutzungsänderung der Scheune um?»

Das erste Problem wurde folgendermassen gelöst: Die bereits vorhandene Tür der Werkstatt markiert den Punkt, von dem alle drei Gebäude erschlossen werden können. Diese Option schliesst nämlich auch die Frage nach dem Denkmalschutz mit ein. Denn laut Denkmalschutz durften keine zusätzlichen Öffnungen in die Fassaden gefügt werden. Wichtig ausserdem, dass die Gebäude ihr Grundaussehen nicht verlieren durften. «Sogar die Bausubstanz ist integral geschützt», sagt Philippe Allemann, Ortsbildpfleger von Lausen.

Die dicken Mauern sind noch immer dieselben

Dass diese erhalten blieb, zeigt sich im Innenumbau des Gesellenhauses. Dieses grundsätzlich aufs Wohnen ausgelegte Gebäude erstrahlt in neuem Glanz, ohne dass vergangene Zeiten vergessen gehen. Denn in der Dachwohnung des zweistöckigen Hauses ist der originale Verputz noch immer Hauptbestandteil der Wand. Die grösste Schwierigkeit sei die Beleuchtung dieser Dachwohnung gewesen, sagt Lukas Ruggli, Projektleiter des Umbaus. «Wir konnten mit dem Denkmalschutz vereinbaren, dass wir das Dach leicht heben, die schon bestehende Laube des ersten Stockes hochziehen und über das Dach der alten Werkstatt laufen lassen.»

Die wohl grösste Aufgabe stellte die Neugestaltung der Scheune dar. Von aussen sieht sie noch gleich aus, innen wurden die bestehenden Öffnungen schön zu Fenstern verarbeitet, die dicken Mauern sind noch immer dieselben. Der gesamte Prozess dauerte drei Jahre, sagt Allemann:

«Wir hatten ein Jahr Machbarkeitsstudie, ein Jahr Planung und ein Jahr Bauzeit.»

Auch Sébastian Richard, mitarbeitender Architekt, ist erfreut ob dem Resultat: «Dieser Beruf ist so vielseitig. Das hat mir dieses Projekt einmal mehr bewiesen.»