Fahrplan 2012
Der 48er bleibt vorerst ein reiner Pendlerbus

Täglich 1500 Personen stiegen im ersten Quartal 2011 in den 48er-Bus. Die Direktverbindung zwischen dem Allschwiler Bachgrabengebiet und dem Bahnhof SBB hat sich bewährt. Trotzdem komm Allschwils Forderung nach einem Vollbetrieb zu früh.

Michael Nittnaus
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Täglich 1500 Personen stiegen im ersten Quartal 2011 in den 48er-Bus. Das sind 300 Personen oder 20 Prozent mehr als noch ein Jahr zuvor. Die Direktverbindung zwischen dem Allschwiler Bachgrabengebiet – Stichwort Actelion – und dem Bahnhof SBB hat sich seit der Einführung vor eineinhalb Jahren als Berufspendlerlinie bewährt. Das stellt niemand infrage. Sie dürfte denn auch im Dezember vom Probe- in den definitiven Betrieb genommen werden. Doch würde der 48er auch tagsüber und am Wochenende rentieren? Genau das fordert der Allschwiler Gemeinderat in seiner Vernehmlassungsantwort zum Fahrplan 2012: «Mindestens» im 30-Minuten-Takt solle der Bus am Tag verkehren, in den Stosszeiten wie bisher alle 15 Minuten. Auch eine zusätzliche Haltestelle beim Knoten Parkallee/Spitzwaldstrasse verlangt die Gemeinde. «Wir wollen, dass nicht nur Pendler, sondern unsere ganze Bevölkerung ohne umzusteigen zum Bahnhof fahren kann», rechtfertigt Gemeindepräsident Anton Lauber den Antrag.

Forderung beisst sich mit Sparpaket

Der Dämpfer kommt postwendend: «Für den Wechsel vom 11. Dezember ist dies unrealistisch», sagt der Baselbieter öV-Beauftragte Markus Meisinger. Die Auswirkungen seien zu einschneidend – nicht zuletzt wegen der Kosten einer derart grossen Angebotserweiterung. «Es ist mir klar, dass wegen des Baselbieter Entlastungspakets momentan eigentlich nicht der richtige Zeitpunkt für solche Forderungen ist», gibt denn auch Lauber zu. Klar ist: Da die BVB im Auftrag von Basel-Stadt den 48er betreiben, müsste Baselland bei einem Ausbau den Nachbarn für die zusätzlichen Kilometer auf Baselbieter Boden stärker entschädigen. So will es die Vereinbarung für grenzüberschreitende öV-Linien.

Bettina Heiniger vom städtischen Amt für Mobilität setzt indes noch weitere Fragezeichen: «Die Fahrgastzahlen rechtfertigen eine Ausweitung vermutlich nicht.» Hier stelle sich die Grundsatzfrage, ob man das Angebot erst bei grosser Nachfrage ausbauen soll, oder erst durch eine Ausweitung ein Anreiz geschaffen werden muss. Momentan sind – wenig überraschend – 90 Prozent der Fahrgäste Pendler. Entscheidend sei, dass der 48er wirklich Autofahrer zum Umsteigen bewege, sagt Heiniger. Laut einer Umfrage haben zwei Drittel der heutigen Kunden vorher andere öV-Linien benutzt.

Dieses Argument dreht BVB-Sprecherin Dagmar Jenny einfach um, wenn sie sagt: «Der 48er hat ein Drittel neue Kunden generiert.» Das bedeute allerdings nicht, dass Potenzial für einen Vollbetrieb da ist: «In die Zukunft schauen kann ich nicht.» Jenny betont, dass die BVB letztlich bloss Auftragsausführende sind: «Wir fahren, was bestellt und bezahlt wird.» Trotzdem: «Für uns ist der 48er in erster Linie ein Bus für Pendler», sagt Jenny und lässt damit die Haltung der BVB durchschimmern.

Tramverlängerung nicht betroffen

Heiniger verweist noch auf einen anderen Punkt: Basel-Stadt möchte auf der Strecke des seit der Verlängerung nach Grenzach-Wyhlen stark ausgelasteten 38ers Gelenkbusse einsetzen. «Allschwil lehnt dies bisher ab. Wir brauchen aber eine Lösung, denn auf dem Basler Streckenabschnitt sind die Busse überlastet.» Durch die Haltung Allschwils könne auch im Grossen Rat der Eindruck entstehen, die Gemeinde wolle nur nehmen ohne zu geben, so Heiniger. Gemeinderat Robert Vogt entgegnet: «Das ist ein Platzproblem. Gelenkbusse würden die Zufahrten auf dem Dorfplatz blockieren. Sonst nähmen wir sie mit Handkuss.» Mit dem 48er-Bus hätte dies rein gar nichts zu tun.

«Die Basler Kritik am 48er ist langsam mühselig. Ständig kommen sie mit neuen Ausreden», sagt ein sichtlich genervter Lauber. In dieselbe Schublade steckt der Gemeindepräsident auch den Vorwurf, Allschwil würde zugunsten des Busses eine Tramverlängerung vernachlässigen. «Das hat nichts miteinander zu tun», bekommt Lauber Unterstützung von Meisinger. Kosten und Umsetzungsdauer seien nicht vergleichbar. Nun wird der Antrag Allschwils in der paritätischen Kommission der beiden Basel sowie BVB und BLT diskutiert. Lauber hat für 2012 noch nicht alle Hoffnung aufgegeben und sagt: «Ich würde bedauern, wenn wir wirklich bis 2013 auf die ständige Direktverbindung warten müssten.»

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