«Regio aktuell»-Prozess
Der Al-Capone-Trick der Ermittler

Der Treuhänder Madörin und Robert Gloor, der Verleger von «Regio aktuell», wehren sich vor dem Appellationsgericht gegen ihre erstinstanzliche Verurteilung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und anderer Delikte im Zusammenhang mit der Gratiszeitschrift.

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bz

Nach fünf Minuten drohte der Prozess ein erstes Mal zu platzen: Der Beschuldigte Bernhard Madörin verliess kurzzeitig den Gerichtssaal, weil ihm Richter Claudius Gelzer verweigerte, seinen Computer mit einem externen Server zu verbinden, auf dem er die Akten gespeichert habe. Die Drohgebärde verpuffte, Madörin kehrte zurück und der Gerichtstag nahm seinen Lauf.

Der Treuhänder Madörin und Robert Gloor, der Verleger von «Regio aktuell», wehren sich vor dem Appellationsgericht gegen ihre erstinstanzliche Verurteilung wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und anderer Delikte im Zusammenhang mit der Gratiszeitschrift.

Die Beschuldigten stellen die Legitimität des Verfahrens generell infrage. Besonders jedoch die Nutzung von Akten, die im Rahmen eines Nachsteuerverfahrens erhoben wurden und im Strafverfahren Eingang fanden. Madörin sagte: «Ohne Steuerverfahren gäbe es kein Straf- und ohne Straf- kein Steuerverfahren.» Seit den Ermittlungen gegen den Mafia-Boss Al Capone gehört die Steuerfahndung jedoch zum Repertoire der Staatsanwälte. Für den klagenden Staatsanwalt war die Zusammenarbeit mit den Steuerbehörden denn auch das Normalste der Welt.

Das Gericht entscheidet am zweiten Prozesstag, wie rechtmässig das bisherige Prozedere verlief, oder ob das Verfahren nicht doch noch platzt. (cm)