Arxhof
Der Arxhof erhält für sein Modell des Strafvollzugs Lob aus Deutschland

Die Jugendvollzugsanstalt Arxhof in Niederdorf wird in einer Reportage des Norddeutschen Rundfunks als «Vorzeigeprojekt» bezeichnet, da sie nicht auf Bestrafung, sondern auf Resozialisierung setzt. Beim Arxhof ist man denn auch stolz auf die geringe Rückfallquote.

Oliver Sterchi
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Der Arxhof: idyllisch gelegen und frei von Gewalt, so der NDR.

Der Arxhof: idyllisch gelegen und frei von Gewalt, so der NDR.

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«Ein Gefängnis ohne Gitter, das gibts doch nicht», meint ein sichtlich überraschter Reporter des Norddeutschen Rundfunks NDR in einem Beitrag über das Massnahmenzentrum für junge Erwachsene Arxhof in Niederdorf. Keine meterhohen Mauern mit Stacheldraht, keine Eisenstäbe vor den Fenstern und kein bewaffnetes Wachpersonal – das wirkt zunächst einmal befremdend auf das deutsche Fernsehteam. Der Kulturschock gipfelt in der Aussage von Arxhof–Direktor Renato Rossi, dass allfällige Ausbrüche sogar «eingeplant» seien. Doch wie kommt der NDR überhaupt dazu, seine Reporter ins Baselbiet zu schicken?

Gewaltfreier Strafvollzug

Der Fernsehbeitrag wurde vergangene Woche unter dem Titel «Gewalt: Alltag im Jugendknast» gesendet. Inhaltlich dreht er sich um die teilweise höchst besorgniserregenden Zustände in deutschen Jugendstrafanstalten. Insbesondere die Gewalt unter den Insassen ist ein gravierendes Problem. Die Rede ist von regelrechten Gewaltexzessen, die bis zur Folter reichen. Ältere und stärkere Insassen würden die schwächeren terrorisieren und misshandeln. Sogar Todesfälle habe es schon gegeben.

Doch ist ein Strafvollzug ohne Gewalt überhaupt möglich? Diese Frage stellten sich die deutschen Reporter und machten sich auf die Suche nach gewaltfreien Strafanstalten. Fündig wurden sie in der Schweiz – oder eben: in Niederdorf. Das dort befindliche Massnahmenzentrum Arxhof soll laut seinem Direktor nämlich gewaltfrei sein. Das Filmteam überzeugt sich selbst und kommt zum Schluss, dass im Arxhof tatsächlich viele Dinge anders laufen als in den heimischen Vollzugsanstalten. Der Arxhof wird sogar zum «Vorzeigeprojekt» für den Jugendstrafvollzug erklärt.

Resozialisieren, nicht bestrafen

Für Arxhof-Direktor Rossi kommt diese Würdigung nicht überraschend. Der Arxhof habe schliesslich bereits von anderen deutschen Fernsehteams und sogar Politikern Besuch erhalten, so Rossi. «Es waren schon verschiedene deutsche Justizminister hier und haben sich unsere Anstalt angeschaut», erklärt er. Doch woher rührt diese mediale und politische Aufmerksamkeit aus dem Ausland, insbesondere der Bundesrepublik?

«Es ist unser Modell des Strafvollzugs, das sie fasziniert», sagt Rossi. Anders als in Deutschland, wo die Bestrafung der jugendlichen Kriminellen im Vordergrund stehe, lege man hier Wert auf die Resozialisierung der Delinquenten. «Wir wollen die Jugendlichen nicht einfach einsperren, sondern ihnen die Möglichkeit geben, sich auf die Rückkehr in ein bürgerliches Leben vorzubereiten», erklärt Rossi. Zu diesem Zweck absolvieren die «Bewohner» des Arxhof während ihres Aufenthalts eine anstaltsinterne Berufsausbildung, die ihnen den künftigen Weg in die Arbeitswelt ebnen soll. Zudem lernen sie, was es heisst, in einem Kollektiv zu leben und sich an gewisse Regeln halten zu müssen.

Vom Vorwurf der «Kuscheljustiz» hält Rossi nichts: «Der Arxhof ist und bleibt eine Vollzugsanstalt. Niemand ist freiwillig hier.» Die Statistik spricht zudem für das Arxhof-Modell: Werden in Deutschland über 80 Prozent der jugendlichen Gefängnisinsassen nach ihrer Entlassung rückfällig, so seien es hier gemäss Rossi gerade mal 26 Prozent. Doch ist der Vollzug im Arxhof tatsächlich völlig gewaltfrei? «Der gravierendste Vorfall in den letzten drei Jahren war eine Ohrfeige», erklärt Rossi.