Regierungswahlen
Der Aussenseiter eroberte die Aula im Sturm

Ein Raunen ging durch den Saal, als das Schlussergebnis auf die grosse Leinwand projiziert wurde: Innert 90 Minuten hatte Gerhard Schafroth es geschafft, 49 Schüler in der Aula des Gymnasiums Münchenstein umzustimmen und auf seine Seite zu holen.

Michael Nittnaus
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Zu Beginn und am Ende stimmte die versammelte Schülerschaft in der Aula des Gymnasium Münchensteins über die drei Kandidaten ab – mit überraschendem Ausgang.

Zu Beginn und am Ende stimmte die versammelte Schülerschaft in der Aula des Gymnasium Münchensteins über die drei Kandidaten ab – mit überraschendem Ausgang.

Kenneth Nars

Hatten zu Beginn der gestrigen Podiumsdiskussion lediglich 28 Schüler für den grünliberalen Regierungskandidaten ihre Hand erhoben, waren es bei der zweiten Abstimmung am Ende deren 77. In die umgekehrte Richtung ging es beim SP-Kandidaten Eric Nussbaumer. Er behielt zwar insgesamt mit 96 Stimmen die Oberhand, war aber mit dominierenden 157 Stimmen in die Diskussion gestartet. Einen traditionell schweren Stand bei der Schülerschaft hatte der SVP-Kandidat. Thomas Weber konnte sich aber immerhin von anfangs 10 auf 18 Stimmen verbessern.
Regierungsamt als Bürde
Am Ende legte jeder der drei Opponenten dieses Ergebnis natürlich zu seinen Gunsten aus: «Ich habe immer noch das absolute Mehr erreicht - und das ist schliesslich das Entscheidende», sagte Nussbaumer lachend. Und Weber: «Ich habe 80 Prozent dazugewonnen.» Doch an der unkonventionell konzipierten Podiumsdiskussion - die Kandidaten hielten Reden und wurden danach einzeln auf einem «heissen Stuhl» verhört - punktete vor allem Schafroth: «Meine Argumente haben überzeugt. Beim nächsten Mal überhole ich auch noch Eric Nussbaumer.»
Sorgte Schafroth am Regierungswahlpodium vom vergangenen Montag in Reinach mit seiner Aussage, er wolle gar nicht Regierungsrat werden, noch für ungläubiges Kopfschütteln, schien seine Direktheit gestern eher ein Vorteil. «Ich bin momentan ein glücklicher Mensch mit einem erfolgreichen Unternehmen. Als Regierungsrat werde ich kaum zufriedener», wiederholte Schafroth seine Aussage. Er verstehe seine Kandidatur aber als Dienst an der Gemeinschaft und stelle Baselland sein Know-how im Finanzbereich gerne zur Verfügung.
Sanierung des Gymis unbestritten
Keiner der drei Kandidaten vergass selbstredend, vor den rund 200 Gymnasiasten den Wert der Bildung hervorzuheben. Und alle drei tadelten die Baselbieter Regierung für die verzögerte Sanierung des Gymnasium Münchensteins. «Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis», sagte etwa Weber. Nussbaumer sprach sich zudem für ein Schulfach Politik aus, betonte aber auch, dass «Theorie allein nicht genügt. Sie müssen sich auch im Alltag engagieren. Gehen Sie in Jugendorganisationen und besuchen Sie Gemeindeversammlungen».
Etwas in Bedrängnis kam Schafroth, als er sich auf dem heissen Stuhl sitzend für einen freien Wettbewerb unter den Schulen aussprach, um die Bildungskosten zu senken. «Dann würden schwächere Schulen mangels Zulauf doch schliessen müssen», mahnte ihn der moderierende Schüler. Schafroth blieb dabei: «Jede Schule wird durch den Wettbewerb ihre Strukturen optimieren und dadurch letztlich besser.»
Der mit seinem Smartspider-Profil konfrontierte Weber sah sich einmal mehr als «SVP-Hardliner» betitelt. Sein im Wahlkampf omnipräsentes Image des Brückenbauers wollte bei den Schülern nicht recht greifen. Der Bauingenieur gab sich am Ende dennoch zuversichtlich und konterte gewitzt: «In 10 bis 20 Jahren werden Sie alle weniger links denken als heute.»