Bilanz
Der Bahnhof soll sein Vermächtnis werden

Lukas Ott hat viel Schwung nach Liestal gebracht. Sein wichtigstes Projekt ist aber noch nicht im Trockenen.

Dimitri Hofer und Hans-Martin Jermann
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Lukas Ott hinterlässt in Liestal seine Spuren. Die Entwicklung des Bahnhofs ist sein Prestigeprojekt.

Lukas Ott hinterlässt in Liestal seine Spuren. Die Entwicklung des Bahnhofs ist sein Prestigeprojekt.

Nicole Nars-Zimmer niz

Als bekannt wurde, dass Lukas Ott neuer Leiter der Basler Kantons- und Stadtentwicklung wird, wurden von verschiedener Seite euphorisch seine Leistungen gewürdigt. Tatsächlich zeigt eine Umfrage in Liestal, dass der abtretende Stadtpräsident, der im Jahr 2012 diese Stelle antrat, der Kantonshauptstadt zu neuem Elan verhelfen konnte.

Ob Ott sein noch aktuelles Amt mit einer weissen Weste verlassen kann, zeigt sich am 26. November. Dann wählen die Liestalerinnen und Liestaler nicht nur seinen Nachfolger für den Stadtrat, sondern stimmen auch über die Bahnhofentwicklung ab. Bei dieser handelt es sich um das wichtigste Projekt des abtretenden Stadtpräsidenten und sie könnte zu seinem Vermächtnis werden.

Lukas Ott sei ein Macher, Ideengeber und Vermittler, findet CVP-Fraktionschef Stefan Fraefel. Auch wenn letztlich nicht alles gelinge, so habe Ott die Stadt mit seiner dynamischen Art doch vorwärts gebracht. So hat es der grüne Stapi zum Beispiel nicht geschafft, den Kanton als Ankermieter für das geplante Hochhaus am Bahnhof an sich zu binden. In letzter Minute sprang der Kanton unter Federführung von Baudirektorin Sabine Pegoraro nach anfänglicher Zusage ab. «Liestal verharrte lange im Dornröschenschlaf», sagt Fraefel.

Auch wenn die Geschäfte letztlich vom gesamten Stadtrat erarbeitet und vorgelegt würden, so sei doch offensichtlich, «dass Lukas Ott hier neuen Schwung reingebracht hat». SVP-Fraktionschef Meyer ist in diesem Punkt nicht derselben Meinung: «Die viel zitierte Aufbruchstimmung war bereits vor Lukas Otts Zeit als Stadtpräsident spürbar.» Er habe hier auch ernten können, was in den 20 Jahren zuvor aufgebaut worden sei.

Umgänglicher Stadtpräsident

Dass es eben doch Lukas Ott gewesen sei, der Dynamik nach Liestal brachte, betont Felix Mühleisen. Der Café-Betreiber spart nicht mit Superlativen für den neuen Basler Stadtentwickler. «Lukas Ott war der beste Stadtpräsident, den wir jemals hatten», erklärt er. Es werde sehr schwierig sein, ihn zu ersetzen. «Imponiert hat mir seine umgängliche Art. Er hatte Respekt vor den Linken und den Bürgerlichen.» Der Stadtpräsident habe es geschafft, dass in Liestal eine gute Stimmung herrsche.

«Obwohl er ein Grüner ist, erlebte ich ihn als sehr konstruktiv und lösungsorientiert», lobt Matthias Renevey, Präsident von KMU Liestal. Die Kantonshauptstadt sei in den vergangenen Jahren bei Firmen wieder beliebter geworden. Es sei Ott gelungen, Pharmaunternehmen wie Santhera nach Liestal zu holen. Negative Charaktereigenschaften des Stadtpräsidenten fallen Renevey spontan keine ein.

SP-Stadträtin Regula Nebiker, die seit fünf Jahren gemeinsam mit Lukas Ott in der Liestaler Exekutive sitzt, muss nach Haaren in der Suppe suchen. Sie erklärt, dass der Stapi in manchen Fällen «fast zu viel auf einmal wollte und zu kompromissbereit war». All das meine sie jedoch wertschätzend, sagt sie. Seine kommunikative Art lasse sich am besten an der «Langen Tafel Liestal», die im letzten September in der Altstadt stattfand, veranschaulichen.

Der abtretende Liestaler Stadtpräsident selbst hebt neben der Bahnhofentwicklung die Stützung der Prozesse zur Entstehung von rund 1200 Wohnungen mit den aktuellen Quartierplanungen sowie die Unterstützung des Detailhandels hervor. «Zudem hoffe ich darauf, dass sich auch mein Nachfolger dafür einsetzen wird, dass Liestal ein Uni-Standort wird.»