Birs
Der Biber nistet sich an der Birs ein

Der Biber ist endgültig heimgekehrt in die Region. Dank Büschen, Steinen, Rampen dürfte sich seine Population mehr als verdoppeln.

Jürg Gohl
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bz Basellandschaftliche Zeitung

Wohl hat er sich bereits seit längerer Zeit am Rhein und am Unterlauf der Ergolz eingenistet und dort auch den Wasserfall vor Liestal überwunden. Doch nun ist der Nachweis erbracht, dass sich der Biber auch an der Birs eingenistet hat. Beissspuren oberhalb des Kraftwerks Dornachbrugg belegen, dass er dort sesshaft geworden ist. Dank einer Biber-Passage schaffte es das Tier, das Hindernis zu überwinden und so für sich ein neues Siedlungsgebiet zu erschliessen.

Bereits im vergangenen Jahr und diesen Sommer wieder war der Biber im Bereich der Reinacherheide beobachtet worden. Doch die am Wochenende entdeckten Beissspuren belegen, dass der Biber im Gegensatz zum letzten Jahr in der Birs nicht nur schnupperte, sondern sich nun niedergelassen hat.

50 Biber nun keine Utopie mehr

Wohl hat die auf zehn Jahre begrenzte Aktion «Hallo Biber», die im August offiziell abgeschlossen wurde, dazu beigetragen, dass sich der Biber in der Region zaghaft zurückmeldete. An den Schlussfeierlichkeiten vor nicht einmal drei Monaten war noch von rund einem Dutzend Bibern die Rede. Doch nun ist der Nachweis erbracht, dass der Biber das Kraftwerk von Dornachbrugg überwunden hat und sich Birs-aufwärts ausbreiten kann. 50 Exemplare in Rhein, Ergolz und vor allem Birs sind damit nun plötzlich keine Utopie mehr.

Entdeckt wurden die Belege für die Rückkehr des Bibers ausgerechnet von Urs Leugger, der bis 2007 noch selber das Wiederansiedlungsprojekt «Hallo Biber» leitete. Dieses kann nun nach zehn Jahren mit einer unwesentlich verspäteten Krönung abgeschlossen werden. «Ich persönlich bin überglücklich», sagt Leugger, der in Arlesheim wohnt, «zumal sich die Beissspuren ganz in der Nähe meiner Haustür befinden.»

Büsche und Steine statt Schwellen

Leuggers Fund ist gleich aus mehreren Gründen bemerkenswert. Vor 200 Jahren wurde in ebendieser Birs der letzte Biber in der Schweiz geschossen, und das Tier galt deshalb bis vor kurzem als ausgestorben. Zudem zeitigen die verschiedenen Renaturierungsmassnahmen an der Birs, allen voran die markanten Eingriffe unterhalb des Birsköpflis, aber auch die Biber-Passage beim Dornacher Kraftwerk damit ihren grössten Erfolg. Rampen, Steine und geeignetes Gehölz ersetzten Schwellen und kanalisierte Flussläufe. Sie erleichterten es nicht nur dem Biber, sondern auch vielen anderen Lebewesen, beim Rhein die Kurve in die Birs zu kriegen. Kantonsgelder, Spenden und nimmermüde Naturschützer machten es möglich. Vor wenigen Jahren wäre die Birs für den Biber nicht passierbar gewesen.

Zudem wird sich der Biber, der in den Naturschutzkreisen zum Symbol für Renaturierungsbestrebungen aufstieg, endgültig zum heimischen Tier entwickeln. Während nämlich die Ergolz oberhalb von Liestal zu wenig Wasser führt, um dem Biber einen geeigneten Lebensraum zu bieten, kann sich der Rückkehrer nun fast ungehemmt via Laufen bis Delémont ausbreiten. Leugger spricht von einem Potenzial für rund 30 Biber in der Birs und in der Lützel und rechnet damit, dass etwa in zwei Jahren der Biber bis Laufen vorgedrungen sei und danach seinen Weg in Richtung Delémont fortsetzt.

Natürliche Feinde werden den einen Meter grossen und 30 Kilogramm schweren Nager kaum daran hindern. Und der Mensch an der Birs wird wohl nicht mehr auf die gleiche Idee kommen wie vor 200 Jahren.