Schulreform
Der Bildungsdirektor hat nur noch die Genossen auf seiner Seite

Vertreter nahezu aller Baselbieter Fraktionen spannen zusammen. Sie wollen nicht, dass Geschichte und Geografie oder Physik, Chemie und Biologie in sogenannten Sammelfächern zusammengelegt werden.

Leif Simonsen
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Der Bildungsdirektor Urs Wüthrich muss sich allmählich Sorgen machen. (Archivbild)

Der Bildungsdirektor Urs Wüthrich muss sich allmählich Sorgen machen. (Archivbild)

Keystone

Der Bildungsdirektor Urs Wüthrich muss sich allmählich Sorgen machen. Die nächste Initiative, welche die Reformen im Baselbieter Bildungswesen bekämpft, wird von Parlamentariern sämtlicher Fraktionen unterstützt. Nur seine eigenen Leute, so scheint es, halten noch zu ihm.

«Die SP folgt Urs Wüthrich wieder blind», ärgert sich Grünen-Landrat Jürg Wiedemann. Er ist einer von gleich 15 Parlamentariern, die einen Vorstoss zum Verzicht auf die umstrittenen Sammelfächer unterschrieben haben. Diese waren bisher vor allem in Lehrerkreisen scharf kritisiert worden: Die klassischen Fächer Geografie, Geschichte, Biologie, Chemie, Physik und Hauswirtschaft wird es zukünftig auf Sekundarschulniveau nicht mehr geben. Sie sollen zu Kombifächern wie «Natur und Technik», «Räume, Zeiten und Gesellschaften» oder «Wirtschaft, Arbeit und Haushalt» zusammengeführt werden.

Der Wechsel zu den Sammelfächern ist die wohl umstrittenste Reform, die mit dem Lehrplan 21 einhergeht. Der Lehrplan und damit die Sammelfächer sind zudem stark mit der Stundentafel verknüpft, welche 2016/17 in den Sek-Schulen beider Basel eingeführt wird.

Die Bildungsreformen werden heute nicht mehr nur von den Rechtsbürgerlichen kritisiert. Neben Freisinnigen wie Michael Herrmann oder Monica Gschwind unterstützen auch Mittepolitiker wie Daniel Altermatt (GLP), Marie-Therese Müller (BDP) oder der BDPler Urs-Peter Moos die Parlamentarische Initiative, die der bz vorliegt. Diese fordert konkret: An den Baselbieter Sekundarschulen sollen die bewährten Einzelfächer weiter separat unterstützt werden. «Die Zusammenführung führt zu einer Marginalisierung dieser Fächer», schreiben die Initianten im Vorstoss, der an der nächsten Landratssitzung eingereicht werden soll.

Urs-Peter Moos hat unterschrieben – weil er einen grossen Widerspruch erkennt zwischen Lippenbekenntnissen und der Realität in der Bildungspolitik: «Einerseits heisst es, man will die naturwissenschaftlichen Fächer fördern – und andererseits legt man diese Fächer einfach zusammen. Für Chemie oder Biologie wird es zukünftig viel weniger Raum geben.»

Basler bedauern den Widerstand

Auch Jürg Wiedemann ist überzeugt, dass die Sammelfächer einen weitreichenden Bildungsabbau mit sich bringen. «Die Lehrer werden in Zukunft nicht mehr das fundierte Wissen haben», so der Landrat. Er unterrichtet an der Sekundarschule in Allschwil Physik, Mathematik und Geografie und wird zukünftig im Rahmen seiner Tätigkeit als Geografielehrer auch noch Geschichte unterrichten müssen. Die Fähigkeiten für seine zukünftige Herausforderung erarbeitet er sich derzeit im Austausch mit einem Geschichtslehrer, der an der gleichen Schule unterrichtet.

Gleichzeitig arbeitet der Birsfelder aber intensiv daran, dass er auf diese Schnellbleiche nicht angewiesen sein wird. Schliesslich seien die Sammelfächer «nicht nur pädagogischer, sondern auch finanzpolitischer Unsinn». Die Weiterbildungen der Lehrer würden Folgekosten in Millionenhöhe nach sich ziehen. «Gerade weil es die Kantonsfinanzen betrifft, hat der Landrat hier auch ein Mitspracherecht», ist Wiedemann überzeugt.

Dass die Bildungsreform im Baselbiet derart in der Kritik steht, nimmt nicht nur der Bildungsdirektor argwöhnisch zur Kenntnis. Auch in Basel-Stadt macht sich darüber Unmut breit: «Die beiden Kantone sind zu klein für eigene Lehrmittel», warnt Pierre Felder, Leiter Volksschulen beim Basler Erziehungsdepartement. «Aus unserer Sicht wäre es sehr bedauerlich, wenn der Kanton Baselland die Bildungsharmonisierung torpedieren würde.»