Wirtschaftskammer BL
Der Direktor geniesst die Ruhe vor dem nächsten Sturm

Christoph Busers erstes Jahr an der Spitze war gut. Der als zielstrebig geltende Direktor hat gelernt, sich durchzusetzen. Ein parteiinterner Machtkampf droht aber spätestens mit den Nationalratswahlen 2015.

Leif Simonsen
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Christoph Buser darf auf ein erfolgreiches erstes Jahr als Wirtschaftskammer-Direktor zurückblicken.

Christoph Buser darf auf ein erfolgreiches erstes Jahr als Wirtschaftskammer-Direktor zurückblicken.

Martin Töngi

Wie ernst Christoph Buser mittlerweile genommen wird, zeigt die Zurückhaltung seiner Gegner, wenn es um Kritik geht. Am 1. September ist er ein Jahr an der Spitze der Baselbieter Wirtschaftskammer. Und mit wem man auch spricht, es heisst immer: Buser, der macht seine Sache gut.

Er habe die Wirtschaftskammer, diese einstige undemokratische Blackbox, transparenter gemacht. Er habe die Grabenkämpfe mit dem Basler Gewerbeverband vergessen gemacht, die sein Vorgänger Hans Rudolf Gysin geführt hatte. Und vor allem sei er zugänglicher und offener als Gysin, dem in den letzten Jahren altersbedingte Sturheit nachgesagt wurde.

Zur Person

Christoph Buser (42) ist seit letztem September Direktor der Wirtschaftskammer Baselland. Er vertritt die FDP seit 2007 im Baselbieter Landrat. In der Volkswirtschafts- und Gesundheitskommission hat er das Vizepräsidium inne. Buser lebt in Füllinsdorf, ist verheiratet und Vater von zwei Kindern im Alter von neun und zwölf Jahren. (LSI)

Es ist Ruhe eingekehrt

Dass niemand sich in der Öffentlichkeit mit dem neuen Wirtschaftskammer-Direktor anlegen will, hängt jedoch nicht damit zusammen, dass er ein einwandfreier Typ wäre. Vielmehr zeigt es: Niemand will es sich mit ihm verscherzen. Ein besseres Zwischenzeugnis könnte ihm die Öffentlichkeit nach einem Jahr im Amt gar nicht ausstellen. Denn in seiner Funktion wird er nur daran gemessen: wie viel Macht er hat.

Buser ist als Person gereift: Dass er sehr wohl Schwächen hat, ist in der Wirtschaftskammer bestens bekannt. Ohne seine Zielstrebigkeit und seinen Ehrgeiz wäre er kaum in der jetzigen Position. In einem Interview mit der «Basler Zeitung» sagte er kürzlich, dass er in seiner Zeit als Unihockeyspieler die Ellenbogenmentalität gelernt habe. Ob im Unihockey oder in der Wirtschaft: Wer gegen ihn aufbegehrt, hat einen schweren Stand – vor allem ehemalige Mitarbeiter beschwerten sich über einen launischen Vorgesetzten, der nicht mit Kritik umgehen konnte.

Die Fragezeichen, die damit verbunden waren, hat Buser aber aus dem Weg geräumt. In der Wirtschaftskammer ist dem Vernehmen nach Ruhe eingekehrt, nachdem vor Jahresfrist noch ein allgemeines Unbehagen über den neuen Chef geherrscht hatte.

Statt sich an missliebigen Gegenspielern zu reiben, konzentriert er sich heute nämlich auf das Wesentliche: Netzwerken und Macht akkumulieren. In beidem verdient er sich bereits ähnlich gute Noten wie Gysin in seinen besten Zeiten. «In vielen Bereichen arbeiten wir eng zusammen», sagt etwa Franz Saladin, Direktor der Handelskammer beider Basel.

Und so entspannt wie zum Basler Gewerbeverband war die Beziehung schon lange nicht mehr. «Wenn mich der Schuh drückt, ruf ich ihn an», sagt Präsident Marcel Schweizer, der sich durch seinen Konkurrenten oft inspirieren lässt. «Was Verkehr und Raumplanung angeht, liegen seine Vorstellungen ganz nah bei unseren. Wir schauen mit Argusaugen auf Christoph Buser und seine Wirtschaftskammer.»

Und auch in der Politik kennt Buser keine Scheuklappen, «wenn es darum geht, dass ihm etwas nützt», wie SP-Landrat und Kleinunternehmer Stefan Zemp sagt. Wenn er für seine Klientel kämpft, dann notfalls auch mit Gewerkschaftern: Zuletzt im Mai, als er mit SP-Landrat Daniel Münger eine parlamentarische Initiative zur Bekämpfung der Schwarzarbeit einreichte. Der Grünen-Landrat Klaus Kirchmayr sieht Anzeichen, dass Buser aus der «einstigen rechtskonservativen Kampforganisation» eine moderne Wirtschaftslobby entwickelt, «die sich auf ihre Kernkompetenzen fokussiert – nämlich die Interessen der Wirtschaft.»

Und diese vertritt er, wo er kann. Vier Verwaltungsratsmandate hat er mittlerweile inne, unter anderem bei der EBL und dem TCS. In unzähligen weiteren Vorständen und Präsidien hat er ebenfalls Einsitz. Für SP-Präsident Martin Rüegg ist mit dieser Fülle «der Bogen überspannt». Was das Machtstreben angeht, habe sich die Wirtschaftskammer im Vergleich zur Gysin-Ära nicht verbessert.

Buser selbst sieht darin nichts Anrüchiges: «Es ist als Wirtschaftskammer-Direktor eine meiner Kernaufgaben, möglichst gute Bedingungen für die KMU zu erreichen. Für die Wirtschaftskammer ist es darum wichtig, in KMU von unterschiedlichen Schlüsselbranchen auch in den Entscheidungs-Gremien vertreten zu sein.»

Nationalrat: Buser dementiert

Auf das wichtigste Amt muss er indes noch mindestens bis im Frühjahr 2015 warten, wenn auf Bundesebene gewählt wird. Noch streitet er zwar ab, dass ein Nationalratsmandat «zurzeit» ein Thema sei. Die Priorität liege derzeit bei der Wirtschaftskammer und dem Landrat, wo er «die Standortfaktoren für KMU nicht verschlechtern, sondern verbessern will». CVP-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, die den 42-jährigen Füllinsdörfer gut kennt, muss über ein solches Dementi lachen. «Klar will er ins Bundeshaus», ist sie überzeugt.

Vielleicht will Buser nur noch ein bisschen die Ruhe geniessen, die in der Wirtschaftskammer eingekehrt ist. Denn mit seiner Kandidatur wird er sich in den nächsten Ellenbogenkampf stürzen. Neben FDP-Nationalrätin Daniela Schneeberger hat es im Nationalrat kaum Platz für einen zweiten Baselbieter Freisinnigen.