Möbelmarkt
Der Discounter Lipo möbelt sein Image auf

Lipo hat den Hauptsitz von Reinach nach Pratteln verlegt und eröffnet dort am Donnerstag einen neuen Laden.

Daniel Haller
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«Im Möbelmarkt wächst nur das Tiefpreissegment», meint CEO Roland Seiler. Dort soll Lipo bleiben, aber im Auftritt das Discount-Image abstreifen.

«Im Möbelmarkt wächst nur das Tiefpreissegment», meint CEO Roland Seiler. Dort soll Lipo bleiben, aber im Auftritt das Discount-Image abstreifen.

Kenneth Nars

«Inspirativ» ist sein Lieblingswort. Roland Seiler, seit April Lipo-CEO, will weg vom Discounter-Image des Möbelhändlers und hat sich im Mai für ein neues Laden-Design entschieden. Die 3800 Quadratmeter Verkaufsfläche, die Lipo am Donnerstag am neuen Hauptsitz im Prattler Rüticenter eröffnet, sind zusammen mit der vor drei Wochen in Betrieb genommenen Filiale im Schaffhauser Fussballstadion «Lipo-Park» Testfeld für den neuen Stil: Statt in grossen Hallen werden die Möbel in kleinräumigen «Wohnbildern» präsentiert. Da hängen die Kellen über dem Kochherd und steht die Pfeffermühle auf der Anrichte: «Emotionen ins Geschäft bringen», nennt dies Seiler. «Der Kunde soll sich inspirieren lassen.»

Tiefstpreis als Firmen-DNA

Noch verströmt die Website das Feeling der alten Lipo-Welt, als der Name noch «Liquidations-Posten» bedeutete: geschmacklicher Mainstream zu Tiefstpreisen. Seiler stört dieses Nachhinken nicht: «Besser so, als wenn wir im Internet oder den Prospekten inspirativer als im Laden wären. Enttäuscht man die Leute, kommen sie nur einmal.»

Die neue Präsentation ist Ausdruck einer Expansionsstrategie in einem gesättigten Markt, der zudem durch Frankenstärke und Einkaufstourismus schrumpft: 1,3 Prozent Umsatzminus werde die Branche heuer verzeichnen, erklärt Seiler. Lipo hingegen – derzeit die Nummer 6 in der Schweiz – werde 2 Prozent zulegen.

Seit der Reinacher Lipo-Gründer Robert Zeiser 2003 das Unternehmen altershalber verkaufte, gehört es zur weltweit tätigen Steinhoffgruppe mit Hauptsitz in Südafrika. Und seit diese 2011 die französische Conforama übernahm, ist sie hinter Ikea der zweitgrösste Möbelhändler Europas.

Auch das Möbelhaus Fly gehört zu Steinhoff. Als dieses 2014 in der Schweiz schliessen musste, gingen sechs Fly-Standorte innerhalb der Gruppe an Lipo über. Nicht zuletzt durch diese Übernahme stieg der Lipo-Umsatz zwischen 2013 und 2016 von 140 auf 200 Millionen Franken. Heute verfügt Lipo schweizweit über 22 Filialen und beschäftigt 500 Mitarbeitende.

Rascher Lager-Umschlag

Zum Einkaufstourismus hat Seiler eine klare Meinung: «Verhindern kann man ihn nicht. Ein Geschäft, das nicht konkurrenzfähig mit Deutschland ist, hat mittelfristig keine Daseinsberechtigung.» Deshalb gelte das Ziel, auch deutsche Kunden in den Laden zu locken und dafür die eigene Neupositionierung einzuleiten.

Das Rezept, die Preise tief zu halten, sieht er in tiefen Lagerbeständen. So binde die Ware wenig Kapital und beanspruche weniger kostentreibende Fläche. Vieles werde überhaupt nur auf Bestellung produziert. Dies ermögliche zudem, bezüglich Material und Farbe auf individuelle Wünsche einzugehen.

Eine wichtige Voraussetzung für den Wandel sei die Firmenkultur, erklärt Seiler. Diese habe er als «freundschaftlich» vorgefunden, als er nach 13 Jahren Pfister-Geschäftsleitungsmitglied als Chef zu Lipo wechselte. Dies widerspricht Einträgen auf kununu.com, einer Website, auf der man Arbeitgeber beurteilen kann: Da ist die Rede davon, dass die deutsche Personalleitung respektvoller mit den Mitarbeitenden umgehen sollte, und dass man bei Lipo nur arbeiten sollte, «wenn man wirklich nichts anderes findet».

«Diese Einträge sind älter», kommentiert Seiler. Sein Vorgänger habe die weitgehend deutsche Führungs-Crew fast komplett an sein neues Tätigkeitsfeld in Österreich mitgenommen. Ihm selbst schwebe dagegen vor, Arbeitsverträge durch «Freundschaftsbekenntnisse» zu ersetzen. «Erfolg macht keine Freude, wenn dabei das Team leidet.» Beim Rundgang durch den neuen Laden stechen in einen Korb drapierte Bücher ins Auge, zuoberst Roger de Wecks «Nach der Krise: Gibt es einen anderen Kapitalismus?» Seilers Lieblingswort ist eben «inspirativ».