Finanzielle Verhältnisse
Der Familienbericht zeigt, wo im Baselbiet der Schuh drückt

Die Sicherheitsdirektion hat den Familienbericht präsentiert. Wichtigste Erkenntnis: Für Alleinerziehende besteht ein erhöhtes Armutsrisiko. Deswegen soll die Einführung von Ergänzungsleistungen geprüft werden.

Fabio Halbeisen
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95 Prozent der Baselbieter Familien leben grundsätzlich in gesicherten finanziellen Verhältnissen.

95 Prozent der Baselbieter Familien leben grundsätzlich in gesicherten finanziellen Verhältnissen.

Keystone

Die Zahl klingt nicht schlecht. 95 Prozent der Baselbieter Familien leben grundsätzlich in gesicherten finanziellen Verhältnissen. Dies zeigt der Familienbericht Basel-Landschaft 2010, der gestern vom Sicherheitsdirektor Isaac Reber vorgestellt wurde.

Der Bericht zeigt jedoch, dass insbesondere für Alleinerziehende ein erhöhtes Armutsrisiko besteht, da diese in der Regel nur massiv eingeschränkt arbeiten können und deshalb vermehrt auf Sozialhilfe angewiesen seien. Diese müsse später zurückgezahlt werden und die Armutsspirale würde sich weiter zu drehen beginnen.

Der Armut entgegenwirken

Um dem entgegenzuwirken, schlägt der Familienbericht vor, die Einführung von Ergänzungsleistungen zu prüfen. Regierungsrat Reber stellt aber klar: «Ziel muss es sein, dass Familien gar nicht erst in die Lage kommen, in der sie Sozialhilfe beziehungsweise Ergänzungsleistungen brauchen.» In dieselbe Richtung geht Katrin Bartels, Leiterin der Fachstelle für Familienfragen: «Wenn es möglich gemacht wird, dass beide Eltern erwerbstätig sind, vergrössert sich die Chance, dass Armut verhindert werden kann.»

Einen weiteren Handlungsbedarf sieht der Familienbericht in der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, welche verbessert werden müsse. Berufstätige sollten bessere Möglichkeiten haben, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Hier seien vor allem Arbeitgeber gefordert, welche den Eltern entsprechende Strukturen anbieten sollten.

Sicherheit beginnt in der Familie

Isaac Reber erklärte, was der Familienbericht mit seiner Direktion zu tun hat: «Sicherheit beginnt nicht erst am Ende der Kette, wenn sie nach Vorfällen wieder hergestellt werden muss. Sicherheit beginnt durch Prävention am Anfang der Kette.» Dieses Sinnbild gelte insbesondere für Familien.

«Der Bericht soll dazu dienen, dass Fragen rund um die Familien durch Fakten und Zahlen beantwortet werden können», erklärte Reber. So sei die Grundlage geschaffen, damit konkret diskutiert werden könne und damit man dort handeln könne, wo es nötig sei. Reber bekräftigte zum Schluss, dass der Kanton noch Hausaufgaben zu erledigen habe: «Solange es Familien gibt, die ums Überleben kämpfen müssen, darf es nicht verwundern, wenn sich Teile der Gesellschaft so entwickeln, dass die Sicherheit wieder hergestellt werden muss.»