Einkaufstourismus
Der Franken bleibt des Südbadeners Freund

Sie wächst und wächst und wächst: die Lust der Schweizer am Einkaufen in den grenznahen Städten wie Weil am Rhein und Lörrach. Die Schweizer Detaillisten leiden, während es die Südbadener Händler freut.

Leif Simonsen und Sebastian Moos
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Sie wächst und wächst und wächst: die Lust der Schweizer am Einkaufen in den grenznahen Städten.

Sie wächst und wächst und wächst: die Lust der Schweizer am Einkaufen in den grenznahen Städten.

Keystone

Das Ächzen der Schweizer Detaillisten ist offenbar keine Effekthascherei: Der Handelsverband Südbaden hat die Zahlen des vergangenen Quartals vorgelegt. Und die sind gut. Nicht zuletzt dank den Schweizern: Sie kaufen zu Zeiten des starken Schweizer Frankens so viel in Deutschland ein wie noch nie. Dass die Nationalbank ihren Mann steht und den Euro auf 1.20 stabilisiert, interessiert die Schweizer offenbar nicht.

Im ersten Quartal des Jahres 2012 sprachen nochmals 60 Prozent der deutschen Detailhändler von einem Zuwachs an Schweizer Kunden. Das, obwohl die Zeiten längst vorbei sind, als Franken und Euro praktisch gleich viel wert waren. Für David Frey, Sprecher des Gewerbeverbandes Basel-Stadt, sind die Zahlen gleichwohl nicht überraschend: «Wir haben damit gerechnet, dass es ein länger andauerndes Problem wird. Es ist zu befürchten, dass der Einkaufstourismus zur Mode wird, die länger anhält.»

Die Deutschen sind nicht nur Nutzniesser

Die Zahlen sind in der Tat eindrücklich: Immerhin ein Viertel der Geschäfte im südbadischen Raum konnte einen Zuwachs von 30 bis 39 Prozent verzeichnen. Trotzdem sagt der Hauptgeschäftsführer des südbadischen Handelsverbands, Manfred Noppel: «Im Vergleich zum überbordenden Sommer geraten die Zahlen wieder in normale Bahnen.» In seinem Bericht macht der deutsche Verband auch darauf aufmerksam, dass die Deutschen nicht nur Nutzniesser sind: So sei auch «zu sehen, dass dies keine Einbahnstrasse ist, auch wenn die Ströme nicht ganz ausgeglichen sind.»

Schliesslich würden die Deutschen nicht nur zum Tanken in die Schweiz fahren, sondern auch, weil «manche Artikel in der Schweiz nach wie vor günstiger als bei uns sind».

Unumstösslicher Trend

Der Handelsverband Südbaden macht indes auch keinen Hehl aus dem immensen Umsatzanteil der Schweizer Kunden in grenznahen Städten. In Lörrach bezifferten die Gewerbetreibenden im 2011 den Umsatz mit 80 Millionen Euro auf über ein Drittel, in Lörrach ist es mit 120 Millionen Euro ein Viertel.

Frey ist sich bewusst, dass der Trend nicht umzustossen sein wird. «Die grösseren Geschäfte können sich behaupten – aber für einen Veloladen in Riehen wird es um die Existenz gehen.» Trotzdem unterstützt der Gewerbeverband Basel-Stadt die gross angelegte Plakatkampagne «Ja zur Schweiz – hier kaufe ich ein». Eine solche Kampagne sei durchaus «legitim», heisst es im Bericht des Südbadischen Handelsverbands.

Er kann sich solche Aussagen bis jetzt auch leisten: 2011 kauften Herr und Frau Schweizer für mehr als eine Milliarde Euro in deutschen Geschäften ein, 2010 waren es noch 785 Millionen gewesen. Immerhin eine Steigerung um fast 40 Prozent. Und ein Ende ist nicht abzusehen.

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