Zunzgen
Der Grabenkampf im Dorf geht weiter: Nun gibts einen happigen Vorwurf

Der Krieg zwischen Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission und Gemeinderat dauert an. Es kommt an der Gemeindeversammlung zum Eklat wegen einer unangemeldeten Power-Point-Präsentation. Und plötzlich stand da auch noch ein schwerer Vorwurf im Raum.

Daniel Aenishänslin
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In Zunzgen hat sich das Verhältnis zwischen Geschäftsprüfungskommission und Gemeinderat weiter verhärtet.

In Zunzgen hat sich das Verhältnis zwischen Geschäftsprüfungskommission und Gemeinderat weiter verhärtet.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Es verwundert wenig, dass auch nach der Zunzger Gemeindeversammlung vom Mittwoch die beiden vakanten Sitze in der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission (RGPK) unbesetzt bleiben. Kandidaten haben sich bisher keine gemeldet, denn zu offen schwelt der Konflikt der Kommission mit dem Gemeinderat. «Es ist unerträglich», monierte der seit einem Jahr in Zunzgen wohnhafte Markus Breisinger, «wie der Umgang von Gemeinderat und RGPK jedes Mal den Raum mit Unbehagen füllt.»

Rechnung mit 36'000 Franken Gewinn

Die Rechnung 2012 der Gemeinde Zunzgen schliesst mit einem Ertragsüberschuss von rund 36'000 Franken. «Es ist mir eine grosse Freude, einen sehr guten Rechnungsabschluss präsentieren zu können», kommentierte Gemeinderat Hans-Rudolf Wüthrich die Zahlen, «obwohl wir noch alte Geschichten bereinigen mussten.» Damit waren die rund 300'000 Franken gemeint, die ein ehemaliger Interims-Gemeinde- und Finanzverwalter aus der Steuerkasse abgezweigt hatte. Dennoch stellte das ehemalige RGPK-Mitglied Rolf Deucher den Antrag, die Rechnung zurückzuweisen und eine externe Firma mit deren Prüfung zu betrauen. In der folgenden Abstimmung war es Deucher selbst, der als Einziger seinem Antrag zustimmte. (da)

Tatsächlich förderten die traktandierte Rechnung sowie der RGPK-Bericht zur Geschäftsführung des Gemeinderats die bitteren Emotionen. Unnachgiebigkeit, Sturheit und Trotz bestimmten über beinahe zwei Stunden die Gangart.

Resigniert und angewidert sagte Gemeindepräsident Michael Kunz nach der Präsentation der Rechnung 2012: «Wenn Sie nun eine lange Rede erwarten, muss ich Sie enttäuschen, der Gemeinderat wird sowieso als beratungsresistent taxiert und es wird eine Aufsichtsbeschwerde eingereicht.»

Streit um Powerpoint-Präsentation

Kurz darauf greift RGPK-Mitglied Michael Schiener zum USB-Stick, möchte gern, dass er via den Laptop von Gemeindeverwalter Cristian Santoro zu einer Powerpoint-Präsentation ansetzen kann. Gleich sollen alle 47 Anwesenden dargelegt bekommen, was der Gemeinderat in den Augen der Kommission nicht ordentlich geleistet hat.

Kunz bewilligt die Präsentation jedoch nicht. Sein Argument: Die Powerpoint-Präsentation hätte angemeldet werden müssen und jetzt gehe es um die Rechnung 2012. Alles Weitere könne Schiener unter dem Traktandum Verschiedenes loswerden.

«Mir wird das Wort verboten», empörte sich Michael Schiener und versuchte dennoch fortzufahren. «Das hat nichts mit der Rechnung zu tun», konterte Michael Kunz, «wenn Sie nicht aufhören, schicke ich Sie raus.» Noch ein wenig empörter entgegnete Schiener, «dann haben Sie den Eklat» und forderte die anwesende Presse auf, zu berichten, wie er hier behandelt werde.

Hat Gemeinderat zu viele Sitzungsgelder eingesackt?

Kurz bevor die Rechnung problemlos durchgewunken wurde, befeuerte alt Gemeindepräsident Richard Meier noch einmal das gärende Verhältnis zwischen Gemeinderat und Kommission. Unzimperlich bezichtigte er Gemeindepräsident Kunz, vor seiner Wahl die Gemeinde angelogen zu haben, als er versprochen habe, Sachpolitik zu betreiben.

Dank dem folgenden RGPK-Bericht zur Geschäftsführung des Gemeinderats war noch immer nicht Schluss mit dem Austausch von Vorwürfen: Die RGPK warf dem Gemeinderat vor, sich zu viele Gelder für Sitzungen und weitere Leistungen gutzuschreiben. Mit 2,5 Steuerprozenten bezifferte Michael Schiener den seiner Ansicht nach unberechtigten Bezug. Zudem sei das Fixum zu hoch, was den Anreiz, sich für die Gemeinde einzusetzen, schmälere.

Michael Kunz bestritt die Selbstbedienung aus der Zunzger Kasse und gab zu bedenken: «Sind Sie sich sicher, Herr Schiener, mit den von Ihnen präsentierten Zahlen nicht das Amtsgeheimnis zu verletzen?» Gegenseitiges Vertrauen sieht anders aus. Ein Ende der Auseinandersetzung ist nicht abzusehen.

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