Sanierung
Der grosse Wurf muss warten – Gemeinde beschränkt sich aufs Minimum

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Der Raum zwischen den historischen Bauten der Hauptstrasse in Muttenz ist seit 60 Jahren unverändert.

Der Raum zwischen den historischen Bauten der Hauptstrasse in Muttenz ist seit 60 Jahren unverändert.

Kenneth Nars

Ende der 1950er-Jahre galt Muttenz als ein schlechtes Beispiel der Raumplanung. Damals wucherte der Vorort ungeplant zwischen Ortskern und Industriezone vor sich hin. Und zu der Zeit wurde auch die Hauptstrasse ungestaltet. Seitdem hat sich an der Strasse kaum etwas geändert, sie ist immer noch vor allem ein grosser Parkplatz.

Viel gegangen ist hingegen bei den Gebäuden, die sie säumen. Die alten Bauernhäuser wurden saniert, umgenutzt und erweitert. Entstanden ist einer der schönsten Ortskerne der Region, der lebendig geblieben ist. Für den sorgfältigen Umgang mit historischer Bausubstanz wurde Muttenz 1983 mit dem Wakker-Preis belohnt.

Alles Oberirdische abgerissen

Nur die Gestaltung der Hauptstrasse selber hat sich seit 60 Jahren nicht geändert – und das wird auch so bleiben, falls die Gemeindeversammlung am 19. März die Sanierung der Strasse genehmigt. Vorgesehen ist die Erneuerung der unterirdischen Anlagen, etwa der Transportleitung zu einem Wasserreservoir, der Wasserversorgung für Anwohner sowie der Leitungen für Strom, Erdgas und Multimedia. Und neu wird die Fernwärmeleitung der EBM durch die Strasse gezogen.

Aber oberirdisch wird die Strasse nach zwei Jahren Sanierungszeit fast unverändert aussehen. Die Trottoirs bleiben gleich breit wie bisher, auch die Anzahl Parkplätze wird sich nicht verändern. Die grösste sichtbare Änderung werden die behindertentauglichen Bushaltestellen sein. Trotzdem soll jetzt zwischen dem Kreisel beim Baseltor und der Kirche alles Oberirdische abgerissen und neu erstellt werden. Die zu sanierende Strecke misst über einen halben Kilometer.

Auf eine Neugestaltung des Strassenraums verzichtet der Gemeinderat bewusst. Dabei handelt es sich um ein kantonal geschütztes Ortsbild. Und entscheidend für ein erhaltenswertes Ortsbild sind nicht nur die Gebäude, sondern auch der Raum dazwischen, wie Walter Niederberger, stellvertretender Leiter der kantonalen Denkmalpflege, erläutert: «Der ganze Raum ist für uns ein Thema. Wir schauen zum Beispiel Beläge und Infrastruktureinrichtungen wie Brunnen und Randabschlüsse an.»

Auch bei der Verleihung des Wakker-Preises wurde betont, dass Muttenz ein «Strassendorf» sei. Über eine Umgestaltung des Strassenraums hat sich der Gemeinderat zwar schon Gedanken gemacht. «Natürlich haben wir uns das überlegt», sagt der Grüne Gemeinderat Joachim Hausammann, zuständig für Tiefbau und Werke. So war mal angedacht, rund um die öV-Stationen Muttenz Dorf eine Begegnungszone einzurichten.

Ressourcen fehlen

Doch solche Ideen kommen jetzt nicht zum Zug. Grund sind einerseits die Finanzen. Muttenz muss sparen. «Wir haben zur Zeit gar nicht die Kapazität, um auch noch ein solches Projekt zu planen», sagt Hausammann. Schon so muss der Gemeinderat der Gemeindeversammlung über vier Millionen Franken beantragen. Eine Neugestaltung würde einige Jahre Planung bedeuten, und sie wäre wohl politisch umstritten. Dafür, sagt Hausammann, fehle die Zeit. «Die Fernwärmeleitung wurde kurzfristig an uns herangetragen.» Damit habe man die Möglichkeit, Liegenschaften entlang der Hauptstrasse, die Gemeindeverwaltung und das Schulhaus Breite anzuschliessen.

Nicht von sich aus Vorschläge machen wird die kantonale Denkmalpflege. «Wir werden erst aktiv, wenn etwas geändert wird», sagt Niederberger. In Muttenz sei aber keine Veränderung an der Gestaltung der Oberflächen vorgesehen. «Die Denkmalpflege hat nicht die Ressourcen, Anliegen ‹auf Vorrat› zu formulieren.»