Kunstwerk im OP
Der «Hammering Man» hat trotz gestähltem Muskel einen Tennisarm

Nach 37 Millionen Schlägen landet der «Hammering Man» vom Aeschenplatz im OP. Die Techmosim AG in Muttenz kümmert sich um den unermüdlichen Arbeiter, dessen Zwangsferien noch bis nach der Basler Fasnacht dauern.

Benjamin Wieland
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Geschäftsführer der Techmosim AG, Thomas Metzger, bei der «OP» am Arm des Hammering Man.
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Techmosim AG in Muttenz operiert den Hammering Man
Das Zahnrad des 1998 von Amerikaner Jonathan Borofsky erschaffenen Kunstwerks.
Der erstaunlich kleine Motor, der den Hammering Man zu seinen unermüdlichen Leistungen bewegt.
Das Gegengewicht, das die 800 Kilogramm von Arm und Hammer ausgleicht.
Diese vielen Einzelteile braucht der Hammering Man für seine Arbeit.

Geschäftsführer der Techmosim AG, Thomas Metzger, bei der «OP» am Arm des Hammering Man.

Juri Junkov

Wäre der Hammering Man ein Mensch, so hätte er seinen Arbeitgeber längst verklagen können. 24 Stunden dauert sein Arbeitstag, Pausen gibts keine - Ferien auch nicht. Und anstrengend ist sein Job: Alle zwanzig Sekunden muss er auf ein Werkstück hämmern. Das ergibt bei 24 Jahren mit wenigen Zwangsunterbrüchen ein Arbeitssoll von über 37 Millionen Schlägen. Kein Wunder, zwickt es ihm immer wieder im Arm. Die Gelenke rosten, die Schrauben auch. Im Dezember folgte der Zusammenbruch: Der Mann legte die Arbeit nieder. Über einen Monat dauerte der Streik, dann rückten Arbeiter an, um den Arm zu amputieren. Per Lastwagen kam er vom Aeschenplatz zur Techmosim AG in Muttenz.

Ein Arm - vier Betreuer

Dort kümmern sich insgesamt vier Mitarbeiter um ihn. Darunter auch Geschäftsführer Thomas Metzger. Er erwartete das Teil schon sehnlichst, denn er bezeichnet sich als einer der grössten Fans des Kunstwerks. Schon seit zwanzig Jahren stattete Metzger der Skulptur regelmäsig Visiten am Aeschenplatz ab. Etwa dann, wenn ein Zahnrad kaputt gegangen war. Dieses Mal war es aber etwas Ernstes. Der Ingenieur hatte schon viel früher mit der Einlieferung des Arms gerechnet. Denn die Arbeitsbedingungen des Kunstwerks, das der Amerikaner Jonathan Borofsky 1989 erschuf, sind widrig: «Ich gab ihm zehn Jahre, bis er ein neues Kugellager braucht. Wind und Wetter, die Temperaturwechsel, der Regen - das alles nagt sprichwörtlich am Metall».

Als Geschäftsführer ist Metzger so etwas wie der überwachende Chirurg. Manchmal greift er aber auch selber zum Schneidbrenner - etwa dann, wenn die Zeitung ein spektakuläres Foto braucht. Und zu schneiden gibt es einiges: Der Arm ist mit seinen vier Metern Länge das grösste, aber längst nicht das einzige Stück, das bei der Techmosim auf dem Schragen liegt. An der 13,5 Meter hohen Skulptur hing auch ein Gegengewicht. Wie der Name schon sagt, dient es dazu, die 800 Kilogramm Gewicht von Arm und Hammer auszugleichen. Metzger erklärt, wie das funktioniert: «Das ist wie ein Pendel. Es hält die ganze Konstruktion im Gleichgewicht. Sie müssen sich das wie eine Kuckucksuhr vorstellen: Der Arm geht nach oben, das Gegengewicht nach unten - und umgekehrt.»

Der Arm wiegt 800 Kilogramm, das Gegengewicht lediglich die Hälfte. Um die restlichen 400 Kilogramm in die Höhe zu hieven, braucht es einen Motor. Auch dieser befindet sich in Muttenz - und ist erstaunlich klein.

Zwangsferien nach Fasnacht vorbei

Wann die Zwangsferien des Hammermanns vorbei sind, kann Metzger nicht sagen. Die Ersatz-Kugellager müssen aus den USA oder Japan bestellt werden, was bis zu vier Wochen dauern könnte. «Ich denke, spätestens nach der Basler Fasnacht wird er wieder seinem Beruf nachgehen», lautet Metzgers Prognose. Gut möglich, dass er sich demnächst wieder um ein grosses Stück Metall kümmern muss. Denn die Skulptur steht auch in anderen Städten, etwa in Frankfurt. Auch deren Arm hatte Metzger schon auseinander genommen - aber nicht in Muttenz, sondern vor Ort. Der Grund: Die Frankfurter Version ist viel grösser als ihr Basler Bruder. Das Teil hätte nicht in die Fabrik gepasst.

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