Neophytenbekämpfung
Der Kanton Baselland setzt nicht um, was er eigentlich will

Baselland hat eine Strategie zur Bekämpfung von Neophyten – aber das nötige Geld nicht. Auf bessere Zeiten zu warten, könnte teuer werden.

Michel Ecklin
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Das Springkraut ist eines der Neophyten, die den Wald bedrohen. Der Kanton Baselland hat zwar eine Strategie zur Bekämpfung, es fehlt jedoch an den nötigen finanziellen Mitteln.

Das Springkraut ist eines der Neophyten, die den Wald bedrohen. Der Kanton Baselland hat zwar eine Strategie zur Bekämpfung, es fehlt jedoch an den nötigen finanziellen Mitteln.

Martin Toengi

Im Grundsatz hat die Baselbieter Regierung das Problem erkannt. «In zahlreichen Wäldern und an Waldrändern breiten sich invasive Pflanzen ungehindert aus», schreibt sie in ihrer Neobiota-Strategie von 2014. Die natürliche Verjüngung der Bäume werde behindert, heisst es weiter. Zwar würden invasive Neophyten mancherorts von den Förstern ausgerissen. «Die Anstrengungen müssen (...) jedoch stark intensiviert und auf alle Reviere ausgeweitet werden», so definiert die Regierung den Handlungsbedarf.

Im Januar 2015 hat der Landrat die Strategie einstimmig verabschiedet – allerdings ohne die knappe Million Franken, die es bräuchte, um vorerst eine erste Tranche umzusetzen. Stattdessen wurden 300 000 Franken ins Budget aufgenommen – die die Regierung im vergangenen Dezember gänzlich strich. Geld für die Umsetzung der Strategie soll es erst 2020 geben – frühestens.

Doch das Abwarten könnte höhere Kosten zur Folge haben. «Sobald invasive Neophyten auftauchen, muss man schnell vorgehen», sagt Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland. «Wenn man zuwartet, wird die Bekämpfung sehr schnell aufwendig.» Das bestätigt Rita Rufener, deren Firma naturnahe Flächen pflegt. Bekämpfe man jetzt auftauchende Neophyten erst in zehn Jahren, nähmen sie weitere, vor allem sensible Gebiete in Beschlag. «Das trägt zur Verminderung der Artenvielfalt bei.»

Das will die zuständige Stelle beim Kanton nicht schönreden. «Es wird teurer, wenn wir mit der Umsetzung der Strategie warten», sagt die kantonale Neobiota-Koordinatorin im Sicherheitsinspektorat, Alma Idrizovic. Der Kanton bekämpfe Neophyten im Rahmen von Sanierungen, Renaturierungen oder der Pflege von Grünflächen. «Aber es fehlt uns das Geld, um es konsequent zu tun.» So kämen die unerwünschten Pflanzen schnell wieder.

Für Rufener ist das «eine Katastrophe». Der Kanton habe vom Bund den Auftrag, gegen Neophyten vorzugehen. «Aber wir müssen jetzt im Baselbiet zuschauen, wie sich die fremden Pflanzen ausbreiten, und können nichts dagegen tun.»

Dabei wäre die Bekämpfung von Neophyten relativ günstig. Sie kann nämlich als Arbeitsintegrationsmassnahme erfolgen. «Das kostet wenig bis nichts», sagt Rufener aus Erfahrung mit ihrer Firma. Andere Kantone, etwa Zürich, würden Neophyten viel intensiver bekämpfen als das Baselbiet. Dort würden Zivildienstleistende eingesetzt, sagt Chrétien.

Der Arlesheimer Pit Montfort, der mit seiner Firma Naturschutzgebiete pflegt, stellt regelmässig Studenten an, die unter anderem den unerwünschten Pflanzen nachgehen. Dass der Kanton immer weniger Geld für Naturschutz zur Verfügung stelle, findet er schade. Die Zukunft der Neophytenbekämpfung sieht er zum Beispiel im freiwilligen Einsatz von Einzelnen oder Organisationen. Für «Super» hält er das, was Walter Lenz in Muttenz tut. «Sowas sollte man vermehrt machen.»