Waldenburg
Der kantonale Prachtsbau steht schon ewig leer

Die ehemalige Bezirksschreiberei in Waldenburg ist seit zwei Jahren ungenutzt. Die Gemeinde beschuldigt den Kanton, sich bei der Umnutzung seiner Liegenschaften zu passiv zu verhalten.

Andreas Hirsbrunner
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Die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann wünscht sich, dass endlich wieder Leben in die ehemalige Bezirksschreiberei einzieht.

Die Waldenburger Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann wünscht sich, dass endlich wieder Leben in die ehemalige Bezirksschreiberei einzieht.

Nicole Nars-Zimmer niz

Der Kanton Baselland ist klamm, die Gemeinde Waldenburg leidet nach Unternehmensabgängen unter kontinuierlichem Attraktivitätsverlust. Umso überraschender ist deshalb diese Konstellation: Am unteren Stedtlieingang thront der klassizistische Landsitz «Burgmatt», eines der repräsentabelsten Gebäude Waldenburgs. Doch seit dem Auszug der Bezirksschreiberei vor bald zwei Jahren steht das denkmalgeschützte Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, das sich im Besitz des Kantons befindet, leer. Mittlerweile ebenfalls leer ist das ehemalige, allerdings weniger repräsentable Bezirksgericht mitten in Waldenburgs Altstadt.

Trauzimmer - «Wieder geht etwas verloren»

Auch Waldenburg fällt unter das kantonale, sparbedingte Streichkonzert bei den künftigen Traulokalen (bz berichtete). So können sich ab kommendem Jahr keine Paare mehr im stimmungsvollen Trauzimmer im 125-jährigen Primarschulhaus das Ja-Wort geben. Einem Raum wohlgemerkt, in dem früher fast der ganze Bezirk Waldenburg geheiratet hat. Gemeindepräsidentin Andrea Kaufmann bedauert das: «Es ist einfach schade, dass damit hier wieder etwas verloren geht.» Zudem habe das auch wirtschaftliche Konsequenzen. Denn viele Hochzeitsgesellschaften hätten nach dem Akt in einem Waldenburger Restaurant gegessen.

Gemeindepräsidentin und FDP-Landrätin Andrea Kaufmann hat Mühe mit der kantonalen Passivität bei der Weiterverwendung der Gebäude: «Wir sind sehr interessiert, dass diese Gebäude belebt werden. Auch versteht die Bevölkerung nicht, dass so imposante Bauten wie die ehemalige Bezirksschreiberei leer stehen. Wir sind erstaunt, dass immer wir auf den Kanton zugehen müssen.» So habe der Gemeinderat beim Kanton angeregt, die ehemalige Bezirksschreiberei von der Zone für öffentliche Werke und Anlagen in die Wohn- und Geschäftszone umzuzonen, damit das Gebäude anderweitig genutzt werden könne, erzählt Kaufmann. Sie hat auch Ideen zur Neunutzung: In der Villa «Burgmatt» könnten dank dem vorhandenen Lift Alterswohnungen eingebaut werden. Etwas, das es bis anhin in Waldenburg nicht gibt. Zudem könnte in den Augen Kaufmanns der Polizeiposten über die Strasse in die «Burgmatt» umziehen. Denn das jetzige Gebäude mit Polizeiposten und Wohnung werde im Zusammenhang mit dem Neubau des Waldenburger Bahnhofs abgerissen.

Kanton hat Kündigung verpasst

Kaufmann hat auch den Eindruck, dass die Kommunikation innerhalb der kantonalen Ämter nicht optimal funktioniere: «Nach der Reorganisation der Zivilrechtsverwaltung brauchte der Kanton das Zivilstandamt auf unserer Verwaltung nicht mehr. Als ein leitender Vertreter des kantonalen Hochbauamts deswegen bei uns vorbeikam, musste er überrascht zur Kenntnis nehmen, dass sich der Mietvertrag für das Büro kurz zuvor stillschweigend um weitere fünf Jahre verlängert hat.»

Inzwischen haben Kanton und Gemeinde eine Einigung erzielt. Kaufmann will keine Details verraten, aber gemessen an ihrem vielsagenden Lächeln fiel der Deal nicht allzu schlecht für die Gemeinde aus, die nun im Büro den Sozialdienst einquartiert hat. Die Zonenmutation zur ehemaligen Bezirksschreiberei hat die Waldenburger Gemeindeversammlung im Übrigen Mitte Juni einstimmig genehmigt. Der Ball liegt nun beim Regierungsrat.

Die leerstehenden kantonalen Gebäude in Waldenburg sind die Folge von «Focus». Mit diesem 2012 an der Urne abgesegneten Projekt zentralisierte der Kanton die Zivilrechtsverwaltung mit Grundbuch-, Handelsregister-, Zivilstands-, Erbschafts- sowie Betreibungs- und Konkurswesen in Arlesheim und Liestal. Nach der Neuorganisation konnte die federführende Sicherheitsdirektion 16 bisher genutzte Gebäude freigeben und dem Hochbauamt «zur weiteren Disposition» überlassen, wie Barbara Richard von der Sicherheitsdirektion sagt. Damit spare ihre Direktion jährlich rund 720'000 Franken an Unterhalts- und Betriebskosten.

Das Hochbauamt habe inzwischen alle Mietobjekte gekündigt und zurückgegeben. Ausser in Binningen, wo bei der Gemeinde gemietete Büroräume leer stünden und der Kanton Miete bezahlen müsse, weil die Kündigung erst per 2017 möglich sei, sagt Torsten Schrodt, Leiter der kantonalen Immobilienverwaltung. Die ehemalige Bezirksschreiberei Binningen und das Amtshaus Laufen seien verkauft, wobei bei Letzterem noch der Landrat zustimmen müsse, indem er das Amtshaus vom Verwaltungs- ins Finanzvermögen umwidme.

«Burgmatt» brächte viel Geld

Anders liege der Fall in Waldenburg. Bei der ehemaligen Bezirksschreiberei werde derzeit geprüft, ob sie sich für den Polizeiposten eigne, andernfalls würde sie für einen siebenstelligen Betrag verkauft. Dass das Ganze so lange dauert, erklärt Schrodt mit der notwendigen Zonenmutation: «Das kantonale Vermögen steht immer in der falschen Zone, wenn man es umnutzen will.» Auch das ehemalige Bezirksgerichts-Gebäude will der Kanton jetzt verkaufen. Bisher seien Mieter drin gewesen, deshalb sei der Handlungsbedarf nicht gross gewesen. Ein Spezialfall ist schliesslich die ehemalige Bezirksschreiberei Sissach. Schrodt: «Die steht zwar jetzt auch leer, aber die behalten wir als Provisorium für das Kantonsgericht, wenn dieses voraussichtlich 2019 saniert wird.» Das sei günstiger, als ein anderes Gebäude für die Gerichtsbedürfnisse umzubauen.