Auswanderer
Der Koch, der die Läckerli nach Kanada brachte

Die wahrscheinlich einzigen Basler Läckerli in Kanada stammen von Jürg Roth, der vor 36 Jahren ausgewandert ist. Der Allschwiler ist stolz auf seine Heimat und das traditionelle Gebäck.

Lucas Huber
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Jürg Roth mit zwei Säcken seiner Basler Läckerli. Lucas Huber

Jürg Roth mit zwei Säcken seiner Basler Läckerli. Lucas Huber

Basler Läckerli in Kanada? «Aber sicher», sagt Jürg Roth in perfektem «Baseldytsch». Er pflegt seinen Mutterdialekt, obschon es bald 40 Jahre her ist, dass er den Heimatboden verlassen hat. 1976 war es, als der Allschwiler, der im Oktober 65 wird, nach Kanada ging, um die Weite der Welt zu sehen und der Enge der Schweiz zu entfliehen. Es verschlug ihn nach Orléans, einen Vorort der Hauptstadt Ottawa. «Aber im Herzen», sagt er, «bin ich ganz Basler.»

Und eins hat der Koch mitgebracht ins Land des Eishockeys und des Ahornsirups, und das sind eben seine Basler Läckerli, die er als Hobby bäckt. Das Rezept hat er von der Grossmutter – aus dem Jahr 1922. Sie sind beliebt hier, nicht nur unter der Schweizer Gemeinschaft, die gross ist. Roth ist nämlich auch Mitglied des Ottawa Valley Swiss Club sowie Gründer der Montagna Singers, eines lokalen Jodlerchors, der die Schweizer Volksliedkunst fern von ihrem Ursprung zelebriert.

Kanada war ein Schock

Dabei hatte sein Abenteuer mit einer Alberei begonnen. Zwei Freunden, die zum Arbeiten nach Kanada zogen, gab er im Scherz mit auf den Weg: «Wenn ihr was für mich findet, meldet euch.» Sie meldeten sich. Als Roth am 4.März 1972 erstmals kanadischen Boden betrat, verhüllte eine meterdicke Schneeschicht das Land. Roth war schockiert, weshalb er bereits im Jahr darauf wieder in die Schweiz zurückkehrte. Nur war da noch diese Frau – wegen ihr wanderte er 1976 erneut aus. Und diesmal blieb er. Die Ehe hielt bis zum heutigen Tag und Roth ist seit den frühen 80er-Jahren Kanadier.

Seiner alten Heimat hält er trotzdem treu und Fahne. Enzian und Edelweiss zieren das Armband seiner Uhr, eine Treichel hängt im Haus , ein Schweizer Kreuz begrüsst den Besucher an der Eingangstür. Auf dem Esstisch liegt die «Schweizer Revue», das Magazin der ausgewanderten Eidgenossen, von denen es rund 700000 gibt auf der ganzen Welt.

Basler durch und durch

Einmal im Jahr fährt er nach Hause in die Schweiz, stets zur gleichen Zeit, und das kann für einen Basler natürlich nur zur Fasnacht sein. Die liebt und lebt er innig. Und natürlich ist er ein Anhänger des FCB. Gewöhnlich fiebert er aus der Ferne mit, doch als Ende Februar das kleine Basel gegen das grosse Bayern gewann, da war Roth im Joggeli. Seine Beziehungen, grinst er, seien eben doch noch gut.

Als Koch Jürg Roth Ende der 70er-Jahre in Ontario eintraf, war Nordamerika, kulinarisch gesehen, eine Einöde. «Die Esskultur haben wir
aus Europa mitgebracht», erinnert er sich und meint eine ganze Generation von Köchen, die zu dieser Zeit jenseits des Atlantiks ihr Glück suchten.

Jürg Roth kochte seither in Restaurants, leitete ganze Kochteams. Ein Höhepunkt, sagt er, sei sicher das Catering für ein Profigolfturnier in Ottawa gewesen, wo er ein Team von 55 Köchen anführte. Heute tritt er kürzer, hat reduziert. An drei Tagen in der Woche bekocht er pensionierte Nonnen in einem Kloster. Nachdenklich sagt Roth: «Ich könnte mir das Leben, wie ich es in Kanada führe, mit diesem Beruf in der Schweiz nicht leisten.»

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