Aesch
Der lange Weg zum Erfolg

Enrico Kränzlin tüftelt an Produkten und will sie marktreif machen. Im Jahr 2008 hat er zum ersten Mal in seinem Leben ein Patent angemeldet. Alleine 2010 seien 13 weitere dazugekommen.

Michael Küng
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Der Erfinder Enrico Kränzlin aus Aesch arbeitet an einer LED-Lampe und an einer ausziehbaren Wasserwaage. Kenneth Nars

Der Erfinder Enrico Kränzlin aus Aesch arbeitet an einer LED-Lampe und an einer ausziehbaren Wasserwaage. Kenneth Nars

Am 23. Juni 1902 betrat Albert Einstein ein unscheinbares Gebäude in der Berner Altstadt. Als technischer Prüfer dritter Klasse überprüfte er dort angemeldete Patente. 108 Jahre später gilt Einstein als der grösste Forscher des 20. Jahrhunderts – in seine Fussstapfen zu treten, hat noch keiner geschafft.

Vielleicht gelingt es ja eines Tages dem 51-jährigen Enrico Kränzlin. Er ist es, der am 4. August 2008 unter der Nummer 699337 zum ersten Mal in seinem Leben ein Patent angemeldet hat. Alleine 2010 seien 13 weitere dazugekommen, sagt er –, wie viele es insgesamt sind, weiss Kränzlin schon gar nicht mehr. «Wer einmal in seinem Leben etwas erfunden hat, wird immer wieder versuchen, Neues zu entdecken.»

Die Teleskopwasserwaage

Während Kränzlin über sein Tun und Leben als Erfinder sinniert, sitzt er an einem sonnigen Januarmorgen in der Brasserie des Schweizer Bahnhofs in Basel. Kränzlin lugt mit wachem Blick unter seinen buschigen Augenbrauen hervor, während er von seiner ersten Erfindung erzählt, die er zusammen mit einem Freund ausgetüftelt hat: «Unsere Teleskopwasserwaage kann zu beiden Seiten ausgezogen werden. Neben gewöhnlichen Funktionen zeigen ausserdem Ultraschalldistanzmesser und Ortungsgeräte den Abstand zwischen zwei Wänden an.» Allerdings gebe es noch Probleme mit der Genauigkeit, wie er unlängst gegenüber Interessenten einräumen musste. «Aber die Waage ist ja auch für Bastler gedacht.» Wieso Bastler mit einer ungenauen Waage zufrieden sein sollten, lässt er offen. Die Interessenten haben sich zurückgezogen.

«Jeder Erfinder hat in seinem Leben Momente, in denen er denkt, ‹jetzt habe ich das Ei vom Kolumbus entdeckt›.» Es passiere sehr oft, dass befreundete Erfinder ihre Kollegen wieder auf den Boden zurückholen müssten, um zu verhindern, dass sich diese in ein Projekt steigern, das auf dem Markt wohl chancenlos wäre, erzählt Kränzlin. Der Austausch unter Tüftlern sei deshalb sehr wichtig. Dass dabei keine Ideen geklaut werden, sei Ehrensache.

Häufiger am Schreibtisch als in der Garage

Überhaupt verbringt der Erfinder Kränzlin mehr Zeit am Schreibtisch, als in der Garage, wo er seine kleine Tüftlerwerkstatt eingerichtet hat. «Das Schwierige am Ausarbeiten eines Patents ist es, die Idee einerseits so exakt zu formulieren, dass sie nicht durch geringfügige Abweichungen kopiert werden kann, und andererseits so viel Freiraum zu lassen, dass bei der Entwicklung eines Prototyps genügend Spielraum vorhanden ist. Ein sehr schmaler Grat.» Er bestellt einen zweiten Espresso. Erfinder ist Kränzlin nur in seiner Freizeit. Sein Geld verdient er als Buchhalter beim Kanton Baselland. Dort wohnt er auch, auf dem Land, im 10 000 Einwohner zählenden Aesch, gemeinsam mit seiner Ehefrau und zwei Kindern.

Zur Marktreife hat es noch keine seiner Ideen geschafft. Den vielen Patenten, die inzwischen auf seinen Namen lauten, steht ein einziger Prototyp gegenüber: Er trägt den sperrigen Namen Sonic Solar Energy Collector SSEC und ist der grösste Stolz von Enrico Kränzlin: «Der SSEC ist eine sich autonom mit Energie versorgende Lampe. Ausgestattet mit 50 LEDs weist sie auf der einen Seite ein Solarpanel aus, auf der anderen Seite sind Hochleistungsreflektoren befestigt. So kann sich die Lampe selber mit Strom versorgen.»

Eine chinesische Firma habe die Lampe angeschaut. Doch Kränzlin musste sie ohne Vertrag wieder ziehen lassen: «Sie hätten zurzeit andere Prioritäten, teilte die Firma mit. Ob das ganz ehrlich war, wissen wir nicht. Vielleicht gibt es inzwischen in China ja Strassenzüge, die mit unseren Lampen bestückt sind – wer weiss.» Die Idee hinter dem SSEC klingt schon fast zu einfach. Aber es ist ja genau diese Eigenschaft, die es ausmacht: Das Ei des Kolumbus.