Erste Bilanz
«Der Liestaler hat die ‹Farnsburg› leider noch nicht entdeckt»

Vor gut einem Jahr feierte das Restaurant «Farnsburg» in Liestal Neueröffnung. Besitzer Nicolas Manzi beobachtet im wichtigen Abendgeschäft seines Gastro-Betriebs viele Auswärtige und wenige Liestaler – er führt dies auf seine Person zurück.

Andreas Hirsbrunner
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Vor gut einem Jahr wurde das Restaurant Farnsburg neu eröffnet.

Vor gut einem Jahr wurde das Restaurant Farnsburg neu eröffnet.

Kenneth Nars

Vor etwas mehr als einem Jahr startete das traditionsreiche Liestaler Lokal «Farnsburg» am untern Stedtli-Eingang nach umfassender Renovation in völlig neuem Gewand: Aus der schummrigen Sportbar wurde ein stimmungsvolles, helles Gourmet-Restaurant. Vergangenen Sonntag feierte Besitzer Nicolas Manzi (58) mit einer grösseren Gästeschar das erste Jahr, das allerdings nicht in allen Belangen so gelaufen ist, wie er es sich erhofft hatte.

Herr Manzi, Sie haben im ersten Betriebsjahr einige Änderungen an Ihrem Konzept vorgenommen, so etwa das Buffet aufgehoben und die Öffnungszeiten am Nachmittag eingeschränkt. Und über Mittag ist die Gaststube manchmal nur halb voll. Wie geht es der «Farnsburg» nach einem Jahr?

Nicolas Manzi bleibt optimistisch.

Nicolas Manzi bleibt optimistisch.

Nicolas Manzi: An einem Teil der Tage geht es ihr blendend, an andern weniger. Das Konzept habe ich nicht eigentlich geändert, sondern nach einer ersten Phase, in der wir unsere Position auf dem Markt und unser Zielpublikum finden mussten, angepasst. Dabei stellte ich fest, dass das Buffet zwar bei den Geschäftskunden gut ankam, nicht aber beim Normalverbraucher. Er fand es zu teuer, denn er ist bereit, bis zu 20 Franken für ein Mittagessen auszugeben. Deshalb bieten wir seit April kein Buffet mehr an, sondern fünf Menus, davon vier für knapp 20 Franken. Seither haben sich die Mittagessen verdreifacht. Das zeigt, dass über Mittag eine andere Art Gast unterwegs ist als am Abend: Am Mittag will er einfach den Hunger stillen, am Abend will er Erlebnis und Genuss. Und dafür ist er auch bereit, mehr zu bezahlen, im Normalfall zwischen 80 und 150 Franken pro Gast.

Das Abendgeschäft läuft also besser als das Mittagsgeschäft?

Ja klar, am Freitag- und Samstagabend sind wir meistens ausgebucht und im Saal haben wir viele Bankette. Über Mittag arbeiten wir dagegen nicht kostendeckend und es ist immer eine Überraschung, wie weit wir besetzt sind. Wir haben eine treue Stammkundschaft aus dem Bankenbereich, der Rest schwankt von Tag zu Tag; die Kunden zirkulieren offensichtlich zwischen den Restaurants in Liestal. Für die «Farnsburg» wäre es deshalb rein vom Finanziellen her besser, nur abends zu öffnen.

Am Jubiläumsfest ist aufgefallen, dass keine prominenten Köpfe aus Liestal dabei waren. Wieso?

Wir haben 50 Leute eingeladen und die sind praktisch alle gekommen. Aber es ist schon so: Unser Hauptpublikum kommt am Abend von auswärts, vor allem aus dem Unterbaselbiet und dem Schwarzbubenland, zu einem Teil auch aus Basel, Zürich oder dem Aargau. Leider hat der Liestaler die «Farnsburg» noch nicht entdeckt. Wahrscheinlich hat das mit meiner Person zu tun. Ich bin ein exponierter Geschäftsmann und viele schütteln den Kopf, dass der Nicolas Manzi jetzt Gastronomie macht. Die wissen aber nicht, dass ich schon seit den 1980er-Jahren in der Gastronomie mitmische und Gastronomie auch mein Hobby ist. Ich erhole mich beim Kochen und bei einer guten Flasche Wein. Ich kann nur versuchen, die Liestaler mit einer hervorragenden Leistung zu gewinnen.

Aber steckt hinter diesen Vorbehalten der Liestaler nicht noch anderes?

Vielleicht ist ein Problem, dass die Leute nicht wissen, was ich beruflich mache: Ich verdiene mein Geld in der Immobilienbranche und da hauptsächlich mit der Planung und Ausführung von Radiologie. Und da dies nicht lokal in Liestal stattfindet, sondern in der ganzen Schweiz, ist das nicht so sichtbar und mit einer Ungewissheit verbunden. Ich erlebe immer wieder, dass mich die Leute nur weiss oder schwarz sehen. Ich habe die «Farnsburg» erschaffen, weil ich so etwas vom Ambiente und vom Angebot her in Liestal vermisst habe. Und ich bin der Meinung, dass sie eine Bereicherung für Liestal ist. Ich gebe der «Farnsburg» zwei Jahre Aufbauzeit, dann muss sie kostendeckend sein.

Sind Sie jetzt weit weg davon?

Der Verlust ist im Moment etwas höher als budgetiert. Aber das hat auch damit zu tun, dass man beim Betrieb plötzlich Dinge sieht, die fehlen, die man aber nicht einkalkuliert hat. Ab jetzt habe ich aber Vergleichszahlen und kann schauen, ob es gegenüber dem letzten Jahr vor- oder rückwärtsgeht. Mit ein Grund, dass ich an den zwei Jahren unbedingt festhalte, sind meine neun Mitarbeiter. Gegenüber ihnen habe ich eine Verantwortung. Aber ich betone: Wir sind vor einem Jahr bei Null ganz ohne Stammkundschaft gestartet und ich bin nach wie vor optimistisch, dass wir in einem Jahr schwarze Zahlen schreiben.