Pfeffinger Forum
Der Mann, der die hohe Politik nach Pfeffingen holt

Paul Schär ist seit über einem Vierteljahrhundert in Einsatz – zwei weitere Jahre sollen es werden.

David Sieber
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Paul Schär bringt selbst Bundesräte nach Pfeffingen.

Paul Schär bringt selbst Bundesräte nach Pfeffingen.

Nicole Nars-Zimmer niz

Kaum sind morgens um 9 Uhr die Kirchenglocken im ansonsten ruhigen Dorf verklungen, fährt er vor. Der Ex-Landrat, FDP-Fraktionschef, Versicherungsmanager und Oberst. Strahlend und braun gebrannt steigt er aus dem weissen Smart. Keine Spur von Angespanntheit. Dabei findet am Montag das 26. Pfeffinger Forum statt, das er gegründet hat und bis heute organisiert. Es dürfte genau diese gewinnende Art sein, die den Anlass zu dem Höhepunkt im Baselbieter Politjahr macht. Bundesräte, Regierungsräte, National- und Ständeräte – er hatte sie alle in der Aula des Dorfschulhauses.

«Ich habe noch immer ein gutes Netzwerk», sagt der 76-Jährige. Und ganz offensichtlich einen hervorragenden Draht ins Bundeshaus. Mit Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann reist zum 16. Mal ein Bundesrat in die 2370-Seelen-Gemeinde des gehobenen Mittelstandes. Warum Pfeffingen? Die Antwort ist verblüfft ein wenig: «Als ich vor über 30 Jahren hierhergezogen bin und eine örtliche FDP-Sektion mitgegründet habe, stellte ich rasch fest: Alles läuft prima. Es gibt fast nichts zu politisieren.» Angeregt nicht zuletzt durch einen Besuch des WEF in Davos, beschloss Schär, eine Veranstaltung ins Leben zu rufen, an der wichtige Exponenten des öffentlichen Lebens zu einem bestimmten Thema referieren und diskutieren.

Schmidhauser letzter Auftritt

1991 war Premiere. 160 Zuhörerinnen und Zuhörer waren dabei, als Peter Rogge, Chef des damaligen Wirtschaftsforschungsinstituts Prognos, die Frage stellte, ob die Schweiz noch ein Herz Europas sei. Bereits drei Jahre später gab sich der erste Bundesrat die Ehre. Mit dem Dornacher Otto Stich zwar einer aus der erweiterten Nachbarschaft, doch eine Tradition war geboren. Und welches Forum war das bis anhin beste? Schär muss nicht zwei Mal überlegen: jenes 2005 mit Aussenministerin Micheline Calmy-Rey zu Schengen/Dublin. Der Anlass sei «sehr intensiv» gewesen. Sehr spannend sei es auch das Jahr darauf gewesen, als VBS-Chef Samuel Schmid und Nahost-Korrespondent Ulrich Tilgner sich dem Thema Sicherheit annahmen.

Ausserhalb der etablierten Übungsanlage, dafür «hochemotional» sei die Uraufführung des General-Sutter-Films 1999 gewesen. Anwesend war auch die Schauspielerlegende Hannes Schmidhauser («Ueli der Knecht»), der den Titelhelden verkörpert. Schär und Schmidhauser sassen vor Beginn im Geräteraum. Schär war sich nicht sicher, wie viele Leute kommen. Schmidhauser, der drei Wochen später starb, beruhigte ihn. «Keine Sorge», habe er gesagt, «die Menschen mögen mich». Und tatsächlich war die Aula mit 350 Zuschauern gut gefüllt. Weniger kamen seither nie mehr. Im Gegenteil, es sind stets über 500, davon auch viele Einheimische.

Obwohl das Pfeffinger Forum von einem kleinen Team der örtlichen FDP organisiert wird, ist es kein parteipolitischer Anlass. «Wir wollen zur Meinungsbildung beitragen. Dazu gehören kontroverse Diskussionen», sagt Schär. Auch diesbezüglich ist der Mann im Unruhestand – er arbeitet noch immer zwei Tage die Woche – ein «richtiger Liberaler». Einer, der sich für den Werkplatz Schweiz einsetzt, der aber «sozialverträglich» sein müsse. Ein bisschen scheint der Vater doch abgefärbt zu haben. Dieser war der erste reformierte SP-Gemeinderat in Reinach.

«Vater des Höhenfeuers»

Schär ist dort aufgewachsen und nimmt als Mitglied der Zunft zu Rebmessern rege am sozialen Leben teil. Aber auch die Stadt mit ihrem kulturellen Leben ist ihm nah. So engagiert er sich bei der Sinfonietta. Und das als «Vater des Höhenfeuers» gegen die Fusion der beiden Basel, wie er mit ein wenig Stolz erklärt. Ein Fusionsgegner? Sicher aus steuerlichen Gründen? Weit gefehlt. Er sei für bilaterale Verträge und eine enge Zusammenarbeit mit der ganzen Region, also auch mit Solothurn und Aargau. Denn die grossen Probleme gingen über die beiden Kantone hinaus. Zudem ist Schär der Meinung, eine Fusion bringe keinen Effizienzgewinn. Doch eigentlich hat er derzeit anderes im Kopf. Schneider-Ammann und eine hochkarätige Diskussionsrunde zum Thema Digitalisierung findet sich am Montag ein. Es wird Schärs drittletztes Forum sein. «Zwei mache ich sicher noch, dann ist meine Nachfolge dran.»