Hölstein
Der neue Präsident des Bauernverbandes beider Basel tanzt auf ein paar Hochzeiten

Andreas Haas sieht sich zwar nur als Übergangspräsident, weiss aber dennoch genau, wo er den Hebel ansetzen will

Lucas Huber
Drucken
Teilen
«Wir müssen wieder als eine Stimme sprechen.» Andreas Haas will den Bauernverband einen.Lucas Huber

«Wir müssen wieder als eine Stimme sprechen.» Andreas Haas will den Bauernverband einen.Lucas Huber

Als Andreas Haas kurz vor Abschluss seiner Bauernlehre verunfallte, stand vieles auf der Kippe. Als er wieder auf den Beinen war, sein linker Arm aber gelähmt blieb, hätte ihm wohl ziemlich jeder gesagt, dass er, mit nur einem funktionierenden Arm, keinen Landwirtschaftsbetrieb führen könnte.

Aber es kam anders. Andreas Haas führt heute einen Landwirtschaftsbetrieb, und das bereits seit 14 Jahren. Er hat ihn von seinen Eltern übernommen: Milchwirtschaft, Obst- und Ackerbau, Spargel. Seit der Generalversammlung vor neun Tagen führt er sogar den Bauernverband beider Basel, kurz BVBB. Bereits im April – damals war er Vizepräsident – hatte er die Verbandsführung interimistisch übernommen, nachdem sein Vorgänger seinen sofortigen Rücktritt erklärt hatte.

Es sind grosse Aufgaben, die den Hölsteiner erwarten. Denn der BVBB schreibt gerade rote Zahlen, für das kommende Jahr budgetiert der Verband ein Defizit von 35 000 Franken. «Wir müssen die Finanzen in den Griff bekommen», erklärt Haas. Dies soll vor allem mit dem Ausbau der Versicherungsberatungen geschehen. Sie sind, neben den Mitgliederbeiträgen, gewichtigste Einnahmequelle.

Haas will den Verband professionalisieren. Und er will ihn einen: «Wir müssen wieder als eine Stimme sprechen.» Heute ist die Landwirtschaft stark diversifiziert, und die Teilverbände – ob Obst, Gemüse, Milch oder Mast – ziehen in ihre jeweilige Richtung. «Das ist keine gute Tendenz. Wir dürfen uns nicht aufsplittern.»

Andreas Haas hat sich nicht um das präsidiale Amt gerissen, denn eigentlich hat er genug zu tun, sein Betrieb hält den 48-Jährigen auf Trab. Und nicht nur der: Haas, verheiratet seit 2004, ist Vater dreier Töchter zwischen sieben und elf Jahren, da sei, sagt er lächelnd, immer gehörig was los: «Die Familie steht für mich zualleroberst.»

«Ich habe mir das gut überlegt»

Gleichwohl scheut er den arbeitsaufwendigen Posten des Verbandspräsidenten nicht. «Ich habe mir das gut überlegt, denn es bedeutet viel Arbeit», sagt er. Aber eine Alternative hat sich nicht anerboten – «und meine Familie steht voll und ganz dahinter, sonst hätte ich den Job nicht angenommen».

Diese Leidenschaft, sich zu engagieren – für die Gemeinschaft, den Bauernstand – hat er von den Eltern mitbekommen. Darum ist es für ihn selbstverständlich. «Kritik zu üben ist ausserdem einfach, und ich bin durchaus ein kritischer Zeitgenosse. Wie hätte ich da also Nein sagen können, als man mich anfragte?»

Andreas Haas ist alles andere als eine Notlösung, auch wenn er sich lediglich als Übergangspräsidenten sieht, der sein Amt in zwei Jahren wieder zur Verfügung stellen will. Er bringt die Erfahrung innerhalb des Verbandes, das Netzwerk sowie die nötige Leidenschaft mit. Schliesslich war er schon Präsident der Schweizerischen Fleckviehjungzüchter, der hiesigen Viehzuchtgenossenschaft und Swissherdbook Baselland, dem Rindviehzuchtverband.

In zwei Jahren freut er sich also darauf, mehr Zeit für die Familie zu haben und wieder vermehrt seiner grossen Leidenschaft zu frönen, dem Tanzen. Und dann kommt wieder der engagierte Haas durch: «Momentan kann ich mir ja nicht vorstellen, selbst in die Politik einzusteigen. Aber wer weiss?» Und wer Verband und Bauernhof mit nur einem funktionierenden Arm führt, dem wäre auch die Politik keine Bürde.