Thomas Weber
Der nüchterne SVPler will seine Direktion behalten

Der SVP-Regierungsrat Thomas Weber blickt den Regierungswahlen vom 8. Februar gelassen entgegen – zeigt sich aber nicht verhandlungsbereit, seine Direktion abzugeben.

Leif Simonsen
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An das Schloss Ebenrain in Sissach hat SVP-Regierungsrat Thomas Weber seine allerersten Erinnerungen – als nicht mal dreijähriger Dreikäsehoch.

An das Schloss Ebenrain in Sissach hat SVP-Regierungsrat Thomas Weber seine allerersten Erinnerungen – als nicht mal dreijähriger Dreikäsehoch.

Kenneth Nars

Ab und zu bricht es noch aus dem Beamtengesicht heraus, dieses schelmische Lachen, das an seine Flegeljahre erinnert. «Ich bin überhaupt nicht gerne in die Schule gegangen und war alles andere als ein Musterschüler», gesteht Thomas Weber beim Treffen im Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain in Sissach. Schon drei Jahre vor dem Schulabschluss begann er die Tage bis zur Matur zu zählen. Er fand aber schnell heraus, dass es psychologisch besser ist, die Wochen zu zählen – hier war er mit einer fassbareren Zahl konfrontiert.

Obwohl in den Jugendjahren alles andere als die Schule im Zentrum stand, schaffte Weber letztlich den Abschluss recht locker. «Ich hatte das Glück, dass ich ziemlich schnell lerne und ein gutes Erinnerungsvermögen habe.» Beim Treffen mit der bz stellt er dies unter Beweis. «An das Schloss Ebenrain habe ich meine allerersten Erinnerungen», sagt er. Alt kann er nicht gewesen sein, als sich diese einprägten. Bereits mit drei zog er von Sissach nach Bubendorf.

Turbulenzen beim Spital gemeistert

Das schnelle Auffassungsvermögen ist eine Gabe, die ihm in seinem beruflichen Leben besonders zugutekommt. 2013 kandidierte der Mitarbeiter des Bundesamts für Strassen (Astra) nach einer 25-jährigen Karriere im Ingenieurwesen als Regierungsrat – und prompt setzte er sich bei der Nachfolge des zurückgetretenen Adrian Ballmer (FDP) gegen den Favoriten der SP, Eric Nussbaumer, durch. Das erste halbe Jahr in der Regierung glich einem Sprung ins kalte Wasser. Schliesslich hatte Weber zwar bei der Astra Führungsposition inne; er wusste also, was es heisst, Verantwortung zu übernehmen. «Dass plötzlich alles Öffentlichkeitscharakter hatte, daran musste ich mich aber erst gewöhnen», gesteht er. Kräftezehrend war zudem die Einarbeitung in die Dossiers. «Auch das war gewöhnungsbedürftig: Auskunft über Dinge zu geben, in denen man sich nicht hundertprozentig dossierfest fühlt.»

Es blieb ihm nicht viel Zeit für die Hobbys – die Langlauflatten blieben vorübergehend im Keller, ebenso die Wanderschuhe. Nur seinen Schwarznasenschafen blieb er immer treu. «Sie zwingen mich, jeden Tag um kurz nach fünf Uhr den Wecker zu stellen. Das Füttern kann ich nicht auf den nächsten Tag verschieben.» Nicht, dass der 53-Jährige heute mehr Zeit für seine Hobbys hätte. Aber mittlerweile ist doch etwas Gelassenheit eingekehrt beim Buusner. Besonders im Hinblick auf die Wahlen vom 8. Februar gibt er sich entspannt: «Ich habe in den vergangenen zwei Jahren getan, was ich tun konnte. Ich gehe von einer Wiederwahl aus.»

Tatsächlich hat Weber in seinen eineinhalb Jahren Amtszeit einige Duftmarken gesetzt. Sein grösster Erfolg als Volkswirtschaftsdirektor ist die Ansiedlung des Innovationsparks im Allschwiler Bachgraben, der vom Bund subventioniert wird. Passable Resultate kann er bei der Wirtschaftsoffensive vorweisen, deren Federführung er mittlerweile von seiner Regierungskollegin Sabine Pegoraro übernommen hat. Zwar wartet er neben dem Grossinvestor Coop weiterhin auf einen «grossen Fisch», wie er vorgestern an einer Medienkonferenz einräumen musste. Bei der Steigerung der Unternehmenssteuern liege man auf Kurs.

Am stärksten ist Weber aber in der Spitalpolitik in Erscheinung getreten. Nach dem nicht immer glücklich agierenden VGD-Direktor Peter Zwick, der 2013 im Amt verstarb, warteten auf den Nachfolger einige Baustellen. Die Zusammenführung der ausgelagerten Kantonsspitäler Laufen, Liestal und Bruderholz führte zu Unruhen beim Spitalpersonal – insbesondere das Bruderholz hatte gewichtige Abgänge zu beklagen. Weber zog im vergangenen Jahr die Reissleine, schasste den umstrittenen Spital-CEO Heinz Schneider und ersetzte den Verwaltungsratspräsidenten. Schliesslich trat er selbst noch aus dem Verwaltungsrat aus, um Interessenskonflikte zwischen dem Kanton als Leistungsbesteller und dem Spital als Leistungserbringer zu vermeiden.

Von aussen macht es den Eindruck, als arbeite Weber auf die eigene Entmachtung hin – was für einen SVPler und Staatskritiker ja eigentlich im Ur-Interesse liegt. Weber selbst sieht aber grossen Handlungsspielraum im VGD. «Ich sehe mich immer noch in der Verantwortung, den 280 000 Baselbietern eine optimale Versorgung zu ermöglichen», sagt er. Nach zwei Jahren sieht er noch nicht die Zeit gekommen, die Direktion zu wechseln. Seine Projekte sind auf einen längeren Zeitraum ausgelegt. Vor dem Hintergrund der Überalterung will er den Gemeinden mehr Steuerungsmöglichkeiten geben. Und in der Landwirtschaft will er zusätzliche Anreize für den Konsum regionaler Produkte setzen.

Pragmatischer SVPler

Dass ein Direktionswechsel für ihn nicht infrage kommt, wird spätestens nach dem 8. Februar zu parteiinternen Gesprächen führen. Viele Parteikollegen finden, dass die Bildungsdirektion endlich in bürgerliche Hand gehört – nachdem sie 25 Jahre von den Sozialdemokraten geführt worden und mittlerweile in den Augen vieler Bürgerlichen in einer Sackgasse gelandet ist. Sollte lediglich drei von vier bürgerlichen Kandidaten die Wahl gelingen – dann wird der Druck auf Weber steigen, die Bildungsdirektion zu übernehmen.

Eine radikale Kehrtwende in der Bildungspolitik dürfte aber auch dann nicht erwartet werden. Den schnellen Harmos-Ausstieg, den die Initianten erst nach dem Abtritt von Bildungsdirektor Urs Wüthrich aufs Tapet bringen wollen, wird auch Weber nicht vorantreiben. Dazu ist der Mann, der im ersten Wahlkampf stets seine «Brückenbauerfähigkeiten» betonte, zu pragmatisch. Eine Haltung, die stark mit seiner politischen Sozialisierung zusammenhängt. Als er gerade mal acht Jahre alt war, brannte sich die bisher prägendste Erinnerung ein. Sein Vater kämpfte als SVP-Mitglied für die Selbstständigkeit des Kantons Baselland. Mit 22 stiess auch sein Sohn zur Partei, angezogen vom «bäuerlich-gewerblichen» Gedankengut. «Im Wallis wäre ich vielleicht bei der CVP, im Laufental bei der FDP gelandet», weist Weber auf die regionalen Unterschiede in der Parteienlandschaft hin – und natürlich auch, dass er sich zum moderaten Flügel der SVP zählt.

In einem Punkt aber unterscheidet er sich kaum vom gemeinen SVPler: in seinem Patriotismus. Weber nennt es «Vaterlandsliebe – das ist weniger negativ konnotiert.» 1400 Diensttage hat der Vater dreier erwachsener Jungs für dieses Vaterland geleistet. Als Oberst hätte er sich nie einer Partei anschliessen können, welche die Abschaffung der Armee befürwortet. Und stolz sein dürfe man doch auch auf die Schönheiten dieses Landes. «Auch als bescheidener Baselbieter kann man sagen, dass beispielsweise das Schloss Ebenrain ein unglaubliches Prunkstück ist.»