Pratteln
Der Riesen-Schriftzug auf Planzer-Gebäude muss wohl weg

Pratteln will sein Reklamereglement leicht entschärfen. Der Planzer-Schriftzug wird dadurch aber auch in Zukunft nicht legalisiert. Am Montagabend entschied der Einwohnerrat von Pratteln darüber.

Patrick Rudin
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Erlaubt wären maximal 2,5 Meter: Schriftzug am Planzer-Neubau in Pratteln. Visualisierung zvg

Erlaubt wären maximal 2,5 Meter: Schriftzug am Planzer-Neubau in Pratteln. Visualisierung zvg

zVg

Zwei grosse Schautafeln standen am Montag in der Dorfturnhalle bereit, um dem Prattler Einwohnerrat die Planzer-Dimensionen näher zu bringen: Der massstabgetreue Plan mit der heutigen Werbeanschrift sowie mehr oder minder geeignete Alternativen.

Dass die aktuellen Lettern zu gross sind, ist eindeutig: Das Reklamereglement der Gemeinde erlaubt selbst in der Industriezone höchstens Buchstaben in der Höhe von 2,5 Meter. Offenbar lag für den Schriftzug gar keine Bewilligung vor. Inzwischen bereitet Pratteln ein neues Reglement vor, es wurde am Montag einstimmig an die vorberatende Kommission überwiesen. Wann es in Kraft treten wird, ist noch unklar.

Die neue Bestimmung nach dem Entwurf des Gemeinderates wäre für Planzer deutlich besser: In der Industriezone wäre danach eine Gebäudebeschriftung erlaubt, wenn höchstens 15 Prozent der Fläche dafür benutzt würde. Die Planzer-Fassade beträgt 4930 Quadratmeter, die Buchstaben (alleine das «N» ist 97 Quadratmeter gross) zusammengerechnet 561,7 Quadratmeter – das wären 11,39 Prozent der Fläche. Doch rechnet man auch die Zwischenräume mit ein, so belegt die Schrift 17,11 Prozent der Fassade. Da der Gemeinderat «geringfügige» Ausnahmen erlauben könnte, wäre theoretisch sogar eine Lösung denkbar gewesen, bei der alle Beteiligten das Gesicht hätten wahren können.

Planzer zweimal abgemahnt

Doch Planzer hat erst auf mehrmalige Nachfragen der Gemeinde inzwischen ein Reklamegesuch eingereicht und dabei auch abschreckende Varianten mit mehrfachen Planzer-Schriftzügen in 2,50 Meter-Normhöhe skizziert. Die Botschaft ist klar: Eine reglementskonforme Beschriftung wäre ästhetisch die schlechtere Lösung. Auch gilt noch immer der Tenor, die ganze Beschriftung sei ja keine Werbung, sondern Kunst am Bau.

Im Prattler Einwohnerrat kam dieses Vorgehen am Montag äusserst schlecht an, selbst Einwohnerrat Urs Hess (SVP) kritisierte die Überschreitung. Auch die anderen Fraktionen wollen sie Sache nicht auf sich beruhen lassen. Wie Gemeindepräsident Beat Stingelin erklärte, führe man nächste Woche mit Planzer-Vertretern ein Gespräch. Laut ihm habe die Gemeinde die Firma bereits in der Bauphase zweimal abgemahnt, weil man die detaillierten Pläne nicht erhalten hatte.

Derweil werden die Politiker das neue Reklamereglement in geheimen Kommissionssitzungen beraten, und es sieht nicht so aus, als ob jemand mit einer Art «Lex Planzer» die Riesenreklame nachträglich legalisieren möchte. Die Tage der Beschriftung zumindest in der heutigen Grösse dürften daher gezählt sein. Lenkt Planzer nicht ein, werden sich wohl die Gerichte mit der Sache befassen müssen.