Stellenausschreibung
Der Santichlaus sucht einen Nachfolger

Die Stellen des Santichlaus und des Schmutzli sind hochoffiziell per Inserat ausgeschrieben worden. Familienväter werden übrigens bevorzugt!

Andrea Mašek
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Samichlaus gesucht

Samichlaus gesucht

bz Basellandschaftliche Zeitung

Der Santichlaus und der Schmutzli suchen Nachfolger. Sie sind zwar überhaupt nicht amtsmüde, doch wollen sie für eine vorbildliche Amtsübergabe sorgen und haben deshalb ein Inserat geschaltet. «Wir machen unsere Jobs schon seit fünfzehn Jahren sehr seriös», sagt der Santichlaus auf Nachfrage der Basellandschaftlichen Zeitung. Dies wird in der Anzeige reflektiert.

Das Aufgabengebiet des Santichlaus und des Schmutzli reicht vom Kundenbesuch über administrative Arbeiten bis zur Pflege der Ausrüstungsgegenstände. Es gilt mit der Kundschaft über die guten und weniger guten Taten zu reflektieren und sie zu motivieren, sich zu bessern, heisst es im Inserat. Der Santichlaus erläutert, wie der gegenseitige Informationsaustausch abläuft und wie man sich darauf einigt, was zur Sprache kommen soll. Der Santichlaus erlaubt es sich, zu intervenieren, wenn nur Negatives seitens der Eltern kommt. «Wir sind längst keine Polterer mehr, vor denen sich die Kinder fürchten müssen. Zuerst loben wir die Kleinen immer. Danach ermahnen wir sie, sich in dieser oder jener Sache zu bessern.»

Es steckt viel Herzblut drin

Es ist zu spüren, wie viel Herzblut der Santichlaus und sein Gehilfe in ihre Jobs stecken. Da sie schon lange unterwegs sind, haben sie viele ihrer Kundinnen und Kunden aufwachsen sehen und diese ins Herz geschlossen. Sie haben dadurch aber auch die Möglichkeit, auf frühere Ermahnungen zu verweisen: «Wenn wir einen Kleinen daran erinnern, dass er schon vor zwei Jahren nie aufgeräumt hat, macht das mächtig Eindruck.»

Insgesamt habe sich am Besuch des Santichlaus und des Schmutzli über die Jahre nicht viel geändert – die Kinder seien alle noch gleich, gleich aufgeregt und zeigten gleich viel Respekt. Ebenso bleiben sich die Versli gleich, die der Santichlaus immer einfordert. Er sagt schmunzelnd: «So hören wir halt x-mal dasselbe Gedicht von den Kindergärtlern und x-mal das andere der Schülerinnen.»

Als Belohnung gibt es Nüsse und Mandarinli. Ab und zu liege ein Chlaussäckchen vor der Tür, das der Santichlaus dann in die gute Stube trägt. Mehr akzeptiert er nur ungern; zum Thema Geschenke kommt er so richtig in Fahrt: «Eine Weile lang ist es ausgeartet mit Geschenken. Wir goutierten das nicht. Heute hat sich das Ganze eingespielt.»

Deshalb wäre Erfahrung als Familienvater von Vorteil für den Job, ist im Inserat festgehalten. Dazu sollten Interessenten einen tadellosen Leumund, soziale Kompetenzen, vor allem im Umgang mit der jungen Kundschaft, und gute Ausdrucksweise im Baselbieter Dialekt mitbringen.

Der Santichlaus und der Schmutzli hoffen, es finden sich würdige Nachfolger, die die Tradition aufrechterhalten. «Es braucht jemanden, der den Plausch daran hat», sagt der Santichlaus. Und der bereit sei, etwas reinzustecken, auch finanziell. Die Chlaus-Ausstattung kommt gut und gerne auf 600 Franken zu stehen. Der künftige Santichlaus und der Schmutzli sollen nämlich Wert auf ihr Erscheinungsbild legen – und nicht nach Rauch stinkend die Kundschaft aufsuchen.

Letztere sind zwei von zehn Santichlaus-Geboten, die eingehalten werden müssen. Weitere lauten: klopfen, nicht klingeln, niemanden blossstellen, die Eltern nicht vor den Kindern tadeln und alle duzen. Immerhin müssen allfällige Nachfolger nicht die Schulbank drücken, wie Chläuse in anderen Gegenden.

Lohn für den Job gibt es nicht, die Besuche sind gratis – dafür kommen alle Einnahmen respektive Spenden einem guten Zweck zu. Und geboten wird den Neuen eine gewissenhafte Einführung in einen krisensicheren Job, der als zusätzliches Plus kurze Arbeitswege beinhaltet.

Interessenten melden sich bei: Santi + Chlaus AG, Markus Nägelin, Baumgarten 10, 4424 Arboldswil