Präsidium
Der Schein trügt: Die Baselbieter FDP hat doch einige Personal-Sörgeli

Für die Nachfolge von FDP-Chefin Christine Frey sagen etliche Parteigrössen ab. Paul Hofer und Rolf Blatter zeigen aber Interesse.

Hans-Martin Jermann
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FDP Baselland
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Sie haben zumindest nicht abgesagt, verfügen aber neben Qualitäten über mindestens einen Makel: die FDP-Landräte Paul Hofer
Rolf Blatter
Rolf Richterich
Balz Stückelberger.

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Juri Junkov/Fotograf

Seit die Baselbieter FDP-Präsidentin Christine Frey (50) am 23. März ihren Rücktritt per Mitte August bekannt gegeben hatte, konnte die Partei mit Erfolg den Eindruck aufrechterhalten, für Freys Nachfolge stehe eine Reihe von Hochkarätern bereit. Anders als im Frühjahr bei der CVP sagten bei den Freisinnigen am Tag eins nach der Rücktrittsankündigung der Chefin nicht gleich alle Parteigranden ab. Aus PR-Sicht haben die Freisinnigen zuletzt also vieles richtig gemacht. Doch entspricht dieses nach aussen vermittelte Bild der grossen staatstragenden Partei mit unerschöpflichem Reservoir an Papabili der Realität? Zweifel sind angebracht, zumal die Ansprüche an den künftigen Präsidenten hoch sind.

So hält es Wirtschaftskammer-Direktor Christoph Buser für «zwingend», dass der neue Präsident oder die neue Präsidentin in der kantonalen Politik gut vernetzt ist. «Idealerweise wäre dies ein Mitglied der FDP-Landratsfraktion», sagt Buser. Er ist auch nach seinem Rücktritt aus der Leitung der Partei ihr einflussreichster Strippenzieher. Ähnlich äussern sich andere hochrangige FDP-Vertreter. «Wer auf kantonaler Ebene bereits ein Amt hat, ist klar im Vorteil», sagt Rolf Richterich, Fraktionschef im Landrat und Mitglied der Findungskommission fürs Parteipräsidium. Sei dies nicht der Fall, wäre das für eine Kandidatur aber kein Ausschlusskriterium, fügt er relativierend an.

21. Mai für Richterich entscheidend

Die «Schweiz am Wochenende» hat in der 17-köpfigen FDP-Fraktion im Baselbieter Parlament nachgefragt und stellt fest: Es gibt kaum welche, die wirklich wollen. Dafür viele offizielle Absagen. Neben den in den Medien bereits genannten Andreas Dürr (Biel-Benken) und Saskia Schenker (Itingen) geben nun gleich eine Reihe von Landräten ihren Verzicht auf eine Kandidatur bekannt: Christoph Buser (Füllinsdorf), Thomas Eugster (Liestal), Christof Hiltmann (Birsfelden), Marianne Hollinger (Aesch), Sven Inäbnit (Binningen), Andrea Kaufmann (Waldenburg) und Marc Schinzel (Binningen). Die Meldefrist läuft bereits am 14. Mai ab. Noch vor den Sommerferien will die Kommission ihren Wahlvorschlag mit einem bis drei Kandidierenden zuhanden der Parteiversammlung vom 17. August präsentieren. Auch das ist ein Unterschied zur CVP, deren Findungskommission den Parteigängern und Medien erst am Tag vor der Wahl einen Einervorschlag präsentiert hat.

Auf die schriftliche Anfrage der Kommission an die Landräte, ihr einen allfälligen Verzicht zu melden, hat hingegen Rolf Richterich nicht reagiert. Der 50-jährige Laufner lässt also mit sich reden. Allerdings: Richterich möchte nur Parteichef werden, wenn er 2019 zur Wiederwahl ins Kantonsparlament antreten darf. Dies wird sich in zwei Wochen zeigen, wenn das Baselbieter Volk an der Urne über die Abschaffung der Amtszeitbeschränkung für Landräte entscheidet. Gemäss der geltenden Regel dürfte Richterich, der seit 2003 im Kantonsparlament politisiert, bei den kommenden Wahlen nicht mehr antreten. Richterich gilt als gradliniger Politiker, er tritt stets pointiert, manchmal etwas hitzköpfig auf. Eigenschaften, die nicht ausschliesslich positiv besetzt sind.

Eine zweite prominente Personalie mit Fragezeichen ist jene von Balz Stückelberger. Wie Richterich hat auch der Arlesheimer der Findungskommission keine Absage erteilt. Auf Anfrage sagt er: «Ich suche das Amt des Parteipräsidenten nicht und kann mir das aus zeitlichen Gründen nicht vorstellen.» Er schiebt aber nach, dass es ebenso falsch wäre, jetzt schon Türen zuzustossen. Stückelberger befindet sich wohl in einer Zwickmühle: Einerseits wäre das Präsidium eine Chance für den linksliberalen Banken-Vertreter in der Partei, die mit Frey und ihrer Entourage zuletzt von rechtsbürgerlichen Kräften geprägt war, das Ruder zu übernehmen. Es gibt in der FDP einige, die einen moderaten Kurswechsel begrüssen würden und daher gerne Stückelberger an der Parteispitze sähen.

Andererseits: Mit dem Präsidium verbaut sich Stückelberger eine Kandidatur bei den Ständeratswahlen 2019. Er wäre derzeit der aussichtsreichste Kandidat, um den Baselbieter Sitz im Stöckli ins bürgerliche Lager zurückzuholen. 2015 unterlag er in der FDP-internen Ausmarchung knapp dem später bei der Wahl gescheiterten Wirtschaftskammer-Direktor Buser. Es gibt zwar keine Regel, die eine Ständeratskandidatur eines Parteipräsidenten verbietet. Allerdings wäre es wahlstrategisch unvorteilhaft, wenn sich im Wahlkampf die Rollen als Parteichef und überparteilicher Stöckli-Kandidat vermischen würden. Will er nicht seine eigenen Ambitionen begraben, darf Stückelberger nicht als Parteichef kandidieren. Kommt hinzu: Der 45-Jährige wäre aus Sicht der Partei womöglich nicht die perfekte Wahl. Für «Stücki» spräche, dass er unideologisch politisiert und Brücken bauen kann. Gegen ihn, dass er im Parlament den Ruf eines Schönwetter-Politikers geniesst.

Blatter will Verantwortung tragen

Welche Landräte bleiben also als mögliche Kandierende fürs Parteipräsidium zurück? Gegenüber der «Basler Zeitung» meldete Anfang Woche Paul Hofer sein Interesse an. Der Start-up-Unternehmer und ehemalige Banker aus Oberwil ist in der Partei bestens eingemittet. Gegen ihn spricht allerdings sein relativ hohes Alter – Hofer wird dieses Jahr 70 – und die Tatsache, dass er in der Ausmarchung ums Parteipräsidium 2012 der aktuellen Präsidentin Christine Frey unterlegen ist.

Seine Ambitionen nicht verhehlen kann zudem der Pfeffinger Landrat Rolf Blatter. Er sei bereit, in der Partei mehr Verantwortung zu übernehmen, sagt der 55-Jährige auf Anfrage. Der selbstständige Unternehmensberater sass in den 1990er-Jahren bereits als Kassenwart in der Parteileitung. Blatter liegt als klassischer Wirtschaftsliberaler auf der Linie der bisherigen Parteileitung um Christine Frey. Rolf Blatters Manko: Er gilt ähnlich wie Paul Hofer nicht als sonderlich charismatisch und mitreissend.

Die FDP hat auf dem Weg zur Kür ihres neuen Chefs wohl einige Optionen offen. So unwiderstehlich scheint die Auswahl – auch gemessen an den hohen Ansprüchen der Partei – allerdings nicht zu sein.

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