Vordere Frenke
Der Schuldige für das Fischsterben ist vermutlich gefunden

Die Rero AG in Waldenburg ist möglicherweise für die Verschmutzung der Vorderen Frenke verantwortlich. Dort kam es vor zwei Wochen zu einem Fischsterben. Bei der Rero ist man sich jedoch keiner Schuld bewusst.

Andrea Schäfer
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Bei der Abwasserreinigungsanlage in Niederdorf floss der Schadstoff in die Vordere Frenke und verursachte ein Fischsterben.Martin Töngi

Bei der Abwasserreinigungsanlage in Niederdorf floss der Schadstoff in die Vordere Frenke und verursachte ein Fischsterben.Martin Töngi

Martin Toengi

Die Rero AG in Waldenburg ist sehr wahrscheinlich für die Verschmutzung der Vorderen Frenke verantwortlich. Die «Basler Zeitung» brachte den Namen der Firma in ihrer gestrigen Ausgabe ins Spiel. Die Rero AG ist an der Hauptstrasse in Waldenburg ansässig und in der Metallveredelung tätig.

Rero-Geschäftsführer Reinhold Tschopp bestätigt auf Anfrage, dass die Rero vom Kanton verdächtigt wird und dass seine Firma eine Strafanzeige des Amts für Umweltschutz und Energie (AUE) erwartet. Allerdings sagt er: «Bis heute haben wir bei uns keine Anzeichen gefunden, dass wir für den Schaden verantwortlich sind.» Der verdächtigte Schadstoff, Diplexin SP-05, wird erst seit kurzem von der Rero verwendet. Er dient laut Tschopp zum Fällen von Schwermetallen im Abwasser. «Wir haben dabei die Anweisungen des Lieferanten beachtet. Der Kanton ist jedoch der Ansicht, dass wir falsch dosiert haben», sagt Tschopp.

Er bezweifelt die Schuld seiner Firma und des verdächtigten Stoffes. «Wir sind der Ansicht, dass nicht das neue Verfahren für das Fischsterben verantwortlich ist, denn dieses Verfahren ist bekannt und anerkannt. Der Kanton scheint aber überzeugt, dass wir das neue Verfahren falsch angewendet haben und daher auch für den entstandenen Schaden verantwortlich sind.»

Auf die Frage, was hohe Schadensersatzforderungen für die Firma bedeuten würden, wollte Tschopp noch keine Auskunft erteilen. Es müssten nun erst die Ermittlungen und der Gerichtsfall abgewartet werden.

Familienfirma mit Tradition

Die Rero ist ein Baselbieter Traditionsunternehmen. Es ist seit den Anfängen 1882 im Besitz der Familie Tschopp; sie ist bereits in fünfter Generation in der Geschäftsleitung vertreten. Wegen ihrer Tätigkeiten mit heiklen chemischen Stoffen ist die Rero nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. Im Oktober 2007 musste der Betrieb evakuiert werden, nachdem ein Mitarbeiter fälschlicherweise Zyanid mit Schwefelsäure vermischte. Dabei traten hochgiftige Blausäuredämpfe aus. Über 30 Personen wurden leicht verletzt.

Beim Kanton wollte sich am Montag noch niemand dazu äussern, welche Firma unter Verdacht stehe. Laut Dieter Leutwyler, Sprecher des Kantonalen Krisenstabs (KKS), erfolge dies beim Einreichen der Strafanzeige. Auf erneute Anfrage wollte Leutwyler auch gestern keinen Kommentar abgeben und berief sich auf Aussagen vom Vortag.

Auswirkungen auf Umwelt

Der ausgetretene Schadstoff beeinträchtigt die Trinkwasserversorgung in der Region seit bald zwei Wochen. Vorsichtshalber wurden sieben Grundwasserpumpwerke in den Gemeinden Hölstein, Bubendorf, Liestal, Frenkendorf und Füllinsdorf abgeschaltet. Diese sind nach wie vor ausser Betrieb. Bubendorf bezieht seit dem 19. Januar Wasser durch eine Notleitung aus Ziefen. Zudem ist die Bevölkerung seither angehalten, Wasser zu sparen.

Der Schadstoff löste ein Fischsterben aus, bei dem mehrere hundert Fische verendeten. Laut Daniel Zopfi, dem stellvertretenden Leiter des kantonalen Jagd- und Fischereiwesens, ist im Moment schwer abzuschätzen, welche Auswirkungen die Verschmutzung auf die Fischpopulation der Vorderen Frenke hatte. Laut Zopfi wird jedoch voraussichtlich Ende dieser Woche der Fluss von der Fachstelle abgefischt. So kann ermittelt werden, wie viele Fische noch vorhanden sind. Der Fischbestand der Vorderen Frenke sei im letzten August bereits ermittelt worden. Diese Daten könne der Kanton nun als Vergleich heranziehen.