Photovoltaik
Der Solarstrom wurde bisher künstlich teuer gehalten

Baselbieter Regierung wird die verordneten Sonnenstrompreise anpassen. Denn Kunden bezahlen für die Sonnen-Kilowattstunde gegenüber Normalstrom einen happigen Aufpreis - und dies, obschon in letzter Zeit die Preise für Photovoltaik-Anlagen sanken.

Daniel Haller
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Die AKW-Katastrophe in Japan könnte Konsumenten auf die Idee bringen, durch den Konsum von Solarstrom ein Zeichen für einen Ausstieg aus der Atomwirtschaft zu setzen. Der Blick in die Preislisten dürfte sie aber auch gleich wieder davon abhalten: Bei EBM und EBL bezahlt man für die Sonnen-Kilowattstunde gegenüber Normalstrom einen Aufpreis von 75 Rappen, bei den IWB 50Rappen – und dies, obschon in letzter Zeit die Preise für Photovoltaik-Anlagen rapide gesunken sind: Hans Jörg Luchsinger, der privat in Sissach in diesen Tagen 26 Quadratmeter Solarpanels installieren liess, gibt die Produktionskosten der Kleinanlage mit 45Rappen pro Kilowattstunde an. «Bei Grossanlagen rechnet man heute mit 25 bis 30 Rappen.»

«Der Kanton schreibt uns vor, dass wir für jede Photovoltaik-Kilowattstunde dem Erzeuger 90 Rappen bezahlen», begründet Thomas Wälchli, Marketingleiter EBM, den abschreckenden Preis. «Wir verkaufen den Solarstrom deswegen unter unserem Einkaufspreis und können auch nicht allen Solarstrom als solchen verkaufen.» Die EBM habe deshalb darauf gedrängt, die kantonale Verordnung zu überarbeiten.

Bernhard Schmocker, Leiter Stromversorgung in der Bau- und Umweltschutzdirektion bestätigt die Existenz dieser Verordnung. «Sie wird derzeit geändert. Dies ist am Dienstag im Regierungsrat traktandiert.»

KEV-Tarif sinkt stetig

Die Elektrizitätsunternehmen haben darauf gedrängt, dass künftig die Baselbieter Preise für Strom aus erneuerbaren Energien der «Kostendeckenden Einspeisevergütung» (KEV) des Bundes angepasst werden. Wie auch im Baselbiet garantiert die KEV dem Besitzer einer Solarstromanlage 20 Jahre lang einen fixen Abnahmepreis. Dieser richtet sich nach den Photovoltaik-Preisen im Baujahr. Entsprechend sind die KEV-Tarife in den letzten zwei Jahren je um 18Prozent gesunken.

Auch wenn sie realistischer sind als die bisherige Baselbieter Verordnung, besteht ein Zielkonflikt: Durch den garantierten Preis fördert man zwar den Bau der Solarstrom-Anlagen. Bezieht jedoch ein Energieunternehmen von vielen «alten» Anlagen Solarstrom, ist dieser teurer als der aktuelle aus den neuen. Dies behindert den Absatz: EBL, EBM und IWB kaufen derzeit mehr Solarstrom als sie verkaufen können. Der Überschuss fliesst dann als undeklarierten «Normalstrom» aus der Steckdose.

Weil die KEV kontingentiert ist, hat sie einen weiteren Nachteil: Es gibt mehr Projekte als Zusagen und eine lange Warteliste: «Wenn ich Glück habe, bekomme ich in drei Jahren KEV», meint Luchsinger. Bis dahin fliesst sein Strom, den er nicht selbst verbraucht, zum Normaltarif ins EBL-Netz, indem sein Zähler rückwärts läuft. «Es ist eindeutig der Bund, der bei der KEV auf dem Schlauch steht», stellt EBL-Geschäftsführer Urs Steiner fest. Damit Solarstrom im Baselbiet nicht stagniert, leiste die EBL für 100 Photovoltaikdächer eine Anschubfinanzierung. «Das Programm ist gut angelaufen, wir sind schon bei rund 50 Dächern.»

IWB verbilligt per Werbebudget

Einen anderen Weg wählen die Basler IWB: «Wir kaufen den Sonnenstrom der alten Anlagen zu den alten, höheren KEV-Tarifen und verkaufen ihn zum heutigen, niedrigeren KEV-Tarif», erklärt IWB-Sprecher René Kindhauser. Die Differenz verbuchen die IWB als Werbekosten.

Dies hält David Stickelberger, Geschäftsführer des Verbands Swissolar, für legitim und richtig: «Es ist heutzutage wichtig, dass sich ein Energieunternehmen bei den neuen erneuerbaren Energien glaubwürdig positioniert.» Zudem müsse die Schweiz schauen, dass sie Photovoltaik fördert, um das Knowhow und die preisgünstige Selbstversorgung zu sichern: «Sonnenstrom wird billiger, Atomstrom nach dem Unfall in Japan hingegen massiv teurer, weil die Sicherheitsanforderungen und voraussichtlich auch die Versicherungs-Prämien für Atomkraftwerke massiv steigen werden.»