Liestal
Der Törli-Wirt darf jetzt wieder sein Alphorn blasen

Dem Liestaler Café-Besitzer Felix Mühleisen war es untersagt, beim Törli-Platz in sein Alphorn zu blasen. Weil eine Anwohnerin sich bei der Polizei beklagte, musster er zuletzt sein Alphorn versorgen. Jetzt hat er eine amtliche Bewilligung.

Jürg Gohl
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Felix Mühleisen mit seinem schwarzen, stillen Alphorn

Felix Mühleisen mit seinem schwarzen, stillen Alphorn

Sein Alphorn trägt stille Trauer. Felix Mühleisen, der umtriebige Besitzer eines Cafés am Törliplatz in Liestal, musste bis gestern darauf verzichten, seinem riesigen Blasinstrument Töne zu entlocken und damit so manchem Stedtli-Besucher ein Schmunzeln aufs Gesicht zu zaubern. Maximal eine halbe Stunde am Stück pflegte er bisher Stückchen zu spielen. «Denn schliesslich will ich die Leute damit unterhalten und fröhlich stimmen, nicht verärgern», sagt der Beizer, der sich über Jahre und zuletzt erfolgreich für einen lebenswerten Törliplatz einsetzte. Es reichte allemal, um dem Kantonshauptort ein beliebtes Fasnachtssujet zu liefern.

«Happy Birthday» bringt Unglück

Doch am vergangenen Sonntag blies er ungewusst den vorübergehenden Schlussakkord. Als er einer Gruppe von Gästen, die bei ihm einen Geburtstag feierte, ein kurzes «Happy Birthday» vortrug, erzürnte das eine Anwohnerin. Sie hatte sich einen ruhigeren Sonntag im Schlafstedtli vorgestellt, drohte deshalb mit dem Anwalt und beschwerte sich bei der Polizei.

Erst am Mittwoch konnte ihn ein Ordnungshüter über die Beschwerde aufklären, und so fügte sich der Musikus. Er versorgte sein Holz-Alphorn. Stattdessen stand ein schwarzes Horn als Zeichen des stillen Protests trotzig vor dem Café. Eine Tafel daneben klärt die Passanten über die Gründe der ewigen Ruhe auf. «Ich bin traurig», heisst es noch. Die Botschaft wird von allen Vorbeigehenden mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen, während Baumaschinenlärm den Platz neben dem Liestaler Törli nun konkurrenzlos beschallen dürfen.

«Ich bin sehr enttäuscht», sagt Felix Mühleisen. Denn ihm gehe es mit seinem Alphornspiel nicht um sich, sondern um zwei andere Dinge: Er möchte den Leuten eine Freude bereiten und zugleich das Liestaler Stedtli beleben, das gerade an Sonntagen einfach tot sei.

Selbst Kulturminister staunt

Befremden löst das Liestaler Alphorn-Verbot selbst bei Regierungsrat und Kulturminister Urs Wüthrich aus. Denn nur vor einer Woche war unter seiner Leitung keinen Steinwurf weit weg vom Café des Alphornbläsers, dem Tatort, erschöpfend über Kultur und Kulturförderung diskutiert worden.

In Sissach ertönen jeden Sonntag- morgen Alphornklänge aus dem Waldstück oberhalb seines Hauses. «Das freut mich sehr», teilt Wüthrich zum Stichwort Alphorn-Lärm mit. Denn «die harmonischen Klänge» würden neben den Kirchglocken eine «friedliche, sonntägliche Stimmung und Ruhe» verbreiten und ihn zudem an seine Jugendzeit im Emmental erinnern. Damals stiess sein Grossvater vor dem Haus jeweils eifrig ins Alphorn, was den angehenden Regierungsrat damals aber eher an Freejazz erinnert als an Gotthelf-Idylle.

Bald wird es auch wieder auf dem Törliplatz ähnlich oder besser tönen. Wie Felix Mühleisen mitgeteilt wurde, müsse er lediglich eine Bewilligung beantragen, um unter geringen Auflagen sein altes Alphorn wieder hervorholen zu können. Und tatsächlich: Bereits gestern Freitag hatte der Café-Besitzer diesen Freibrief in der Tasche. Zum Glück. So werden am Törliplatz nicht nur Bau- und Strassenlärm den Ton angeben.