Reinach
Der Umzug verlief ganz im Zeichen des Mottos: «Numme langsam!»

Seit letztem Jahr gilt Tempo 30 auf beinahe allen Gemeindestrassen in Reinach. Entsprechend lautete das Sujet „Numme langsam!“ und auf der Blagette war eine Rennschnecke zu sehen. Hetzen liess sich bei sonnigem Fasnachtswetter aber niemand.

Martin Merk
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Fasnachtsumzug in Reinach: Die Zünftige 1992 feiern ihren 20. Geburtstag

Fasnachtsumzug in Reinach: Die Zünftige 1992 feiern ihren 20. Geburtstag

Juri Junkov

Beim Sujet der Reinacher Fasnacht liessen einige Fasnächtler ihre Kreativität nicht nur künstlerisch freien Lauf. Das Schissdräckzygli der Räbbärgschnägge kam etwa in ihrem kleinen VW-Bus „De Luxe" an mit Warnklebern mit der 30 und Schnecken. Vor dem Komitee-Zelt aber stellte ein Waggis aber mit Entsetzen fest, dass der Tempo-30-übliche Parkplatz fehlt und half mit einem Spray gleich selbst nach. Und so stand das Büsschen da, machte den Weg aber schliesslich doch noch frei für die weiteren der 52 gemeldeten Einheiten mit 839 Aktiven.

Ein anderes Zygli, Die Gschrubte, kam lieber gleich mit einem Fahrrad-Wagen zum Motto „Jetzt muesch brämse" samt Logo der Präventionskampagne „slow down, take it easy".

Tempo 30 und Zebrastreifen

Nicht nur die Geschwindigkeit war bei Tempo 30 ein Thema, sondern auch die Konsequenzen. „Jetz hämmer dr Drägg - d Zebrastreife sinn ewägg!" hiess das Motto der Schulfasnacht.

Dem nahm sich die Guggenmusik Waldgeischter mit ihrem Sujet „Mir hüenere au!" an und liess für ihre Binggis einen Fussgängerstreifen ausrollen und die Küken auf die andere Seite lotsen.

Einig waren sich dafür alle beim Spruch der Baby-Sitter Waggis: Ob chli odr gross, spiele dörfä alli uf dr Stross.

Aber auch andere lokale Themen kamen dran. Die Holzjätter Rueche gingen mit ihrem Wagen auf den Plakatwald ein, der in Reinach selbst während der Fasnacht nicht zu übersehen ist. Ihr Waggis bietet sich dabei auf den Plakaten von links bis rechts zur Wahl an mit dem Motto „Holzjätter Rueche an d'Fasnacht", egal ob mit einer lachenden Sonne in der Hand oder bei einem rotem Ja-Würfel posierend.

Politisch war auch ein Zygli, dessen Zettel einfach hiess „Fir eimol ohni viel Wort", denn es wurde mit dem Motto „Schwimmen für alle" für das Hallenbad geworben.

Das Schissdräckzygli Turbomüsli kam mit einem Wegweiser zum Fiechtenschulhaus daher, mit vielen Länderflaggen und einer eigenwilligen Interpretation von ISB: Invasions-Schule Birseck.

Ansonsten kamen viele Themen zum Zug, welche nicht nur Reinach bewegen. Weltuntergangsstimmung herrschte gar bei Die Explosive / d'Solex-Waggis 99. Ihr Wagen mit Maya-Pyramide war dem vorhergesagten Weltuntergang im nächsten Dezember gewidmet, doch in ihrer Vorhersage machen sie Hoffnung, zumindest für uns.

Nur Griecheland wird untergoh. Dr Räscht vo dr Wält, dä bliebt stoh. Da passte der Schlager „ein Schiff wird kommen" der darauf folgenden Gugge Rätschbeeri bestens zum Thema.

Bankenkrise

Ganz auf Bankenkrise setzten die P(r)oscht-Waggis. „Mir feschtige unseri Feschtige" war das Motto der Wagenclique mit Logos der Banken UPS und Credit Schiss geschmückt an ihrem burghaften Wagen.

„Schnäller als mit eme Benissimo-Loos wirdsch s Gäld numme bi uns loos", war einer von vielen Sprüchen auf der Festung der „Bängger".

Ein Zügli der Rahmligge kam im Eisbären-Kostüm mit ihrem Iisbärg und „Vor Hitze schützen"-Klebern angerollt und hofft ebenfalls nicht unterzugehen.

Viele Wagen setzten auf Rustikales, so auch das Piratenschiff namens Katharina der Nochwuchs Waggis Birseck. Ihr Jubiläumssujet 20 Joor nit untergange war aber wohl eher Zufall als Anspielung auf die Ereignisse in Italien.